Über das Schreiben

Alles rund ums Schreiben: Sorgen und Ängste von Schriftstellern, Gedanken anderer Autoren über die Schreiberei, Zitate, Gedichte . . .

Ist Fluchen erlaubt?

In praktisch jedem LLP kommt die Diskussion wieder auf, weil es immer wieder Autorinnen gibt, die genauso schreiben wie sie anscheinend im Alltag reden. Und so kommen auch Schimpfwörter, Flüche usw. im Text vor. (Das Umgekehrte, dass die Autorin sehr hochgestochen schreibt, weil sie im Alltag beispielsweise Dozentin an der Uni ist, kommt übrigens auch vor, und auch dort sollte man nicht so schreiben, wie man im Alltag spricht.)

Schimpfwörter und Flüche sind tatsächlich Teil unseres Alltags. Wer hat nicht schon mal geflucht, wenn etwas schiefgegangen ist? Aber was man sagt und was man schreibt, sind zwei verschiedene Dinge, das ist Anfängerinnen im Schreiben – insbesondere wenn sie sich noch nicht mit dem Handwerk des Schreibens beschäftigt haben – oft nicht klar.

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Immer dieser Realismus ;)

In etlichen Kommentaren beim LLP jetzt wird immer wieder der Realismus erwähnt. Alles sollte so realistisch wie möglich beschrieben werden, meinen die Kommentatorinnen. Mit viel Recherche sollte die Autorin jedes Detail wie auf einem messerscharfen Foto abbilden, bloß nichts vergessen, was in einer Situation passieren könnte oder die Voraussetzung dafür ist.

Recherche ist wichtig, ganz ohne Zweifel, denn manchmal stehen einem wirklich die Haare zu Berge, wenn man merkt, dass die Autorin alle Grundlagen zu ihrem Roman nur aus dem Fernsehen oder aus Wikipedia kennt. Oder dass sie sogar überhaupt nicht recherchiert hat. Was besonders dann auffällt, wenn es um ein Szenario geht, das nun einmal Recherche erfordert.

Was aber auch wichtig ist, ist das Loslassen, dass Sich-trennen von der Realität, der Übergang in die Phantasie. Denn das ist es, was ein Roman ist: ein Phantasieprodukt. Ein Roman ist Fiktion, die Realität darf durchaus mit hineinspielen, ist sicherlich bei den meisten Romanen, die nicht gerade dem Fantasygenre angehören, auch die Grundlage des Handlungsablaufs, aber das Entscheidende ist die Phantasie der Autorin. Sie erfindet die Figuren, gestaltet sie und bestimmt den Aufbau der Geschichte, die Spannung, die Dramaturgie.

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Die beste Schreibwerkstatt im Netz

Eben kam mir so der Gedanke, dass der Lesbische LiteraturPreis wirklich die beste Schreibwerkstatt im Netz ist. Denn wo werden so viele verschiedene Auszüge parallel eingestellt und besprochen? Konstruktiv besprochen. Mit der eindeutigen Absicht, der Autorin zu helfen und sie zu unterstützen?

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Später wird es spannend

Nach den ersten Tagen beim LLP stelle ich fest, dass es sehr viele sehr gute Geschichten gibt, bei denen der Anfang so spannend und mitreißend geschrieben ist, dass man sich kaum losreißen kann und immer weiterlesen möchte, sich richtig ärgert, wenn der Auszug dann zu Ende ist, und andere, bei denen in dem ganzen Auszug, den wir eingestellt haben, im Prinzip nichts passiert. In der Tat langweilt man sich während des ganzen Auszugs dort manchmal zu Tode, bricht vielleicht sogar vor Ende des Auszugs ab, weil einen nichts in die Geschichte hineinzieht.

Oftmals teilt die Autorin dann auf Nachfrage mit: „Ja, später wird es aber noch richtig spannend.“

Dazu kann ich nur sagen: „Später“ nützt leider nichts. Am Anfang muss es spannend sein, damit die Leserin sich angesprochen fühlt, damit sie weiterliest.

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„Plot driven“ oder „Character driven“

Es gibt quasi zwei „Schulen“, wie man eine Geschichte erzählen kann. Die eine treibt den Plot mit Handlung voran (manchmal sagt man statt „Plot driven“ auch „Action driven“ – beides würde man im Deutschen mit „Von der Handlung vorangetrieben“ übersetzen), die andere mit der Entwicklung der Charaktere, der Figuren.

Sol Stein sagt in seinem klassischen Schreibratgeber ganz eindeutig: „Die Figuren machen die Geschichte“. Der Meinung bin ich auch, und es ist auch meine Art zu schreiben. Ich konzentriere mich auf die Figuren, auf deren Gedanken und Gefühle, weniger auf die Handlung. Durch die Entwicklung der Figuren und das, was zwischen ihnen geschieht (aber auch, was in ihren Gedanken und Gefühlen passiert), wird die Geschichte vorangetrieben.

Geschichten, in denen eher die Handlung im Mittelpunkt steht, sind meistens so etwas wie Thriller, Krimis, Actionfilme. Dort sind die Figuren fast nur Staffage. Gedanken und Gefühle interessieren wenig, man muss nicht viel über sie wissen, denn alles, was geschieht, geschieht ganz konkret in Form von explodierenden Bomben, blutigen Morden, Verfolgungsjagden oder Schlägereien, Entführungen, Drohungen – Dingen, die mehr mit Muskeln als mit Gehirn zu tun haben.

In einem Liebesroman ist es meistens anders. Dort geht es fast ausschließlich um Gedanken und Gefühle, um Wünsche und Sehnsüchte, unerfüllte und erfüllte Träume, den Weg dahin. Die Phantasie spielt eine größere Rolle als das, was konkret passiert.

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Die Idee ist gut, aber die Ausführung ist grauenhaft

Das ist etwas, das ich gerade über die Netflix-Serie Gypsy las – und ich kann dem nur zustimmen. Ganz sicher in Bezug auf die Serie, aber auch darüber hinaus ist das ein wichtiges Thema. Es gibt immer wieder Geschichten, die so sind, ob in Filmen, in TV-Movies, in Fernsehserien, in Büchern.

Wenn man ein wenig kreativ veranlagt ist, hat man kein Problem mit Ideen. Sie kommen einem zugeflogen. Menschen, die Bücher lesen, aber noch nie eins geschrieben haben, denken dann vielleicht: Wenn die Idee da ist, ist das Buch doch praktisch schon geschrieben.

Weit gefehlt. Es gibt viele gute Ideen, die die Ausführung nicht überleben.

Woran liegt das?

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Was mich am Schreiben fesselt

Ich habe das Gefühl, dass ich diesen Blog hier doch ziemlich sträflich vernachlässige. Ich schreibe ungeheuer viel, aber es sind alles Geschichten, kürzere, längere, dann auch Beiträge und Kommentare in unserem el!es Schreibforum, in dem ich mich wahnsinnig gern mit meinen Autorinnen unterhalte, und so fällt der Blog irgendwie immer hinten runter.

Ich bin wohl keine Blogschreiberin, sondern eben Schriftstellerin. Das wahre Leben, das täglich so an uns vorbeibraust, ist nicht wirklich mein Metier. Erfundene Geschichten, fiktionale Geschichten, Romane, in denen ich die Welt so gestalten kann, wie ich sie gern hätte, sind mein Gebiet. Davon habe ich nun sehr viele gleichzeitig in Arbeit, und ich hoffe, dass ich bald den nächsten beenden kann.

Das ist ein bisschen eins meiner Probleme, andererseits aber auch meine große Stärke, dass ich mich nicht nur auf eine Geschichte konzentriere. Ich fange mehrere Geschichten fast zur selben Zeit an, oder ich schreibe kurz an einer Geschichte, und wenn ich ein paar tausend Wörter (oder auch nur ein paar hundert) geschrieben habe, wechsle ich zu einer anderen, um die weiterzuschreiben. So habe ich fast schon immer gearbeitet, das ist wohl mein persönlicher Stil.

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Camp NaNoWriMo April 2017

Seit ich im November 2016 den #NaNoWriMo (mit vielen anderen zusammen) gewonnen habe, halte ich das für ein gutes Konzept, einen Roman oder eine Geschichte zu Ende zu schreiben. Es gibt einen gewissen Druck, das Projekt innerhalb von vier Wochen zu beenden, eine gewisse Wortanzahl zu erreichen und damit einen Erfolg verbuchen zu können. Es ist wirklich ein gutes Gefühl, zu den Gewinnern und Gewinnerinnen zu gehören.

Da der April normalerweise für den LLP reserviert ist, hatte ich nicht vor, ausgerechnet diesen Monat für ein weiteres solches Projekt zu nutzen, aber da es sich ja nun überraschenderweise ergeben hat, dass der LLP ausfällt und ich also die eigentlich dafür verplante Zeit anderweitig zur Verfügung habe, habe ich mich spontan zum Camp NaNoWriMo angemeldet. 

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Der lesbische NaNoWriMo!

Nun hätte ich es fast vergessen: Wie jedes Jahr beginnt auch dieses Jahr am 1.11. wieder der NaNoWriMo - National Novel Writing Month, also der Monat, in dem sich Hunderttausende von Autorinnen und Autoren weltweit gleichzeitig hinsetzen und in nur einem Monat einen Roman von 50.000 Wörtern verfassen. 

Richard Norden hat in seinem sehr lesenswerten Blog ein paar Tipps für TeilnehmerInnen zusammengestellt, die es sich lohnt zu beachten:

Richard Norden: 10 Tipps für den #NaNoWriMo

Schon letztes Jahr hatte ich darüber nachgedacht, auch mal am NaNoWriMo teilzunehmen, und ich frage mich, ob noch andere hier Lust dazu hätten, sich täglich auf der deutschen NaNoWriMo-Seite zu treffen und dort zu schreiben. Lesbische Romane, wenn es geht. wink

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(Nicht) Aus der Vogelperspektive schreiben

In der Diskussion über die Texte im Schreibforum kam die Frage nach der Perspektive auf, die die Autorin in ihren Texten einnimmt. Uns fiel auf, dass wir alle – oder fast alle – an manchen Stellen in eine Perspektive verfallen, bei der eigentlich keine der handelnden Personen im Mittelpunkt steht, sondern das Geschehen mehr aus der Vogelperspektive betrachtet wird.

Das zeigt sich dann oft an Formulierungen wie „die beiden Frauen“, „die Geliebte“, „die Dunkelhaarige“, „die Mechanikerin“ oder so etwas. Obwohl die hier Beschriebenen entweder Protagonistin oder Antagonistin in unserem Text sind, werden sie plötzlich so bezeichnet, als hätten sie gar nichts mit der Geschichte zu tun, sehr distanziert und ohne einen persönlichen Ton.

Diese auktoriale Perspektive – das ist die, bei der die Autorin sozusagen über dem Text schwebt und nicht aus der Perspektive einer Person schreibt, die am Geschehen teilnimmt – lese ich in vielen Manuskripten, die uns eingereicht werden, immer wieder.

Üblicherweise bedeutet das, dass man sich von seinem eigenen Text, von der Geschichte, von den Personen distanzieren will. Irgendetwas fehlt, um es aus der persönlichen Perspektive zu erzählen.

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