»Einbruch?« Das ließ Mick aufhorchen. »Welcher Einbruch?«

»Der, der heute Morgen in der Zeitung stand«, erklärte Melina beinah schuldbewusst. »Der in der Villa Wolters.«

Diese Aussage ließ Micks Augenbrauen nach oben wandern. »Sie wissen etwas darüber?«

Melina schluckte. »Wissen . . . ist vielleicht zu viel gesagt.«

Was denn nun, Mädel . . . Mick seufzte innerlich ziemlich ungeduldig auf. Kannst du dich mal entscheiden?

Langsam hatte sie das Gefühl, sie hatte einen Fehler gemacht. Diese Frau sah zwar nicht so aus, wie diese Leute normalerweise aussahen, aber sie wollte sich anscheinend nur wichtig machen. Ihr Leben als Bibliothekarin war wohl nicht aufregend genug.

»Haben Sie irgendwelche Informationen, die den Einbruch betreffen?«, formulierte sie ihre Frage anders. »Haben Sie etwas gesehen? Wohnen Sie da in der Nähe?«

Fast wie in Zeitlupe schüttelte Melina den Kopf. »Nein, ich wohne nicht im Villenviertel.« Ihr Blick richtete sich auf einmal sehr klar auf Mick. »Sie waren in der Villa. Sie haben den Einbruch aufgenommen.«

»Woher wissen Sie das?« Diese Frau erstaunte Mick immer wieder. Viel schien sie nicht zu wissen, aber wenn, dann waren es die unerwartetsten Dinge.

»Von dem Foto. Dem Foto in der Zeitung. Das war zwar ziemlich verschwommen, aber ich glaube, das waren Sie da am Rand.« Melina blickte in die Luft, als versuchte sie, sich an das Foto zu erinnern.

»Ach ja, richtig«, bestätigte Mick nickend. »Das war ich.«

»Das heißt, Sie bearbeiten den Fall?«, fragte Melina.

Mick nickte erneut. »Den und andere. Ich bin im Einbruchsdezernat.«

Fast überrascht lachte Melina auf. »Dann bin ich bei Ihnen ja genau richtig.«

»Das frage ich mich«, erwiderte Mick, lehnte sich in ihrem Stuhl zurück und trommelte mit den Fingern auf die Lehne. »Denn bisher haben Sie mir noch überhaupt nichts gesagt.«

»Bitte entschuldigen Sie.« Auf einmal wirkte Melina Keilbach sehr betroffen. Auf eine andere Art als bisher. »Ich hätte nicht herkommen sollen.«

Sie erhob sich halb vom Stuhl, wurde jedoch durch Micks Stimme aufgehalten. »Warum nicht?«, fragte sie ganz direkt. »Haben Sie etwas mit dem Einbruch zu tun? Waren Sie daran beteiligt?«

Obwohl sie sich das in keiner Weise vorstellen konnte, versuchte sie, Frau Keilbach zu provozieren, damit sie ihr endlich ein paar klarere Angaben machte.

»Daran beteiligt?« Entsetzt riss Melina die Augen auf. »Nein, natürlich nicht.«

Mick beugte sich ein wenig vor. »Was haben Sie dann damit zu tun?«

»Ich . . .« Melina schluckte, räusperte sich, schluckte wieder. »Ich habe . . .« Schließlich gab sie sich einen Ruck. »Ich habe davon geträumt.«

Nur mit Mühe konnte Mick sich von einem Lachanfall zurückhalten. »Bitte was?«

Betrübt nickte Melina und schaute sie sehr verzagt an. »Genauso habe ich mir das vorgestellt. Dass Sie so reagieren würden.«

»Wie soll man da denn sonst reagieren?« Konsterniert drehte Mick ihre Hand in der Luft. »Ein Einbruch geschieht, es steht etwas darüber in der Zeitung, und dann kommen Sie hier an und behaupten, Sie hätten davon geträumt.« Noch mehr beugte sie sich vor und starrte Melina ziemlich gereizt an. »Sie haben es einfach gelesen. Stand doch alles da.«

»Nicht alles.« Wieder flüsterte Melina nur. Diesmal in ihren Schoß hinein, weil sie zudem auch noch ihren Blick gesenkt hatte. »Und es war nicht der erste Fall, von dem ich geträumt habe.« Entschlossen hob sie auf einmal den Blick und sah Mick ganz gerade in die Augen. »Es war der dritte.«

5

Endlich war es raus. In gewisser Weise atmete Melina innerlich auf. Gleichzeitig sah sie aber auch das Unverständnis im Blick der Polizistin. Mit dem sie zwar gerechnet hatte, aber gegen alle Vernunft hatte sie doch auf etwas anderes gehofft.

Sie beobachtete, wie es im Kopf von Oberkommissarin Mrozek ratterte. Melina hatte ihren Dienstgrad auf dem Schild neben der Tür gelesen, die in das Büro führte, in dem sie jetzt saßen. Sie hatte auch Abzeichen an ihrer Uniform, die wahrscheinlich das gleiche bedeuteten, aber damit kannte Melina sich nicht aus.

Jetzt überlegte diese Frau Oberkommissarin wahrscheinlich, ob sie Melina noch eine Chance geben sollte, ihre Aussage zurückzunehmen, oder ob sie sie gleich in eine Zwangsjacke stecken lassen sollte.

»Sie haben dreimal von einem Einbruch geträumt?«, erkundigte sie sich endlich. Sie wirkte ziemlich genervt.

Melina nickte. »Und zwar nicht erst, nachdem es in der Zeitung gestanden hatte.« Ein Seufzen, das sie nicht unterdrücken konnte, entfuhr ihren Lippen. »Es war immer davor. Diesmal zum Beispiel hat es eine Woche davor angefangen.« Sie schloss kurz die Augen, öffnete sie dann wieder und fügte hinzu: »Das ist jedes Mal unterschiedlich.«

»Jedes Mal?« Die Polizistin runzelte die Stirn. »Alle drei Male?«

Einen Augenblick überlegte Melina. »Ja, alle drei Male«, bestätigte sie dann.

Michaela Mrozek hob die Hände. »Und was soll ich jetzt damit anfangen? Außer Sie haben in Ihrem Traum auch die Täter gesehen.« Sie hob fragend die Augenbrauen.

Traurig schüttelte Melina den Kopf. »Leider nein. Ich habe die Häuser gesehen, die Räume, die Bilder. Aber keine Menschen.«

»Hm.« Die Polizistin, die ihr gegenübersaß, überlegte angestrengt. Oder vielleicht tat sie auch nur so, weil sie nicht wusste, was sie sagen sollte. »Das heißt, Sie haben alle Häuser schon einmal besucht? Sie gekannt? Und dann davon geträumt?«

Damit habe ich gerechnet. Melina seufzte innerlich. Aber wie sollte sie das auch erklären? Sie hatte sich da vielleicht doch in etwas hineingeritten, dem sie nicht gewachsen war. Das hätte sie sich vorher überlegen sollen. Aber nun war es zu spät.

»Nein«, sagte sie. »Ich bin in keinem der Häuser je gewesen.«

Das warf die Polizistin ein wenig aus der Bahn, wie Melina ihr deutlich ansah. Sie wirkte tatsächlich verwirrt, obwohl sie ansonsten den Eindruck machte, dass das nicht zu ihrem Grundrepertoire gehörte.

»Das Bild zum Beispiel . . .«, setzte Melina neu an. »Das Foto von dem Einbruch gestern, das heute in der Zeitung war. Auf dem Sie am Rand drauf waren.«

Sie versuchte, Augenkontakt zu Kommissarin Mrozek herzustellen – das Ober ließ sie in Gedanken weg, warum waren diese Dienstgrade auch immer so lang? –, aber Frau Mrozek schien noch immer ziemlich in sich und ihre Gedanken versunken.

»Auf dem Foto waren in der Mitte an der Wand Spuren von einem Rahmen zu sehen«, fuhr sie tapfer fort, weil sie unterschwellig das Gefühl hatte, die Kommissarin wälzte verschiedene Alternativen, wie sie Melina rauswerfen konnte. »Da hatte ein Rubens gehangen.«

Der Kopf von Michaela Mrozek ruckte hoch. »Woher wissen Sie das? Dann müssen Sie doch schon mal in dem Haus gewesen sein.«

»Nein, war ich nicht«, bestätigte Melina noch einmal kopfschüttelnd. »Nur in meinen Träumen. Aber die waren sehr konkret. Als ich heute das Foto sah, war es, als würde ich das alles schon kennen. Ich hätte Ihnen auch genau sagen können, dass ein Stück weiter eine Tür ist, die ins Nebenzimmer führt. Da hängt ein Landschaftsbild an der Wand, und es gibt zwei Sessel und ein Sofa. Außerdem einen Schreibtisch und ein Regal mit . . .«, sie kniff die Augen zusammen, »vier Regalbrettern. In dreien davon stehen Bücher, in einem Regal steht eine Uhr.« Sie seufzte. »Die gar nicht dahin passt. Sie hat eine Digitalanzeige.«

Laura Beck: Meine traumhafte Bibliothekarin

1 Ich muss es tun. Ich muss es einfach tun. Unentschlossen biss Melina sich auf die Lippe....
Und das setzte sich im Erwachsenenleben fort. Einem Erwachsenenleben, das sie sich so auch nicht...
Melina schüttelte den Kopf. »Ich bin nur noch nicht . . . Die neue Wohnung. Und da draußen kläffen...
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