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Teil 10

Für meine düstere Theorie ernte ich nur ein belustigtes Grunzen von meiner besseren Hälfte. »Na, dann müssen wir wirklich schnell was unternehmen«, sagt sie mit einem nachdrücklichen Nicken. Dann gibt sie mir einen Kuss, der mich in das wunderbare Gefühl einhüllt, dass sie mich liebt. Trotz meiner merkwürdigen Seiten und manchmal etwas verqueren Denkweisen. Oder gerade deshalb? Das würde mir besser gefallen. Ja, bei der Variante bleibe ich. Ich lächele.

Mona greift nach meiner Hand. »Wir sind mal eben in der Orthopädie«, lässt sie die Schwester im Schwesternzimmer wissen.

Die grinst wissend: »Ach, heute mal nicht im Schwesternwohnheim?«

Ich werde knallrot. Wie peinlich! Wissen etwa alle, dass Mona mich bei meinem letzten Besuch hier im Schwesternwohnheim . . . Oh mein Gott! Wissen sie etwa auch, was Mona mit mir im Schwesternwohnheim gemacht hat? Meine Gedanken überfluten mich. Ich kann mich kaum noch aufs Gehen konzentrieren und stolpere ungeschickt hinter Mona her.

Irritiert wirft sie einen Blick zurück und fragt: »Was hast du?«

»Ich male mir gerade meinen Ruf auf deiner Station aus, Mona. Was sollte denn die Anspielung eben? Gehst du mit unserem Privatleben bei deinen Kollegen hausieren? Führt ihr Buch? Oder eine Liste? Ich dachte, ihr arbeitet hier und rettet Menschen. Aber scheinbar habt ihr nichts Besseres zu tun, als euch eure Sexgeschichten zu erzählen . . .« Ich rede mich in Rage und habe gleichzeitig Mühe, mit Mona Schritt zu halten. Sie hat diesen schnellen, rechthaberischen Ärztinnenschritt drauf und fegt über die Krankenhausflure, als sei sie hier die uneingeschränkte Herrscherin. Irgendwie erregt mich das. Aber ich will jetzt nicht erregt werden. Ich bin sauer . . . stinksauer.

»Na hör mal, Ella«, entgegnet Mona, nun ebenfalls wütend. »Jetzt mach mal halblang! Ich habe nie mit Veronika oder sonst jemandem über unseren kleinen Ausflug ins Schwesternwohnheim geredet. Vielleicht hatte sie an dem Tag Schicht und hat uns gesehen. Sie ist eine von denen, die in jeder freien Minute am Fenster stehen und die Leute beobachten. Wahrscheinlich hat sie eins und eins zusammengezählt und sich ihren Teil gedacht, als sie gesehen hat, dass wir im Wohnheim verschwunden sind. Du solltest mich echt besser kennen und mir so etwas nicht ernsthaft unterstellen.« Sie ist sogar einen Augenblick stehen geblieben, um mich mit funkelnden Augen anzusehen. Es ist, als würde sie in meine Seele blicken. Als würde sie mehr über mich wissen als ich selbst. Das mag ich nicht. Und gleichzeitig liebe ich es. Es ist verrückt. Sie macht mich verrückt.

Kleinlaut sage ich: »Tut mir leid. Ich war einfach nur überrascht über so einen freizügigen Spruch, obwohl ich sie gar nicht kenne.« Jetzt ist mir selbst klar, dass ich überreagiert habe.

Mona akzeptiert die Entschuldigung mit einem Nicken. »Veronika ist die Klatschtante schlechthin«, bekräftigt sie noch einmal. »Es gibt kein größeres Plappermaul zwischen Berlin und Usbekistan als sie. Und wenn es keine Geschichten gibt, die sie erzählen kann, dann erfindet sie eben welche. Wenn ich gleich zurück auf Station komme, berichtet sie den anderen wahrscheinlich, dass wir in meiner Mittagspause einen hübschen Dreier mit Dr. Grundmann hatten.« Sie grinst.

Und ich habe mich schon wieder beruhigt. Aber solche Menschen wie Veronika liegen mir nicht. Man weiß nie, was sie so über einen herumtratschen und ob es wahr ist, was sie über andere erzählen. Was für ein Glück, dass sie nicht meine Kollegin ist.


Mona


»Hallo, Frank. Ich komme mit Ella. Passt es gerade?«, frage ich, als ich die Tür zum Behandlungszimmer meines Orthopädie-Kollegen einen Spalt öffne und meinen Kopf hindurchschiebe.

»Ja, ich habe euch schon erwartet.« Er kommt freundlich lächelnd auf uns zu, als wir den Raum betreten, und begrüßt uns mit einem festen Händedruck. Typisch Orthopäde. An Ella gewandt, legt er dann gleich los: »Also, was kann ich für dich tun? Ist doch okay, wenn ich du sage, oder?«

»Ja, ist mir recht«, lächelt sie. »Wahrscheinlich hat Mona schon im perfekten Fachchinesisch erzählt, was passiert ist, richtig?«

»Nur in der kurzen Fassung. Wie ist es genau passiert, und was hast du jetzt für Einschränkungen?«

Ella berichtet von ihrer Begegnung mit dem Farbeimer und erklärt, wo sie die Schmerzen hat und bei welchen Bewegungen sie besonders schlimm sind.

»Okay. Dann wollen wir dich mal wieder geradebiegen. Am besten, du ziehst dein Oberteil aus. BH kannst du anlassen.«

Ella legt ihre Sachen auf einen Stuhl und steht in Jeans und BH vor meinem Kollegen. Sexy sieht sie aus. Es ist zwar nicht der richtige Zeitpunkt, um erregende Gedanken zuzulassen, aber ich kann mich nicht dagegen wehren. Selbst in dem grellen Krankenhauslicht wirkt Ella kein bisschen blass. Ihre Haare hat sie zu einem lockeren Zopf gebunden, und ihr Hintern ist in dieser Jeans einfach atemberaubend. Meine Hand kribbelt verdächtig, und am liebsten würde ich Frank mal kurz vor die Tür schicken. Aber das ist ja nun wirklich nicht Sinn der Sache.

»Mona?«, reißt mich eine männliche Stimme aus meinem Tagtraum.

Ertappt stottere ich: »Entschuldige, was hast du gesagt?«

Er grinst und zwinkert mir zu. »Wo warst du denn mit deinen Gedanken?«

»Hey«, mischt sich Ella ein, »könnt ihr euch jetzt mal um mich kümmern? Ich stehe nicht umsonst hier.«

Frank präzisiert sein Anliegen an mich: »Ich wollte dich nur bitten, den Kopfteil der Liege dort runterzustellen. Dann kann ich mir den Übeltäter genauer ansehen und Ella gleich von den lästigen Schmerzen befreien.«

Ich nicke, bevor ich zur Liege gehe und sie für die Behandlung vorbereite. Währenddessen tritt Frank an Ella heran. »Gut, Ella. Dann wollen wir mal sehen.« Er fährt mit seinem Daumen ihre Wirbelsäule hinab, instruiert sie, sich vorzubeugen und langsam wieder aufzurichten, und wiederholt dann meine Diagnose von gestern: »Ja, alles klar. Hier ist er. C4 ist blockiert. Ich glaube dir gern, dass das wehtut . . . Ich kann dir die Blockade lösen, also den Wirbel wieder an seinen richtigen Platz befördern. Aber es wäre auf jeden Fall sinnvoll, wenn du die nächsten Wochen noch Krankengymnastik machen würdest. Und für diese Woche werde ich dich krankschreiben. Am besten hältst du den Bereich nach der Behandlung schön warm und schonst dich. Jede Haltung ist okay, die dir guttut. Ab Mittwoch solltest du aber dann wieder in Bewegung kommen. Vielleicht klappt es, dass du bis dahin schon einen Termin bei der Physiotherapie hast.«

Ella nickt.

»Dann leg dich jetzt bitte auf dem Bauch auf die Liege«, weist Frank sie an.

Ich beobachte die Behandlung aus sicherer Entfernung. Orthopädie ist nicht mein Gebiet. Und erst recht nicht, wenn der Mensch, den ich liebe, leidet. Aber so schlimm scheint es gar nicht zu sein. Frank geht sehr vorsichtig vor, eigentlich sieht es aus wie eine Massage. Und bis auf ein kurzes Stöhnen, das höchstens auf einen leichten Schmerz hindeutet, höre ich keinen Mucks von Ella.

»Alles klar«, verkündet Frank schließlich. »Das war es vorerst. Bitte schone dich. Und bis Mittwoch werden keine schweren Sachen gehoben, Kisten ausgepackt oder andere akrobatische Meisterleistungen vollführt. Sonst sehen wir uns Donnerstag sicherlich wieder. Nicht, dass es mir kein Vergnügen wäre, aber für deine Wirbel wäre es besser, wenn sie erst einmal Ruhe hätten.«

Himmel. Er flirtet regelrecht mit meiner Freundin. Und der scheint das zu gefallen. Sie zwinkert ihm verschmitzt zu und antwortet: »Ist gut, Herr Doktor.«

Ich weiß nicht, was ich davon halten soll. Einerseits macht es mich stolz, dass ich eine so begehrenswerte Frau an meiner Seite habe, dass selbst ein Frank, der weiß, dass sie lesbisch ist, sein Glück bei ihr versucht. Andererseits sollte sie gewisse Grenzen nicht überschreiten.

Teil 09

Mit einem überzeugend genervten Unterton erwidere ich: »Na ja, geht so. Deine farbenfrohen Wände lassen die teure weiße Farbe wirklich ganz schön alt aussehen.«

Ella verzieht prompt das Gesicht. »Oh nein. Es tut mir so leid, dass ihr wegen mir so viel Arbeit hattet. Ich schwöre, ich streiche nie wieder eine Wand in einer anderen Farbe als Weiß. Und am nächsten Wochenende mache ich den Rest, versprochen.«

Ich schiebe die Tür ganz auf und lasse unsere fleißigen Helfer eintreten. Grinsend versammeln wir uns alle um das Sofa. »Wir sind fertig, Ella«, löse ich die kleine Lüge auf. »Dank der großartigen Soforthilfe konnten wir alle Wände streichen, manche sogar zweimal, und der Müll ist auch schon unten. Entspann dich also!«

Amüsiert beobachte ich, wie Ella der zerknirschte Ausdruck aus dem Gesicht fällt. »Oh, Mona, du hinterhältiges Biest! Ich bin schwer verletzt. Du kannst doch einer Schwerverletzten nicht so grausame Lügen auftischen!«, schimpft sie. Lange kann sie ihre gespielte Wut aber nicht aufrechthalten. Sie wendet sich an die anderen: »Wow! Ich bin erleichtert. Danke euch allen.«

Viola beugt sich zu ihr herunter und gibt ihr einen Kuss aufs Haar, und die Jungs klatschen ganz männlich mit meiner Ella ab.

»Und jetzt? Pizza?«, frage ich in die Runde, und alle nicken hungrig.

3


Mona


Halb fünf, und mein Wecker klingelt unaufhörlich. Das kann doch nicht wahr sein. Ich drehe mich noch einmal um und hoffe, dass dieses schrille Geräusch Teil eines Albtraums ist, der sich durch meinen Positionswechsel in rosa Wölkchen auflöst. Zu gern würde ich zurück ins Traumland schweben. Meine müden Knochen verlangen geradezu danach.

Dass das jedoch Wunschdenken ist, wird mir in dem Moment klar, als Ella mich liebevoll antippt – mit unkoordinierten Bewegungen ihrer flachen Hand auf meinem muskelkatergeplagten Oberarm – und mir signalisiert, dass das Weckerklingeln ihre wohlverdiente Nachtruhe stört.

»Schon gut, Herrin. Ich stehe ja schon auf . . .«, murre ich verschlafen und lasse den Wecker in meinem Handy verstummen.

»Braves Mädchen«, murmelt Ella im Halbschlaf, und ich frage mich, ob das nicht eigentlich einen ordentlichen Klaps auf ihren zuckersüßen Arsch wert wäre. Freches Biest.

Vorsichtig schiebe ich ihr die Decke vom Körper und erfreue mich an dem Anblick. Trotz winterlicher Kälte schläft Ella nur in einem sehr knappen Slip und einem Top. Der Wärmehaushalt dieser Frau wäre eine Doktorarbeit wert.

Ella räkelt sich ein wenig und tastet mit ihrer Hand nach der Decke, ohne die Augen zu öffnen. Ich vernehme ein böses Knurren und betrachte ihre vergebliche Suchaktion noch ein wenig. Dann streichele ich ihr sanft über die nackte Haut ihrer wohlgeformten Pobacken, bevor ich aushole und meine Hand ungebremst auf ihren Hintern klatschen lasse.

»Au!«, brüllt Ella und ist plötzlich hellwach.

»Stell dich nicht so an. Du hast es ja schließlich herausgefordert mit deinen Frechheiten am frühen Morgen. Strafe muss sein. Das solltest du langsam wissen. Und wenn du deinen süßen Arsch schon so einladend präsentierst, dann erfolgt die Strafe eben umgehend.« Zufrieden blicke ich in ihre wütend funkelnden Augen.

Sie hat sich mittlerweile halb aufgesetzt und reibt sich ihre Pobacke. »Ich bin verletzt . . . Kannst du da nicht ein bisschen Rücksicht neh-men?«, fragt sie und erinnert mich an ihren farbeimergeschädigten Wirbel.

»Ach, komm«, wische ich ihre Beschwerde beiseite. »Ein Klaps auf den Hintern wird dir keine zusätzlichen Beschwerden im Nackenbereich machen. Glaub mir. Ich bin Ärztin.« Ich grinse besänftigend.

Ella setzt sich aufrecht hin und mault: »Wer weiß.«

Sie ist so wunderschön. Ihre Haare liegen zerzaust über ihrer Schulter, und sie sieht mich auf eine Weise an, als könnte sie direkt in mich hineinblicken. Unsere Blicke verschmelzen miteinander.

»Ich liebe dich, Ella«, wispere ich. »Weißt du das eigentlich?«

»Ich liebe dich auch, Mona. Sehr sogar«, flüstert sie zurück und beugt sich zu mir vor. Sie legt ihre Hände an meine Wangen und zieht mich etwas näher zu sich heran. Wir vereinen uns in einem liebevollen Kuss.

»So darf gern jeder Morgen beginnen«, raune ich ihr ins Ohr und gleite mit meiner Hand in ihren Nacken. Ich packe fest zu und dirigiere ihren Kopf etwas nach hinten, um sie anzusehen.

»Ja. Aber bitte nicht so früh und auch nicht mit einem malträtierten Hintern, okay?«

»Nicht jeden Morgen«, verspreche ich ihr grinsend und ziehe sie an mich, um den Kuss leidenschaftlich fortzusetzen.


Ella


»Na los jetzt. Sonst kommst du zu spät«, gängele ich meine Freundin, auch wenn es mir sehr schwerfällt, sie gehen zu lassen und den Morgen allein zu verbringen. Beziehungsweise in Gesellschaft von mindestens hundert Kisten, die mich mahnend anstarren, sobald ich das Wohnzimmer betrete. Ich habe mir extra für heute noch frei genommen, um das Chaos schnell beseitigen zu können. Allerdings funktioniert mein Körper noch nicht wieder so, wie ich gehofft hatte.

Mona blickt mich strafend an. »Schon wieder so ein herrischer Ton. Ella, Ella . . . Wenn ich jetzt mehr Zeit hätte, hättest du in naher Zukunft einen sehr, sehr gut durchbluteten Hintern, und du würdest nicht mehr gemütlich im Bett sitzen, sondern gefesselt an der Wand stehen.« Meine Aufmüpfigkeit ist ihr also wieder einmal nicht entgangen.

»Tut mir leid. Ich möchte nur nicht, dass du Ärger auf Station bekommst«, sage ich wahrheitsgemäß und küsse sie vorsichtig auf die Wange.

»Na gut, dann will ich das mal glauben. Und ich gebe dir recht. Ich muss mich wirklich beeilen.« Schwungvoll springt sie aus dem Bett. Auch wenn mein Wirbel erst seit gestern leidet, habe ich heute schon das Gefühl, nicht mehr zu wissen, wie es ist, sich so zu bewegen. Ich seufze.

Sofort fragt Mona besorgt: »Was ist los?«

»Ach, mein Wirbel. Ich glaube, Gymnastik ist da echt nicht das Richtige.«

»Dann komm so gegen elf in die Klinik«, wiederholt Mona ihr Angebot von gestern. »Da ist Dr. Grundmann mit seiner Visite durch und kann dir bestimmt helfen.«

»Ach, das ist doch Mist«, jammere ich. »Hier ist so viel zu tun, und dein Kollege will sich bestimmt auch lieber mit wichtigeren Dingen beschäftigen, als sich um meinen Wirbel zu kümmern.« Dabei weiß ich eigentlich ganz genau, dass es das Beste wäre, Monas Vorschlag anzunehmen.

»Sei nicht albern, Ella. Du kannst doch sowieso keine einzige Kiste anheben. Lass dir helfen, dann kannst du bald wieder kraftvoll zupacken«, wirbt Mona für die Künste von Dr. Grundmann. »Er kann dich auch noch ein paar Tage krankschreiben. Wenn du ohnehin nichts schaffst, wäre es doch ärgerlich, dafür deinen Urlaub zu verschwenden.«

Ich gebe mich geschlagen. »Ja, du hast ja recht. Na gut. Dann bin ich um elf bei dir. Danke.« Mit einem müden Lächeln lege ich mich noch einmal hin. Es ist schließlich erst fünf Uhr.

Mona beugt sich zu mir herab, streichelt mir das Haar und gibt mir einen sanften Kuss auf die Stirn. Dann sagt sie zwinkernd: »Jetzt bist du aber das brave Mädchen.«

Kurz darauf höre ich sie erst in der Küche rumwerkeln, danach im Badezimmer Krach machen und dann wieder in der Küche Geräusche produzieren, die mich definitiv nicht in den Schlaf zurücklocken. Doch irgendwann fällt endlich die Wohnungstür ins Schloss, und schlagartig ist Ruhe. Ich atme tief durch und schließe die Augen. Herrlich, diese Stille.


»Hallo, Ella«, begrüßt mich Mona, als ich um Punkt elf auf ihrer Station erscheine und den Kopf durch die Tür des Schwesternzimmers stecke. »Geht es dir besser?«

»Nein, nicht wirklich«, klage ich. »Und es muss echt schnell was passieren. Die Kisten starren mich immer an. Egal, wo ich mich in der Wohnung aufhalte. Das ist unheimlich. Ich würde sie gern auspacken, bevor sie anfangen zu sprechen oder mich zu verfolgen. Man kann ja nie wissen. Alle reden immer davon, dass die Computer die Weltherrschaft an sich reißen werden. Aber wer sagt denn, dass es nicht auch eine Invasion der Umzugskartons sein könnte, die die Menschheit zerstört?«

Teil 08

»Ich weiß. Ist schon gut«, beruhigt sie mich. »Es ist alles etwas viel gerade. Lassen wir einfach ein bisschen Ruhe einkehren, dann regeln sich manche Dinge sicher von ganz allein.« Sanft streicht sie mir eine verirrte Haarsträhne aus dem Gesicht. Ich zwinge mich zu einem Lächeln, das ganz und gar nicht meiner Laune entspricht und Mona dazu veranlasst, fragend eine Augenbraue hochzuziehen.

»Dir ist doch gerade gar nicht zum Lächeln zumute, oder?«

»Da hast du recht. Aber ich bin bemüht.«

»Ich liebe dich, Ella.«

»Ich liebe dich auch«, gebe ich zurück, und wir küssen uns noch einmal kurz, bevor Mona durch unsere Wohnungstür entschwindet und sie hinter sich ins Schloss fallen lässt.

Unsere Wohnungstür. Unsere Wohnung. Unsere Zukunft.

Ich seufze und schalte den Fernseher an. Wie immer nur Schrott. Aber das ist gerade genau das Richtige für mich.


»Ella, was gibt’s?«, meldet sich Viola mit offensichtlich vollem Mund.

»Guten Appetit«, wünsche ich grinsend.

»Danke. Also? Was ist der Grund für deinen Anruf? Du willst doch sicherlich nicht nur meine unvergleichbar schöne Stimme hören, oder?«

»Nein, wobei dieser Grund auch ganz weit oben auf meiner Liste steht«, beteuere ich und hoffe, dass der Honig, den ich ihr um den Mund schmiere, sie von meinem Anliegen überzeugen hilft. »Ich bin verletzt . . .«

Dieser Anfang war wohl etwas ungeschickt, denn Viola hustet plötzlich. »Was?«, kreischt sie ins Telefon, sobald sie wieder sprechen kann. »Was ist passiert? Wo bist du? Soll ich irgendwo hinkommen? Wo ist Mona? Geht es dir gut?«

»Sorry, ich habe mich irgendwie blöd ausgedrückt«, beruhige ich sie hastig. »Ich habe einen kleinen Kampf mit dem Farbeimer gehabt und ihn leider verloren. Mein Wirbel irgendwo zwischen den Schulterblättern ist ausgerenkt, und nun liege ich hier gemütlich auf dem Sofa, während Mona meine alte Wohnung im Alleingang streicht.«

»Ach du meine Güte, Ella! Na, du machst ja Sachen . . . Und jetzt willst du sicher fragen, ob ich Lust habe, meinen Sonntag damit zu verbringen, fleißig den Pinsel zu schwingen, während du dich vor dem Fernseher ausruhst, stimmt’s?«

»Wenn du das so sagst, klingt das ganz schön unattraktiv«, gebe ich zu und finde es selbst ziemlich blöd, meine armen Freunde schon wieder für so niedere Aufgaben in Beschlag zu nehmen. An einem Wochenende. Demselben Wochenende, an dem sie schon meine fünfhunderttausend Kisten geschleppt haben.

»Ach, Quatsch. Alles okay. Wir machen uns gleich auf den Weg – ich bringe noch Stephan und Karsten mit. Die sind sowieso gerade hier, und ich finde, dass sie sich ruhig auch nützlich machen können. Ich besteche sie einfach mit einem Essen beim Italiener um die Ecke. Dann wird das schon.« Viola beißt noch einmal hörbar in ihr Was-auch-immer-es-ist hinein.

»Wirklich? Ist das echt okay?«, jammere ich. »Ich schäme mich total, dass ich euch schon wieder einspanne.« Das meine ich genauso, wie ich es sage.

»Ach, Süße«, fertigt Viola mich mit vollem Mund ab, »du bist doch auch immer für alle da, wenn sie dich brauchen. Da darfst du nun auch mal ein bisschen Unterstützung annehmen. Und du hast den Farbeimer ja nicht darum gebeten, dir den Wirbel auszurenken, um nicht mehr streichen zu müssen, oder?«

Ich stelle einmal mehr fest, wie sehr ich ihre fröhliche Art schätze. Davon sollte ich mir ab und an eine Scheibe abschneiden. Das Leben mal aus ihren Augen betrachten. Es ist bestimmt gar nicht so schwer, wie ich es mir immer ausmale. Manchmal sollte ich Dinge, die ich nicht ändern kann, einfach hinnehmen, wie sie sind, und das Beste aus ihnen machen. Nicht alles ist planbar. Nicht alles ist vorhersehbar. Nicht alles läuft so, wie ich es mir vorstelle.

Wenn es denn so einfach wäre.

»Ich bin euch so dankbar«, sage ich. »Vielen, vielen Dank, Viola! Wirklich! Ich bin dir was schuldig.« Vor lauter Erleichterung überschlagen sich die Worte fast.

»Quatsch. Wie gesagt: Du bist jetzt einfach auch mal an der Reihe. Alles ist gut. Und nun lass uns aufhören zu reden. Wir machen uns gleich auf den Weg, ich denke, wir sind in einer Viertelstunde da. Sollen wir dann gleich in deine alte Wohnung gehen?«

»Ja, macht das ruhig. Du kannst ja zwischendurch mal hochkommen und mir den Stand der Dinge durchgeben. Ich hab dich lieb, beste, tollste, großartigste Freundin der Welt«, sage ich überschwänglich, aber kein Stück übertrieben.

»Ich hab dich auch lieb«, gibt Viola mit einem Lächeln in der Stimme zurück, und wir verabschieden uns. Mit einem Aufseufzen lege ich den Kopf wieder aufs Sofakissen. Wie gut, dass Mona nun doch nicht ganz allein den Mist ausbaden muss, den ich verursacht habe.


Mona


Als es plötzlich an der Tür klingelt, werde ich sauer. Kann Ella nicht mal eine Stunde einfach liegen bleiben und nichts tun? Muss sie jetzt schon wieder hier runtertapern und nach dem Rechten sehen? Es würde schon an eine Spontanheilung grenzen, wenn es ihr wieder gut genug ginge, um mir beim Streichen zu helfen.

»Ella, ich habe dir doch gesagt, du sollst . . .«, schimpfe ich und stocke dann. »Was macht ihr denn hier?« Reflexartig falle ich Viola um den Hals.

»Dir helfen. Was sonst? Oder meinst du, Ella würde einfach oben rumliegen, ohne Himmel und Erde in Bewegung zu setzen, damit du nicht allein dastehst?«

Ich muss grinsen. Sie hat recht. Und ich bin überrascht, dass Ella so vernünftig war und um Hilfe gebeten hat. Andererseits bedeutet das auch, dass es ihr wirklich nicht gutgeht. Denn sonst würde sie sich eher die Zunge abbeißen, als ihre Freunde mit derart nervigen Aufgaben wie Streichen zu behelligen.

»Aber es ist Sonntag«, wende ich etwas zerknirscht ein. »Und ihr wart gestern schon so fleißig. Ihr habt doch einen Tag Ruhe verdient.«

Viola macht eine wegwerfende Handbewegung. »Ich habe Ella schon gesagt, dass das völlig in Ordnung ist. Die Jungs kriegen nach getaner Arbeit eine große Pizza spendiert. Und Ella ist auch immer für alle da. Dann können wir jetzt auch mal was für sie tun.«

»Ihr seid die Besten. Vielen, vielen Dank.« Noch einmal werfe ich mich Viola an den Hals, und die Jungs bekommen einen festen Schlag auf die Schulter. So macht man das bei Männern, hab ich mal gehört. Und sie scheinen auch ganz froh darüber zu sein, dass ich sie nicht ebenfalls mit meinen stürmischen Umarmungen belästige.


Wir streichen und malern bis zum Umfallen. Sogar den zweiten Anstrich der Wände, bei denen die weiße Farbe versagt hat, haben wir noch geschafft. Gut, dass Ella so viel Farbe gekauft hat.

»So, und nun alles in einen großen Müllsack, und ab in die graue Tonne damit«, kommandiert Viola, als alle Wände weiß sind. »Kaum zu glauben, dass wir fertiggeworden sind.« Begeistert und überrascht zugleich sieht sie sich in der leeren Wohnung um.

Ich nicke bekräftigend. »Stimmt. Ich dachte, wir buckeln die ganze Nacht und sind dann trotzdem vor dem nächsten Wochenende nicht fertig. Ihr seid die Besten. Habe ich das schon erwähnt?«

»So ein- oder zweimal, aber ein drittes kann nicht schaden«, grinst sie und knufft mir in die Seite.

»Was haltet ihr davon«, schlage ich den dreien vor, »wenn wir oben bei uns zusammen die Pizzen essen? Erstens habe ich auch riesigen Hunger, zweitens könnte Ella dann auch dabei sein, und drittens laden wir euch natürlich ein.«

»Das klingt doch fair«, nickt Viola, und die Jungs stimmen zu.


»Hey . . . Na endlich. Hast du so lange gestrichen? Habt ihr was geschafft?«, fragt Ella vom Sofa her, als ich die Tür aufschließe. Sie liegt immer noch da wie ein Häufchen Elend. Meine arme Ella.

Teil 07

»Ella!« Mona blickt mich ernst an. »Komm runter. Echt jetzt.«

Ich weiß ja, dass sie recht hat. Aber gerade in solchen Situationen fällt es mir besonders schwer, einzugestehen, dass ich diejenige bin, die dringend einen Sofort-Psychiater bräuchte. Mit ganz, ganz wirksamen Pillen. Oder einem Holzhammer.

»Ach, sei ruhig . . .«, pampe ich sie an und ärgere mich wie immer darüber, dass ich es nicht schaffe, auf sie zuzugehen. Trotzig packe ich den mit Farbe getränkten Pinsel und klatsche die Scheiß-Farbe lieblos an die Scheiß-Wand.

»Oh ja, Ella. Sehr erwachsen . . .«, sagt Mona kopfschüttelnd. Langsam müsste sie eigentlich wissen, dass diese Reaktion das Ganze nicht besser macht. Sie dreht sich um und geht wieder in die Küche.

Ich koche innerlich. Und das alles wegen eines blöden Farbeimers. Na großartig!


Mona


Als könnte ich mir nichts Besseres vorstellen, um meinen freien Tag zu nutzen. Da stelle ich mich hier hin und renoviere Ellas Wohnung, und dann muss das schon wieder so eskalieren.

Bis jetzt habe ich es immer einfach laufen lassen. Irgendwann beruhigt sie sich, und wir reden drüber – oder auch nicht – und finden wieder zueinander. Aber allmählich frage ich mich, ob ich mir diesen Ärger jedes Mal gefallen lassen muss. Unser Spiel findet zwar nur in Bereichen statt, die nicht so tief in unsere jeweiligen Verhaltensmuster greifen – aber vielleicht wäre es gar nicht so verkehrt, genau diese eher unausgesprochene Grenze zu verschieben. Vielleicht sollte ich Maßnahmen ergreifen, wenn sie sich ernsthaft danebenbenimmt, nicht nur innerhalb des Spiels. Ich bin ja nicht doof. Ich weiß, dass sie das eine oder andere Fehlverhalten bewusst an den Tag legt, um mich zu provozieren und eine Strafe heraufzubeschwören. In dieser Hinsicht hat sie die Zügel viel mehr in der Hand als ich. Und vielleicht sollte ich das wirklich mal umdrehen. Ihr gerade in so kritischen Situationen Einhalt gebieten. Ich wüsste zu gern, wie sich das auf unser Spiel auswirkt. Echte Wut kann ein guter Motor sein – oder alles zerstören. Es wäre ein Spiel mit dem Feuer. Aber unsere Beziehung ist mittlerweile so stabil, dass sie dem Versuch, Ella auf diese Weise aus ihrem Strudel herauszuholen, eigentlich standhalten sollte.

Ein lautes Poltern lässt meine Gedanken verpuffen. Ich werfe die Kleberolle auf den Boden und renne alarmiert ins Wohnzimmer. Dort sitzt Ella auf dem Boden, um sie herum ein abstraktes Kunstwerk aus Farbklecksen und -spritzern.

»Ella!«, rufe ich erschrocken.

»Ach, Scheiße, Mann! Kann der Tag echt noch beschissener werden?«, flucht sie.

Immerhin, sprechen kann sie noch. Ich verwerfe meinen Plan von eben vorerst und frage besorgt: »Was ist passiert?«

»Ich wollte den Eimer auf die Leiter stellen. Wie du siehst, hat er es nicht überlebt. Und meine Schulter auch nicht. Jedenfalls fühlt es sich verdächtig so an, als sei da nicht mehr alles in Ordnung.« Mit schmerzverzerrter Miene hält sie sich die rechte Schulter.

»Lass mal sehen.«

»Ach, Quatsch. Ich lege gleich ein Körnerkissen drauf, und dann geht das schon wieder.«

»Erzähl keinen Mist, Ella«, befehle ich mit fester Stimme. »Ich bin Ärztin. Lass mich einen Blick drauf werfen. Du musst auch vorher nicht noch im Wartezimmer Platz nehmen, und deine Versichertenkarte brauche ich auch ausnahmsweise nicht. Du darfst die Rechnung bei mir abarbeiten.« Mit dem dummen Scherz versuche ich sie ein bisschen zu besänftigen.

Umständlich pellt sie sich aus dem Malerkittel und sitzt wenig später in ihrem schwarzen Tanktop vor mir. Sie sieht hinreißend aus. Der schwarze Stoff umschmeichelt ihre Brüste, und ihre Nippel zeichnen sich deutlich ab. Meine Behandlung von heute Vormittag ist daran wohl nicht ganz unschuldig. Ich grinse.

»Hör auf zu grinsen, Mona . . . ich habe Schmerzen«, erinnert mich Ella.

Ich gebe ihr einen entschuldigenden Kuss auf die Stirn. Der Streit von vorhin ist vergessen, jetzt habe ich nur noch den Wunsch, meiner leidenden Freundin mit meinem medizinischen Fachwissen zu helfen. Zunächst bewege ich ihren Arm behutsam auf und ab, wobei ich mit der anderen Hand das Schultergelenk abtaste. »Also, ausgerenkt ist nichts«, stelle ich fest. »Ich glaube auch, dass die Schmerzen eher aus der Wirbelsäule kommen, weil du die Schulter noch bewegen kannst. Stell dich mal bitte hin und zieh dein Top aus. Ich helfe dir auch dabei.«

»Wenn Sie das so wünschen, Frau Doktor«, sagt Ella und bemüht sich, das Top über ihren Kopf zu befördern.

Ich muss zugeben, es fällt mir nicht ganz leicht, dem medizinischen Gedanken die Hauptrolle in meinem Kopf zu überlassen. Aber ich lasse mir nichts anmerken. »Ich taste jetzt deine Wirbelsäule ab. Wenn es wehtut, sag Bescheid«, weise ich sie an und fahre mit dem Daumen über die einzelnen Wirbel. »Beug dich mal nach vorn.«

Sie tut wie geheißen.

»Und langsam wieder hochkommen.«

»Ah!«, stöhnt sie beim Aufrichten.

Ein Wirbel fühlt sich nicht so an, wie er sollte. »Ja, das tut bestimmt weh. Da scheint sich ein Halswirbel verschoben zu haben. Das ist nicht weiter schlimm, aber ich kann ihn nicht wieder an seine Position bringen. Da müsste ein Orthopäde ran. Krankengymnastik hilft aber auch oft schon. Du legst dich jetzt oben aufs Sofa und legst dir Wärme in den Rücken, und morgen bringe ich dir eine Verordnung mit. Und wenn es zu schlimm ist, dann kommst du morgen in die Klinik, und wir schauen kurz bei Dr. Grundmann vorbei. Er kümmert sich dann um dich, okay?«

»Ist gut. Und wer streicht jetzt?«

»Na, die Heinzelmännchen, denke ich.« Ich täusche eine herausragende Ernsthaftigkeit bei dieser eigentlich überflüssigen Frage vor. Es ist doch wohl klar, dass ich das nun tun werde. Was für ein Scheißtag. Da muss ich Ella und ihrem Gegrummel ausnahmsweise mal recht geben.


Ella


Oh nein. Erst dieser dumme Streit und dann so ein blödes Missgeschick, das mich streichuntauglich macht. Letzteres begrüße ich zwar irgendwie. Aber nun muss Mona die ganze Arbeit allein machen, nur weil ich mich und meine mädchenhaften Kräfte völlig überschätzen musste. Ich hätte ahnen müssen, dass es für meine zarten Ärmchen und die kaum vorhandenen Muskeln unmöglich sein würde, einen vollen Farbeimer auf eine Leiter zu stellen. Aber ich konnte mal wieder nicht über meinen Schatten springen und die starke Frau an meiner Seite um Hilfe bitten.

Ich muss wirklich an mir arbeiten. Sonst ist diese Beziehung schneller vorbei, als ich »Orgasmus« sagen kann.

Mutlos lasse ich mich aufs Sofa fallen. Ein unangenehmes Stechen zwischen den Schulterblättern erinnert mich daran, dass ich nicht ganz freiwillig hier liege.

Mona kommt mit einer Art Matte in der Hand zu mir heran. »So, hier ist das Heizkissen. Da legst du dich jetzt drauf. Und du bleibst liegen, bis ich wieder da bin. Keine unüberlegten Bewegungen und keine Selbstüberschätzung, verstanden?« Mahnend hebt sie den Zeigefinger, bevor sie das Kabel, das an dem Ding hängt, in die Steckdose steckt.

Ich fühle mich wie zwölf. Trotzdem nicke ich artig und bette die schmerzende Stelle auf das Heizkissen. Schon bald spüre ich die wohltuende Wärme und merke, wie müde ich von dem ganzen Stress bin. Dann denke ich daran, dass Mona wahrscheinlich genauso müde ist und nun auch noch allein die ganze Wohnung streichen muss. Nein, das ist nicht gut. So war das nicht gedacht.

»Also«, unterbricht Mona meine Gedanken, »du bist brav und bewegst dich nicht. Ich bin dann wieder unten. Wenn was ist, ruf mich an.«

»Okay«, murmele ich.

Mona beugt sich zu mir herunter und gibt mir einen Kuss auf die Stirn, den ich nun wirklich nicht verdient habe.

»Mona?«

»Ja?«

»Es tut mir leid«, flüstere ich kaum hörbar, aber mit dem Wissen, dass Mona es verstanden hat.

Teil 06

Meine Zunge und der Löffel haben einen gemeinsamen Rhythmus gefunden, dem sich Ellas Becken schnell angepasst hat. Sie reckt es mir noch fordernder entgegen. Will noch mehr. Und ich kann bald nicht mehr. Ich explodiere gleich. Mit der freien Hand öffne ich meine Hose, schiebe die Hand hinein und finde meinen Lustpunkt. Kaum fähig zu den koordinatorischen Höchstleistungen, die diese Situation mir abverlangt, verteile ich meine Nässe in meinem Schritt und reibe fest über meinen Kitzler. Ich stöhne in Ellas Schoß, sehe nach oben, beobachte sie, wie sie langsam, aber sicher den Halt verliert. Ihre Beine verkrampfen sich, ich spüre die Muskeln ihres Unterleibs zucken. Unkontrolliert wirft sie den Kopf von links nach rechts. Ihr Stöhnen ist trotz Knebel nicht zu überhören, und ihr Brustkorb hebt und senkt sich schnell und ungleichmäßig.

Ich stöhne: »Komm für mich . . .« Und als seien das die magischen Worte, lässt Ella los. Sie spreizt die Beine noch etwas weiter und lässt mich tiefer eindringen. Meine Zunge wirbelt schneller und härter auf ihrem Kitzler. Gleichzeitig presse ich meinen eigenen Lustpunkt zwischen den Fingern und umspiele ihn dann mit meiner Fingerspitze im selben Takt, mit dem meine Zunge Ella in den Wahnsinn treibt.

Zwei weitere Stöße in Ellas Schoß, ein wilder Tanz auf ihrer Klit, und das Erdbeben rollt heran. Sie zerrt an ihren Fesseln, stöhnt und zittert. Als sie sich ein letztes Mal aufbäumt, um sich mir völlig zu ergeben, sauge ich ihren Kitzler zwischen meine Lippen. Beim nächsten Zungenschlag schreit Ella hinter ihrem Knebel, ein langer, nicht enden wollender Schrei, der mir trotz der Dämpfung durch Mark und Bein geht. Ihre Beine beben, ihr Atem geht rasend schnell, und jeder Muskel ihres Körpers zuckt. Und auch ich kann mich nicht mehr beherrschen. Ich drücke noch einmal die Fingerspitze auf meinen Kitzler, beglücke ihn mit kreisenden Bewegungen und komme mit einem unterdrückten Stöhnen.

Dann lasse ich langsam von Ella ab. Ihr Schritt pulsiert, und ich spüre, wie geschwollen er ist. Ich küsse noch einmal ihre Scham, nehme meine Hand aus meiner Hose und entziehe ihr den Kochlöffel.

Als ich wieder halbwegs sicher auf den Beinen stehe, rate ich ihr: »Beiß die Zähne zusammen.« Die Warnung ist nötig, als ich die Klemmen an ihren Nippeln öffne. Ein spitzer Schrei ertönt hinter dem Knebel, und Ellas Nippel brauchen eine Weile, um ihre zusammengepresste Form zu verlieren und sich zu erholen. Das war vielleicht doch etwas zu lang. Meine arme Ella.

Sanft streichele ich ihr die Wange und frage mitfühlend: »Alles in Ordnung?«

Sie nickt und stöhnt noch einmal auf, befreit und ausgelaugt zugleich. Ich öffne den Knebel und nehme ihr die Augenbinde ab.

»Wie geht es dir?«, möchte ich wissen und habe ein bisschen Angst vor der Antwort.

Erschöpft lächelnd sieht sie mich an und seufzt: »Alles in Ordnung. Mach dir keine Sorgen.«

Erleichtert löse ich ihre Fesseln, helfe ihr beim Aufstehen und führe sie erst einmal zum Sofa. »Ruh dich ein wenig aus«, flüstere ich und decke sie zu, damit sie nicht friert. »Ich räume ein bisschen auf.«

»Ist gut. Ach, und Mona?«

»Ja?«, frage ich, jetzt doch wieder etwas besorgt.

»Wir behalten den ersten Kochlöffel und alle Kleiderbügel. Ich kann mich einfach nicht entscheiden.« Sie grinst müde.

Ich beuge mich noch einmal zur ihr hinab, um sie leidenschaftlich zu küssen. Ich liebe sie. Meine Ella. Mein großes Glück.

2


Ella


Oh mein Gott! Mir tut alles weh. Ich bin so müde. Und so befriedigt wie schon lange nicht mehr. Jetzt wird mir wieder so richtig bewusst, wie ich das brauche, was Mona mir gibt. Und wie lange wir es schon nicht mehr geschafft haben, uns diesem Spiel so intensiv hinzugeben. Ich seufze, strecke alle viere von mir und schließe die Augen. Am liebsten würde ich jetzt den ganzen Tag hier liegen bleiben.

Aber Mona reißt mich aus meinem angenehmen Dämmerzustand: »Ich würde sagen, wir essen gleich noch eine Kleinigkeit zu Mittag, und dann machen wir uns auf den Weg in die Abgründe der Farbeimer. Was sagst du?«

»Erwarte jetzt keine Freudensprünge, okay?«, maule ich und kuschele mich noch ein bisschen fester in meine Decke.

Mona wirft mir einen mitleidlosen Blick zu. »Sei froh, dass ich dir nicht alle Kleiderbügel einzeln zur Auswahl gestellt habe. Und auf einen Großteil der Sachen, die wir noch aussortieren müssen, habe ich auch schon verzichtet. Du bist also noch recht glimpflich davongekommen.« Sie gibt mir das Gefühl, ich hätte keinen Grund, erschöpft zu sein.

»Ach, leck mich, Mona«, fauche ich halb gespielt, halb ernst in ihre Richtung

Noch im selben Moment befürchte ich Schlimmes. »Oh, Ella, du legst es aber auch wirklich drauf an, hm?«, fragt Mona herausfordernd. Spätestens jetzt ist mir klar, dass sich meine Liste wieder zu füllen beginnt. Manchmal glaube ich, mein Unterbewusstsein macht das mit Absicht: Es treibt mich dazu, mich aus dem Fenster zu lehnen, weil ich unterschwellig bestraft werden will. Ich bin mir nicht sicher, ob ich das gut finde. Ja, ich finde es gut. Oder doch nicht?

Mit viel sanfterer Stimme fragt Mona: »Was möchtest du essen?«

Ich atme erleichtert auf. In diesem Augenblick würde ich weitere Begegnungen mit irgendwelchen Klammern, Löffeln, Pfannenwendern oder sonstigen alltäglichen und weniger alltäglichen Gegenständen nicht verkraften. »Ein Brot mit Leberwurst und ein Glas Milch reichen mir«, flüstere ich und bin froh, dass ich noch ein paar Minuten liegen bleiben und in Gedanken meine Wunden lecken kann. Meine Oberschenkel zwiebeln noch ganz schön, und jede Berührung meiner Nippel lässt mich zusammenzucken. Genau das war natürlich Monas Absicht. Sie hat es darauf angelegt, dass ich nun den ganzen Tag daran erinnert werde, was sie eben mit mir angestellt hat. Und sie hat ihr Ziel erreicht – mal wieder. Miststück. Geliebtes Miststück.


»Mona, du siehst hinreißend aus«, quietsche ich überschwänglich und klatsche verzückt in die Hände, als sie in ihrem weißen, viel zu großen und wirklich schlechtsitzenden Malerkittel aus dem Bad kommt.

»Das Kompliment kann ich nur zurückgeben«, erwidert sie und mustert mich von oben bis unten. Ja, sie hat recht. Ich sehe auch nicht besser aus. Diese Baumarkt-Anzüge sind einfach viel zu unförmig. Aber es geht ja auch jetzt nicht darum, eine Modenschau zu veranstalten.

»Dann lass uns mal loslegen«, sagt Mona. »Fängst du im Wohnzimmer an? Dann klebe ich die Küchenzeile ab.«

Ich nicke unmotiviert. Es lässt sich wohl nicht vermeiden, auch wenn ich noch so wenig Lust habe, jetzt mit Pinsel und Malerrolle den Tag zu verbringen – einen Tag von wenigen, an denen Mona nicht arbeiten muss. Mit einem Seufzen mache ich mich ans Werk.

Nur wenig später rufe ich frustriert: »Mona?«

»Ja?«

»Die Scheiß-Farbe deckt nicht!« Wütend pfeffere ich den Pinsel in den Farbeimer. Da habe ich extra die teure, hochwertige Farbe gekauft, deren Aufkleber eindeutig verspricht, dass sie nach einmaligem Auftragen jede vorhandene Farbe abdeckt, und nun sieht die Wand aus, als hätte ich eine gefleckte Kuh dagegengeworfen. Verdammter Mist!

Mona versucht mich zu beruhigen: »Reg dich doch nicht so auf. Lass die Farbe erst mal trocknen, und dann sehen wir weiter, okay?«

Aber irgendwie will ich mich gar nicht beruhigen. Ich will gerade sauer sein. Keine Ahnung, warum. »Ach, lass mich«, fauche ich sie an. »Ich bin nun mal wütend. Und ich habe auch das Recht darauf. Der Scheiß-Eimer hier hat vierzig Euro gekostet, und nun sieh dir den Mist doch an!« Mit Schwung trete ich gegen den noch fast vollen Farbeimer.

»Regst du dich jetzt mal bitte nicht so auf wegen so einem Quatsch?«, faucht Mona zurück. Sie kann es nicht leiden, wenn ich sauer bin. Meist kann sie gar nicht verstehen, was eigentlich der Auslöser ist. Das macht mich wiederum noch saurer, und so schaukeln wir uns hoch, bis der Gipfel erreicht ist. Dann knallt eine Tür – meistens meine –, und irgendwann frage ich mich selbst, warum mich Kleinigkeiten so auf die Palme bringen können. Weiß aber nicht, wie ich aus der Nummer wieder rauskomme, und ärgere mich darüber weiter. Als Nächstes macht es mich wütend, dass ich so schnell wütend werde. Und schließlich frustriert es mich, dass ich es nicht schaffe, meine Wut einfach loszulassen, mich zu entschuldigen und meine Zeit mit sinnvolleren Dingen zu verbringen als damit, mir die Haare zu raufen. Ein Teufelskreis.

Teil 05

Ich greife nach dem Schneebesen, den ich mir mal in einem Ein-Euro-Shop zugelegt habe, nachdem mein alter kaputtgegangen war. Er ist aus Silikon mit einem Plastikgriff.

»So, dann wollen wir mal sehen, wie du das Teil hier findest«, sage ich und führe den Schneebesen von ihrem Hals zwischen den Brüsten hinab und auf direktem Weg zwischen ihre Beine, die durch die Fesselung ihrer Füße leicht gespreizt sind. Dort halte ich die dünnen Silikonstäbe an ihre Schamlippen und beginne den Schneebesen langsam zu drehen. Die Schamlippen öffnen sich, und die Stäbe berühren Ellas Kitzler wie zufällig. Sie stöhnt gedämpft auf.

»Na, das gefällt dir ja schon mal ganz gut, was?«, frage ich arrogant und setze die Drehbewegung noch einen Moment mit erhöhtem Druck fort. Schließlich entziehe ich ihr das Küchenutensil und greife nach der zweiten Variante. Es scheint, als habe Ella ihren Schneebesen im selben Shop gekauft wie ich – der einzige erkennbare Unterschied besteht darin, dass meiner grau und ihrer leuchtend grün ist. Mit dem grünen Schneebesen kümmere ich mich nun um Ellas Brüste, die sich durch die Fesselung wunderschön präsentieren und geradezu darauf warten, Bekanntschaft mit dem Küchengerät zu machen.

Ich lasse die Silikonstäbe sachte über Ellas Brust gleiten und berühre dabei beiläufig ihren Nippel. Dann beschleunige ich meine Bewegungen, reibe fester über den Nippel, lasse ihn schließlich an der engsten Stelle zwischen zwei Stäbe gleiten und drehe den Schneebesen so, dass der Nippel langgezogen wird. Ella stöhnt auf und streckt mir ihre Brüste noch weiter entgegen. Kein Zweifel, sie will mehr. Kleines Biest!

Ich befreie den Nippel und rubbele noch einige Male hart über beide Brüste. Ella wirft den Kopf in den Nacken und stöhnt lauter. Ich liebe es, dass ihre Nippel so empfindsam sind und Ella so geil davon wird, wenn ich mich ihnen etwas intensiver widme.

Mit einem Grinsen frage ich: »Variante eins?«

Ella schüttelt den Kopf.

»Das habe ich mir gedacht.« Ich grinse noch mehr und lege die Schneebesen zur Seite.

Als Nächstes habe ich etwas ganz Spezielles für Ella. Ob sie allerdings genauso begeistert sein wird wie ich, ist fraglich. Ich bin froh, dass sie bereits einen Knebel trägt, denn die Nachbarn würden sonst wohl von ihren Sofas oder Küchenstühlen fallen.

»Da deine Nippel nicht genug bekommen, dürfen sie noch eine Entscheidung treffen«, kündige ich an. »Mal sehen, wie dir das gefällt.« Ich knete Ellas Brüste mit festem Griff, bevor ich mit den Fingern ihre Nippel umschließe, sie zwirbele und an ihnen ziehe, bis sie steif vor Erregung sind. Ja, damit kann ich arbeiten.

Ich nehme mir einen der ungefähr fünfhundert Kleiderbügel, die wir auf dem Sofa aufgehäuft haben. Dieser hier hat ziemlich praktische Klemmen an der Mittelstange, um Hosen oder Röcke daran zu befestigen – oder Ellas Nippel.

»Bereit für die nächste Entscheidung?«, frage ich überflüssigerweise und betrachte Ella, die vorsichtig mit dem Kopf nickt.

»Sehr schön. Hier kommt Variante eins.« Ich positioniere den Bügel so vor ihren Brüsten, dass ich beide Nippel gleichzeitig mit den Klemmen erwische. Langsam schließe ich sie, und Ella stöhnt und quiekt immer lauter, je fester der Druck wird. Als ich die Klemmen gänzlich losgelassen habe, sehe ich feine Schweißperlen auf ihrer Stirn, und sie versucht sich mit aller Kraft auf dem Stuhl zu winden.

»Stell dich nicht so an, Ella. Du stehst doch drauf, stimmt’s?«, frage ich mit einem Hauch Arroganz in der Stimme. Selbst in meinen eigenen Ohren klinge ich richtig fies.

Ella beantwortet meine Vermutung mit einem wütenden Schnaufen. Sie wirft den Kopf heftig hin und her.

»Strafe muss sein, liebe Ella«, betone ich noch einmal. »Ich habe ja gesagt, dass dieses Spiel nicht besonders lustig für dich wird.« Dann beuge ich mich über sie, umfasse ihren Kopf mit beiden Händen und küsse sie auf die Stirn. Ich lasse meine Zungenspitze sanft über ihre Schläfen gleiten und streichele ihre Lippen, die den Knebel umschließen. Sie beruhigt sich etwas, scheint sich an den Schmerz zu gewöhnen. Aber das war noch nicht alles. Ich lasse von ihr ab und sehe, dass sie sofort wieder unruhiger wird. Meine wehrlose Freundin – ein grandioser Anblick.

»So«, sage ich laut, »genug genossen. Du musst schließlich eine Entscheidung treffen.« Ich klatsche in die Hände, ergreife die Klemmen, die Ellas Nippel quälen, und öffne sie schnell. Ella quietscht laut auf, als das Blut wieder zurück in ihre Nippel strömt. Ein wildes Stöhnen zeigt mir deutlich, dass diese Strafe gesessen hat.

»Also, merk dir gut, wie dir Variante eins gefallen hat. Sonst müssen wir diesen Entscheidungsprozess womöglich wiederholen. Und das willst du ja ganz bestimmt nicht, oder?«

Ella schüttelt mit Nachdruck den Kopf und gibt gepresste Geräusche von sich. Anscheinend versucht sie mir etwas zu sagen.

»Wie bitte? Ich verstehe dich nicht. Du musst schon deutlicher mit mir reden«, maßregele ich sie und komme mir selbst schon fast ein bisschen zu böse vor. Ein Blick zu Ellas Händen verrät mir jedoch, dass sie keine Anstalten macht, das Auflösezeichen zu geben: Hände zu Fäusten ballen, Daumen ausstrecken. Ihre Hände hängen offen an den Seiten des Stuhls. Also spiele ich weiter.

»Variante zwei«, sage ich knapp und verzichte auf weitere Details. Ohne Umschweife befestige ich die Klemmen des zweiten Bügels an Ellas Nippeln und ernte abermals ein wütendes, schmerzerfülltes Stöhnen. Aber noch immer kein Auflösezeichen. Ich bin beeindruckt.

»Und weil dir das so gut gefällt, darfst du diese Variante noch einen kleinen Augenblick genießen. Ich werde dich derweil vor eine weitere Wahl stellen. Wir müssen uns schließlich ein bisschen ranhalten.« Damit greife ich mir den Holzkochlöffel, den ich in Ellas Kiste gefunden habe – direkt neben den CDs und einer Kosmetikbox. Meine Ella. An das Chaos muss ich mich noch ein bisschen gewöhnen.

Ich schmunzele und trete wieder an sie heran. Ohne ein Wort der Warnung lasse ich den Kochlöffel auf die Innenseite ihres Oberschenkels klatschen. Ella zuckt zusammen und versucht die Beine zu schließen, doch vergebens. Die Fesseln sitzen gut. Sie ist mir ausgeliefert. Ich lasse den Löffel zwischen ihren Oberschenkeln hin und her schwingen und wähle bei jedem Auftreffen eine andere Stelle. So wird ihre Haut in kurzer Zeit gleichmäßig gereizt und sichtbar gerötet.

Ich blicke kurz in Ellas Schritt. Das Spiel ist eindeutig nicht nur grausam für sie. Ihre Scham glänzt feucht und einladend. Ich schlucke. Am liebsten würde ich sie jetzt schmecken und mit meinen Fingern ficken, bis sie vor Lust schreit – oder es zumindest versucht. Allein bei dem Gedanken wird mir ganz heiß.

Ich lege den Kochlöffel wieder weg. Der zweite ist aus Kunststoff. Er hat einen gleichmäßig dicken, runden Stiel und ist wie gemacht für Ellas Oase der Lust. Ich schiebe den Stiel zwischen ihre Schamlippen, presse sie leicht auseinander und sehe, wie sich ein feuchtes Rinnsal einen Weg zu ihren Pobacken bahnt. Ich führe den Löffel rhythmisch auf und ab, verteile die Nässe in ihrem Schoß, bis Ella laut ächzt und die wenigen Zentimeter näher an die Stuhlkante heranrutscht, die die Fesseln ihr als Spielraum geben.

Ich kann nun selbst ein erregtes Stöhnen nicht unterdrücken, als ich den Kochlöffelstiel mit einem langsamen Stoß in Ella hineingleiten lasse. Sie schnauft hinter ihrem Knebel und ringt hörbar nach Luft. Obwohl sie mich zu dem eingeladen hat, was ich hier tue, scheint sie nicht damit gerechnet zu haben. Ihr Becken entwickelt ein Eigenleben und drängt sich mir so gut es geht entgegen. Vorsichtig, aber bestimmt lasse ich den Stiel des Löffels sein Werk vollbringen, ficke sie rhythmisch, bis ein Schweißfilm ihren Körper überzieht. Dieses Bild ist einfach der Wahnsinn. Ich kapituliere vor meiner eigenen Begierde, schiebe mich zwischen Ellas Beine, knie nieder und tauche meine Zunge in ihren Schoß. Wild umspiele ich mit meiner Zungenspitze ihren Kitzler, der sich schon erwartungsvoll aufrichtet. Ella wirft ihren Kopf zurück, stöhnt und quiekt, und ich spüre, wie sich ihr gesamter Körper abwechselnd verkrampft und entspannt, wieder und wieder. Sie wird geschüttelt von Gefühlen. Schmerz. Lust. Begehren. Wut.

Teil 04

Umständlich ziehe ich mich aus und fühle leichtes Unbehagen im Magen. Mona steht voll bekleidet neben dem Stuhl und beobachtet jede meiner Bewegungen. Sie weiß genau, dass ich solche Situationen nicht leiden kann. Wahrscheinlich genießt sie es deshalb umso mehr. Als ich nackt vor ihr stehe, sagt sie knapp: »Gut. Setz dich.«

Ich gehorche. Sie gibt mir einen zarten Kuss auf die Lippen und flüstert: »Schließ die Augen.« Im nächsten Moment legt sie mir eine Augenbinde an und beraubt mich meines wichtigsten Sinnes.

»Ich werde dich nun an den Stuhl fesseln«, kündigt sie an. »Und zwar mit einem Seil. Du wirst dich danach nicht mehr bewegen können. Aber das musst du auch gar nicht. Du wirst mir dennoch eine große Hilfe sein.«

Ich spüre, wie sie mich fachmännisch mit dem Seil umwickelt. Erst fesselt sie mir die Fußgelenke an die vorderen Stuhlbeine, dann führt sie das Seil unter dem Stuhl hindurch, um meine Handgelenke an der Rückenlehne zu fixieren, schließlich wickelt sie das Seil weiter hinauf und um meine Arme herum. Ich kann fühlen, wie meine Brüste dadurch nach vorn gepresst werden. Es muss geradezu obszön aussehen. Und bequem ist es nicht. Aber wahrscheinlich ist genau das Monas Plan.

»Na, das sieht doch noch viel zu gemütlich aus«, meint sie in diesem Augenblick.

»Findest du? Ich finde es denkbar ungemütlich. Und wir haben wirklich keine Zeit für so einen Quatsch, Mona.« Damit lehne ich mich ziemlich weit aus dem Fenster.

Und bereue es eine Sekunde später auch schon. »Quatsch also?«, fragt Mona kühl. »Dass du in deiner Lage noch so frech bist. Du forderst es ja geradezu heraus, dass deine Liste wächst und wächst. Und mit ihr auch deine Strafe. Die hast du langsam, aber sicher mehr als verdient.«

»Tut mir leid, Mona. Aber ich finde es einfach nicht richtig, dass wir hier Spielchen spielen und eigentlich noch so viel zu tun haben«, versuche ich mich zu erklären und ahne, dass ich besser den Mund halten sollte. Erstens bringt es nichts, jetzt mit Mona zu diskutieren – es sei denn, mir steht der Sinn nach einer Strafe, die ich mir in meinen kühnsten Träumen nicht ausmalen könnte –, und zweitens verzögere ich die ganze Sache nur, und wir haben am Ende immer weniger Zeit.

Ich höre Mona wütend zischen: »Jetzt habe ich aber genug!«

Dann Stille. Ist sie gegangen? Wohin? In der Ferne vernehme ich das Öffnen und Schließen einer Schublade.

Oh nein, Ella! Was hast du bloß getan?

»Los, mach den Mund auf«, herrscht Mona mich an.

»Mona, ich . . .« Weiter komme ich nicht. Mona hat die Chance ge-nutzt und mir einen Knebelball in den Mund geschoben. In Sekunden-schnelle ist er an meinem Hinterkopf mit einem Lederriemen ver-schlossen. Ich kann nur noch dumpfe Laute von mir geben, die entfernt nach Sprache klingen.

»Du hast es nicht anders gewollt«, stellt Mona fest.

Ich atme tief durch. Nun ist jede Gegenwehr zwecklos. Ich kann nichts sehen, nicht mehr sprechen und bin bewegungsunfähig. Mit den letzten Fähigkeiten, die mir noch geblieben sind, kann ich wahrlich keine Schlacht gegen Goliath gewinnen. Also ergebe ich mich meinem Schicksal und hoffe, dass es nicht allzu schlimm wird. Ich war wirklich ganz schön frech. Das könnte mir zum Verhängnis werden.


Mona


»So, Ella . . . eigentlich wollte ich dieses Spiel etwas anders spielen«, lasse ich meine Freundin wissen. »Eigentlich sollte es für uns beide amüsant werden und uns Freude bereiten. Ich denke, dass es in der abgewandelten Form nur noch mir Freude bereiten wird. Aber ich kann dir versichern, dass ich für zwei Spaß haben werde. Du hingegen eher nicht.« Ich höre, dass sich ihr Atem beschleunigt. Die Aufregung scheint langsam zu steigen. Schön.

»Du kannst dir jetzt noch ein paar Minuten Gedanken darüber machen, ob es das wirklich wert war. Du weißt schließlich, dass Diskussionen in gewissen Situationen nie zu deinen Gunsten ausgehen. Ich werde derweil noch einiges vorbereiten. Aber es dauert nicht lange, keine Sorge.«

Ich klappere vernehmlich mit allem, was mir in die Finger und vor die Füße kommt, räume dieses nach rechts und jenes nach links, um Ella ein bisschen schmoren zu lassen. Ihr Kopf ruckt unruhig hin und her. Auch wenn sie sich kaum bewegen kann, ist ihre Anspannung deutlich erkennbar.

Lächelnd betrachte ich sie noch einen Moment und trete dann wieder dicht an sie heran. Sie spürt meine Anwesenheit offenbar und hebt den Kopf.

»Also, Ella. Ich habe mir das so überlegt: Du darfst ganz allein entscheiden, was wir von den Sachen behalten, die wir nun doppelt haben. Da du aber nichts sehen kannst, musst du dich auf dein Gefühl verlassen.«

Ella versteift sich. Sie scheint zu ahnen, was jetzt kommt.

»Fangen wir an«, verkünde ich und greife nach dem Pfannenwender aus Plastik, den sie mitgebracht hat.

Ich streiche mit dem Küchenutensil über ihren Bauch, und sie zuckt zusammen. Aber ich lasse mich nicht beirren. Ich führe den Wender weiter nach unten, ihren Oberschenkel hinab und an der Innenseite wieder hinauf. Ella entspannt sich ein wenig. Gut so. Soll sie sich ruhig in Sicherheit wiegen. Ich berühre noch einmal die glatte, im Licht der Deckenlampe schimmernde Haut an ihrem Bauch und lege das Gerät wieder zurück auf den Tisch. Ella atmet erleichtert auf.

Doch inzwischen habe ich meinen eigenen Pfannenwender in der Hand und presse ihn ihr ohne Vorwarnung fest auf die linke Brust. Sie quiekt unter ihrem Knebel auf. Der Pfannenwender ist aus kaltem Edelstahl, und Ella reagiert prompt mit einer feinen Gänsehaut. Ich nehme das Utensil weg, drehe es um und drücke es mit der anderen Seite auf ihre rechte Brust. Wieder quiekt Ella und zerrt an den Fesseln. Doch da ist sie chancenlos.

»Na, sieht aus, als hättest du dich entschieden«, grinse ich und lege auch den zweiten Pfannenwender beiseite. »Aber um sicherzugehen, führe ich dir den ersten Gegenstand noch einmal kurz vor. Nur so zum direkten Vergleich.« Ich greife wieder nach dem Wender aus Plastik. Doch dieses Mal soll sie ihn auf andere Weise kennenlernen.

Ich halte ihn am Stiel fest, biege die flache Wendeseite etwas nach hinten, halte sie nah über Ellas Bauch und lasse los. Mit einem lauten Klatschen trifft das Plastik die empfindliche Haut, und Ella wirft den Kopf nach hinten und wimmert. Ich wiederhole das Ganze einige Male in schnellem Rhythmus auf ihrem Bauch und den Oberschenkeln. Als i-Tüpfelchen ziele ich direkt auf ihre rechte Brust. Als es klatscht, stöhnt Ella laut auf und windet sich in ihren Fesseln, so gut sie kann.

»Und? Welches Modell darf es sein?«, frage ich schließlich grinsend, trete einen Schritt zurück und betrachte zufrieden die roten Abdrücke auf Ellas Haut.

»Hmpf. Mh . . .«, höre ich nur.

Hämisch lachend stelle ich fest: »Ach richtig. Du bist ja gerade nicht in der Lage zu sprechen. Gut, dann gib mir mit deinem hübschen Köpfchen ein Zeichen. Möchtest du Nummer eins behalten?«

Ella zuckt mit den Schultern.

»Oder Nummer zwei?«

Wieder ein Schulterzucken.

»Ja . . . also, wenn du dich noch nicht entscheiden kannst, dann muss ich dir die Möglichkeiten wohl noch einmal präsentieren«, konstatiere ich und klappere kurz mit den Pfannenwendern, als sei ich im Begriff, sie abermals damit zu quälen. Da schüttelt Ella wild den Kopf und versucht mit unterdrückten Lauten Kontakt zu mir aufzunehmen.

»Was? Möchtest du mir etwas sagen? Hast du dich doch entschieden?«

Ella nickt.

»Nummer eins?«

Ella schüttelt den Kopf.

»Gut, also Nummer zwei. Siehst du, das war doch gar nicht so schwer«, lache ich. »Und es macht riesig Spaß, findest du nicht? – Also gut. Weiter geht’s. Wir haben noch viel vor. Du hast ja den großen Stapel gesehen.«

Teil 03

Natürlich weiß sie genau, was ich meine. Trotzdem fragt sie mit ihrer betörenden Stimme: »So, so, Ella, an was denkst du dabei konkret?«

Ich kann kaum widerstehen, wenn sie die Rolle meiner lieben, hingebungsvollen Freundin gegen die der dominanten, strengen und leidenschaftlichen Frau eintauscht, die sie ist, wenn sie Lust aufs Spielen hat – auch das weiß sie ganz genau. Wobei es längst nicht mehr nur ein Spiel ist. Es hat einen festen Platz in unserem gemeinsamen Alltag. Denn es gibt immer Situationen, die es erlauben, sich dem Reiz von Dominanz und Unterwerfung hinzugeben, und Mona findet jede kleine Gelegenheit, mich zu erinnern, dass sie die Regeln bestimmt. Und ich habe mich nicht nur daran gewöhnt, ich genieße es sogar so sehr, dass ich die Regeln hin und wieder mit Absicht breche. Es ist, als hätte ich am Ende doch die Fäden in der Hand. Ein erregendes Gefühl – auch wenn ich mir nicht nur einmal die Finger an meinem Übermut verbrannt habe und Mona mir gezeigt hat, dass ich das Echo, wie sie es nennt, manchmal wirklich nur schwer ertrage. Aber ich kann in jeder Sekunde darauf vertrauen, dass sie nie etwas tun würde, das ernsthafte körperliche oder seelische Konsequenzen nach sich ziehen würde. Das weiß ich. Sie achtet mich, und sie achtet meine Grenzen. Ich habe es in der Hand, diese Grenzen zu verschieben und zu überschreiten. Und diese Macht werde ich auch nie verlieren, dessen bin ich mir sicher. Aus genau dem Grund fühle ich mich bei Mona so sicher und geborgen.

»An nichts Bestimmtes«, beantworte ich ihre Frage mit einem unschuldigen Grinsen.


Mona


Ella hat dieses typische Grinsen im Gesicht, das eindeutig verrät: Sie flunkert. Mit strengem Blick erinnere ich sie: »Du sollst doch nicht lügen. Hast du denn gar nichts gelernt in den letzten Monaten?«

»Wenn ich dir jetzt sage, woran ich denke, dann kann ich dir garantieren, dass wir weder die Wände streichen noch eine Kiste in die Hand nehmen, um ihren Inhalt in deine Kommoden zu stopfen«, gibt Ella zu bedenken.

Das stimmt vermutlich. Die vergangenen Tage vor dem Umzug waren der pure Stress. Ich musste viel arbeiten, und Ella war vollauf damit beschäftigt, ihre Wohnung aufzulösen. Wir haben uns kaum gesehen, und die letzten zwei Nächte haben wir sogar in getrennten Wohnungen verbracht, damit ich schlafen und Ella noch weiter packen konnte. Ein Tag ohne noch mehr Stress wäre jetzt wirklich wünschenswert.

»Ich will es trotzdem wissen«, sage ich und sehe sie mit festem Blick an.

»Lass uns frühstücken. Ich habe an das Frühstück gedacht«, behauptet Ella mit einem unglaubwürdigen Lächeln. »Wurst, Käse, Brot, Butter. So was halt.«

»Ja, genau. Wurst und Käse. Dass ich nicht lache. Na gut . . . ich lasse es jetzt für den Augenblick so stehen. Aber du weißt, dass ich es weder schätze noch vergesse, wenn du mich anlügst. Und ich werde schon den passenden Zeitpunkt finden, um deine Erinnerung daran noch einmal zu festigen.« Ich spreche in beschwörendem Tonfall und stelle fest, dass Ella das Lächeln für einen Moment gefriert. Gut so. Ich liebe es, sie so angespannt zu sehen. Voller Erwartung, aber ohne zu wissen, was sie erwarten kann und wann der Zeitpunkt da ist. So kann der Tag starten. Ich habe die Zügel wieder in der Hand.


»Also gut, gestärkt sind wir jetzt«, sage ich, während ich die Teller in die Spülmaschine räume und Ella die Lebensmittel wieder in den Kühlschrank legt. »Ich würde sagen, wir nehmen uns jetzt jede drei Kartons vor und packen sie aus. Und dann gehen wir erst einmal streichen, okay?«

»Ja, ist gut. Aber wir müssen irgendwie zusammen entscheiden, wo was hinsoll.« Ella hält kurz inne. »Es ist immer noch komisch für mich, deine Schränke, Kommoden, Regale und Fächer mitzubenutzen. Deine Wohnung.«

Ich gehe auf sie zu. »Es ist jetzt auch deine Wohnung. Und wir werden dafür sorgen, dass sich das auch ganz schnell so anfühlt, okay? Deine Sachen kriegen wir schon unter. Und es ist vielleicht auch eine gute Gelegenheit für mich, mal ein bisschen auszusortieren und mich von Dingen zu trennen, die ohnehin nur im Weg sind. Ich bin so überglücklich, dass du jetzt hier bist, bei mir. Und ich würde sofort alle meine Sachen in den Keller verbannen, damit du dich hier ausbreiten kannst, wenn das nötig wäre. Aber wir schauen erst mal, wie weit wir kommen, ohne dass irgendwelche Sachen ausziehen müssen, einverstanden?« Beruhigend nehme ich Ella in den Arm.

»Ist gut«, murmelt sie und schmiegt sich an mich. »Ich habe mich hier ja auch vom ersten Tag an wie zu Hause gefühlt. Aber jetzt, wo meine Scheißkisten alles zustellen und die hässlichen Plastiktüten überall rumfliegen, fühle ich mich, als würde ich mit meinem Müll deine wunderschöne und perfekte Wohnung ruinieren.« Sie drückt sich ein wenig von mir weg und sieht sich etwas frustriert im Wohnzimmer um.

»Umzüge sind immer Mist«, sage ich verständnisvoll. »Es ist unordentlich, nichts ist dort, wo es sein soll. Man findet seine Sachen nicht wieder und fragt sich, wo das ganze Zeug herkommt, das da in den Kisten schlummert. Aber glaub mir, du wirst überrascht sein, wie schnell alles seinen Platz gefunden hat. Und wenn noch ein Schrank fehlt, dann kaufen wir eben einen. Oder ein Regal, oder eine Kommode. Oder einen Müllcontainer.« Bei dem letzten Wort grinse ich. Zum Glück teilt Ella meinen Humor. Sie muss auch schmunzeln.

Ich nutze die kleine Auflockerung, um sie zu motivieren: »Na, siehst du. Also los. Jede drei Kisten, und dann schmeißen wir uns in unsere sexy Maleroutfits und tunken deine Villa Kunterbunt in einen Hauch von Weiß und Weiß.«

Mit einem tapferen Nicken stellt Ella noch die Marmelade in den Kühlschrank, bevor wir uns dem Kistenberg widmen.


Ella


Nachdem wir unsere sechs Kisten ausgeräumt haben, blicke ich etwas überfordert auf den beachtlichen Haufen von Dingen auf dem Tisch, die wir doppelt, manche sogar dreifach haben. Nachdenklich kratze ich mich am Kopf und frage: »So, und wie sortieren wir jetzt aus, was bleibt und was weg muss?«

»Gute Frage«, gibt Mona ähnlich nachdenklich zurück.

Ich schiebe die Verantwortung von mir: »Es war deine Idee. Also, sieh zu, dass dir was einfällt.«

Mona sieht mich streng an. Ups. Da habe mich wohl etwas im Ton vergriffen. Diesmal allerdings aus Versehen.

»Ella? Deine Liste wird immer länger. Das ist dir hoffentlich bewusst.«

Ich nicke stumm.

Plötzlich blitzen Monas Augen verdächtig, und sie grinst. »Ich habe eine Idee. Ob sie dir gefallen wird, weiß ich nicht. Aber ich finde sie ganz großartig.«

Na toll. Ich ahne, dass das nicht gut für mich ausgehen wird.

»Geh besser noch einmal auf Toilette«, empfiehlt Mona. »Es könnte etwas dauern, und unter Umständen kannst du dich zwischendurch nicht von der Stelle rühren.«

Ohne ein Wort zu sagen, tue ich, was sie verlangt. Als ich wieder ins Wohnzimmer komme, erblicke ich einen Stuhl, den Mona dort in der Zwischenzeit hingestellt haben muss. Sie deutet darauf und sagt: »Zieh dich aus und setz dich.«

»Mona, wir müssen vorankommen«, wende ich ein. »Wir haben keine Zeit für Spielchen.« Natürlich versuche ich mich in erster Linie aus der Affäre zu ziehen, aber ich finde mein Argument gar nicht so verkehrt. Die Zeit rennt tatsächlich.

Mona widerspricht: »Für dieses Spiel haben wir Zeit, Ella. Es wird uns beim Aussortieren helfen. Und du hast die Möglichkeit, über deine Frechheiten nachzudenken. Zwei Fliegen mit einer Klappe. Das nenne ich perfektes Zeitmanagement.« Sie nickt mir zu mit einem Blick auf meine völlig stillose Sonntagskleidung, um anzudeuten, dass ich mich ihrer entledigen soll.

Teil 02

Franka erhebt sich und zieht Inken vom Sofa hoch. »Also gut, ihr Lieben«, sagt sie, »wir machen uns dann mal vom Acker. Wir sehen uns spätestens bei eurer Einweihungsparty. Viel Spaß beim Kistenauspacken und Einsortieren. Ich bin sehr gespannt, wo ihr das alles lassen wollt.«

»Keine Sorge, bis zur Party ist alles weg«, versichert Mona und blickt demonstrativ in Richtung Mülleimer.

Ich knuffe ihr an den Oberarm: »Ey! Spinnst du?«

»Vorsicht, meine Liebe. Du verträgst das Echo nicht«, flüstert Mona geheimnisvoll.

Sofort zieht sich mein Unterleib zusammen. Ich stehe jedes Mal kurz vor der Explosion, wenn sie so was sagt. Allein der Gedanke daran, was das »Echo« sein könnte, löst in meinem ganzen Körper ein heftiges Kribbeln aus. Ich merke, dass ich rot werde, und blicke beschämt nach unten. Im Augenwinkel sehe ich Mona zufrieden grinsen. Sie schafft es aber auch immer wieder.

Viola ist inzwischen auch aufgestanden. »Gut, ihr zwei Hübschen«, sagt sie, »ich mache mich auch auf den Weg. War nett mit euch, aber jetzt ruft ein heißes Date mit meiner Dusche.«

»Alles klar. Vielen Dank noch mal.« Ich verabschiede mich mit einer festen Umarmung. Nachdem auch Karsten, Stephan und etwas später Gregor gegangen sind, stehen Mona und ich allein in dem Chaos meines Einzugs.


Mona


Die Tür fällt hinter Gregor ins Schloss, und ich sehe mich etwas skeptisch um. Wo sollen wir bloß anfangen? Die eine Seite des Kleiderschranks und ein paar Schubfächer in meinen Kommoden bieten niemals genug Platz für den Inhalt dieser ganzen Kisten. Da steckt tatsächlich eine ganze Wohnung drin.

»Und jetzt?«, reißt Ella mich aus meinen Überlegungen. Ich sehe ihr an, dass ihre Gedanken meinen sehr ähnlich sind.

»Ich weiß es nicht«, murmele ich. »Wir könnten alles erst einmal an eine Seite des Zimmers stellen und von dort aus dann nach und nach irgendwo einsortieren.«

»Okay. Und wo? Glaubst du, über Nacht wachsen den Schränken die fehlenden Schubfächer und Einlegeböden? Oder erwartest du für morgen Handwerker, die ein bis drei Zimmer anbauen?« Ella hebt ironisch die Augenbrauen.

Seufzend gestehe ich: »Ich sehe es ein. So einfach ist es nicht.«

»Ja, so einfach ist es nicht«, wiederholt Ella, und wir lassen unsere Blicke erneut ratlos über das Durcheinander schweifen. Schließlich schlägt sie vor: »Pass auf, wir räumen die Wand neben der Wohnungstür frei und stapeln dort erst mal alle Kartons. Und dann setzen wir uns aufs Sofa und gucken eine DVD.«

»Das ist dein Plan?«, frage ich verwundert.

»Ja, für heute schon. Ich bin müde, und wir haben so viel geschafft. Da haben wir uns doch eine kleine Pause verdient, findest du nicht?«

»Also schön«, stimme ich zu. »Deine Wandidee ist gut. Das machen wir noch, und dann ist Feierabend.« So langsam merke ich, dass auch ich von der Schlepperei ziemlich geschafft bin.

Wir ziehen die Kommode ein Stück vor und beginnen, die Kisten dahinter aufzuschichten. Tatsächlich ist bald wieder ein Wohnzimmer erkennbar. Sehr beruhigend. Und die Kistenwand könnte fast als dekoratives Wohnaccessoire durchgehen.

»So kann es doch erst mal bleiben«, stellt Ella zufrieden fest, als auch die letzte Kiste ihren Platz auf dem Stapel gefunden hat.

Ich betrachte unser Werk und nicke. Ja, so kann es erst einmal bleiben.


Ella


Nachdem wir uns im Bad kurz frischgemacht haben und in bequeme Kleidung geschlüpft sind, machen wir es uns endlich auf dem Sofa bequem und sehen uns zum hundertsten Mal Keinohrhasen an. Ich kuschele mich dicht an Mona, atme genießerisch ihren Duft ein und schließe die Augen, um diesen Moment angemessen zu würdigen. Wir haben es geschafft. Wir wohnen zusammen. Mona und ich. Ich und Mona. Wir beide.

»Ich bin glücklich«, flüstere ich leise und ein wenig gedankenverloren.

»Und ich erst«, gibt Mona zurück. Sie zieht mich noch enger an sich und gibt mir einen zärtlichen Kuss aufs Haar.

Ich wünschte, wir könnten ewig hier sitzen bleiben. Doch meine Gedanken schweifen immer wieder ab zu den vielen Dingen, die noch getan werden müssen, um wirklich anzukommen in meinem neuen Zuhause. Morgen müssen wir erst einmal meine alte Wohnung streichen. Leider ist sie in einen verspielten Farbtopf gefallen, als ich eingezogen bin – einfach so, ohne mein Zutun. Na gut, nicht ganz. Aber da war eine Kraft am Werk, die ich nicht aufhalten konnte. Und leider ist es mir jetzt nicht gelungen, einen Nachmieter zu finden, der meine Villa Kunterbunt genauso schätzt wie ich.

Etwas wehmütig denke ich an meine kleine, süße Schatzkiste. Es war eine tolle Wohnung. Auch wenn ich nicht besonders lange in ihr gelebt habe – geliebt habe ich sie vom ersten Moment an. Sie hatte Persönlichkeit. Charme. Und ich hoffe sehr, dass sie bald jemanden beherbergen darf, der sie ebenso liebt.

Mona bemerkt meine Abwesenheit und fragt: »Woran denkst du?«

»An meine alte Wohnung.« Ich seufze. »Sie war die schönste, die ich je hatte.«

»Du hast sie dazu gemacht. Und jetzt machst du diese Wohnung zur schönsten Wohnung«, tröstet Mona.

Sie hat ja recht. Jetzt beginnt etwas Neues. Etwas Aufregendes. Und ich freue mich auf all das, was kommen mag. Abgesehen vom Streichen. Und von den Kisten. Ich glaube, der Berg ist gewachsen, seit ich das letzte Mal hingesehen habe. Nein, ich bin mir sicher, dass er gewachsen ist. Wie unheimlich.

»Mona?«

»Ja?«

»Findest du auch, dass es mehr Kisten geworden sind, seitdem wir hier sitzen?«

Mona sieht mich irritiert an. Ich bleibe ernst.

»Ella?«

»Ja?«

»Ich liebe dich«, grinst Mona, und schon sind die Kisten ausgeblendet. Wir versinken in einem leidenschaftlichen Kuss.

»Ich liebe dich auch«, flüstere ich in einer kleinen Atempause und verliere mich in Monas funkelnden Augen. Wunderschön sind sie. So ehrlich und rein. Tief wie der Ozean und blau wie der Sommerhimmel, den ich in dieser Jahreszeit so schmerzlich vermisse.

Hier gehöre ich hin. Hier will ich sein!

Mit diesem Gedanken vergrabe ich mein Gesicht in Monas Shirt und ziehe die kuschelige Wolldecke noch ein bisschen enger um meine müden Glieder.


»Ich bin froh, dass du heute nicht arbeiten musst«, gähne ich, als ich am nächsten Morgen aufwache und verschlafen auf mein Handy schaue. Im nächsten Moment bin ich vor Schreck hellwach. Schon elf Uhr? Oje, wir haben so viel zu tun heute.

»Und ich erst«, seufzt Mona. »Leg dich wieder hin, Baby. Lass uns einfach im Bett bleiben.« Aber ich höre ihr an, dass sie selbst weiß, dass dieser Wunsch heute wohl nicht in Erfüllung gehen wird.

Ich beuge mich zu ihr hinab, gebe ihr einen Kuss auf die Stirn und wuschele ihr durchs Haar. Das mag sie nicht. Ich hingegen schon. Darum lasse ich mich manchmal einfach dazu hinreißen, es zu tun.

Klatsch!

»Aua!«, schreie ich auf und halte mir die Pobacke.

Mona grinst mich an und setzt sich mir gegenüber. »Selbst schuld, Ella.«

»Das war es mir trotzdem wert, Wuschelkopf«, foppe ich sie und blicke auf ihre Haare, die nur mit ganz viel Phantasie als Frisur durchgehen. Süß sieht sie aus. Aber auch diese Tatsache mag sie nicht besonders, also behalte ich mein Urteil lieber für mich. Wer weiß, wo das Ganze sonst noch endet . . . Heute wäre es wirklich denkbar schlecht. Obwohl es mir sehr viel lieber wäre, den ganzen Tag mit Nippelklemmen, Knebeln und Fesseln zu leiden, als meine alte Wohnung zu streichen und Kisten auszupacken. Ich seufze.

»Was ist los?«

Mit funkelnden Augen sehe ich Mona an und lasse sie an meinen Gedanken teilhaben: »Ich denke gerade nur an das verlockende Alternativprogramm, für das wir den heutigen freien Tag nutzen könnten, müssten wir nicht das tun, was getan werden muss.«

Teil 01

1


Mona


»Ist das dein Ernst, Ella?«, frage ich entsetzt, als ich mit der Wohnungstür schwungvoll gegen einen Stapel Kartons pralle. Auf ihnen liegen Müllsäcke, in denen Ella offensichtlich den Inhalt ihres Kleiderschranks verstaut hat, und drum herum warten die Möbel, von denen sie sich nicht trennen konnte, auf ihren Abtransport. Ich kann keinen Fuß vor den anderen setzen.

Dennoch muss ich schmunzeln, als ich Ella in dem Chaos entdecke. Sie ist gerade sichtlich bemüht, eine völlig überfüllte Kiste zu schließen, indem sie sich mit ihrem ganzen Oberkörper drauflegt und etwas ungeschickt versucht, sie mit Klebeband zu umwickeln. Ernsthaft irritiert fragt sie in meine Richtung: »Was meinst du?«

»Ella!«, sage ich ungläubig. »Die Helfer stehen gleich vor der Tür. Und wenn wir das Chaos hier nicht schnell in den Griff kriegen, dann bleiben sie dort auch.« Ich deute auf die Berge aus Umzugsgut, die jeden Zugang zu den Räumen in Ellas Wohnung versperren.

»Ach, Quatsch. Das sind drei Handgriffe, und dann kann es losgehen. Ist doch schon so gut wie alles gepackt.« Nicht ohne Stolz auf ihre Leistung zeigt sie mit weit ausholender Geste auf die unbeschrifteten und wahllos in den Zimmern verteilten Kartons.

Ich grinse meine Freundin an. »Du bist süß, Ella. Na gut, dann wollen wir mal. Ich denke, ich brauche dich nicht fragen, ob es ein System gibt, oder?« Die Frage war rein rhetorisch, und ich warte die Antwort gar nicht ab. Stattdessen beginne ich mich durch die großen und kleinen, vollen und halbleeren Kisten und Tüten zu arbeiten und eine Schneise zu bilden, damit die Helfer irgendwo anfangen können.


Ella


»Hey«, begrüße ich unsere hilfsbereiten Freunde. »Schön, dass ihr da seid, um uns zu unterstützen. Wir haben schon alles vorbereitet. Die Sachen müssen nur noch nach oben getragen werden.«

Meine gute alte Freundin Viola wirft einen vorsichtigen Blick in die Wohnung und lacht: »Typisch Ella.«

Ich weiß gar nicht, was die alle haben. Ist doch klar, dass es hier nicht aussieht wie im Möbelhaus kurz vor der Eröffnung. »Jetzt fängst du auch noch damit an«, beschwere ich mich. »Mona hat auch schon rumgemeckert und so getan, als hätte ich bisher nur Däumchen gedreht. Dabei habe ich die ganze Nacht Kisten gepackt.«

Ich sehe in belustigte Gesichter. Dann krempelt sich Monas Kumpel Gregor als Erster die Ärmel hoch, übergeht dankenswerterweise die Diskussion über mein Packsystem und fragt: »Also schön. Wo sollen wir anfangen?«

»Am besten erst die Möbel«, weist Mona an, »dann stehen die schon mal an ihrem Platz, und die Kisten können dann die Lücken füllen.«

Stephan und Karsten, die mit Viola gekommen sind, gehen mit guten Beispiel voran und hieven eine schwere Kommode ins Treppenhaus. Auch alle anderen stürzen sich motiviert in die Arbeit. Ich lächele zufrieden und packe mit an.

In Nullkommanix sind die Möbel in Monas Wohnung, und ich sehe, wie sie einen erleichterten Blick auf die neue Einrichtung wirft. Sie scheint froh zu sein, dass ihre Wahnvorstellungen von zugestellten Wänden, gestapelten Tischen und Kommoden und nicht mehr zu öffnenden Schranktüren, die sie in den letzten Wochen quälten, nicht zutreffen.

Inken knufft sie in die Seite: »Los, ausruhen ist nicht. Du kannst den Schrank ab jetzt jeden Tag bestaunen. Aber erst mal wird geschleppt!« Sie ist genaugenommen nur als moralischer Beistand mitgekommen. Heben darf sie in ihrem Zustand ja nicht: Sie und ihre Freundin Franka werden demnächst Mamis. Aber die Verantwortung für einen reibungslosen Ablauf kann sie tragen. Und das tut sie auch mit überzeugendem Enthusiasmus. Mona spurt, und ich bin beeindruckt – sonst gibt Mona immer den Ton an. Ich verziehe die Lippen zu einem heimlichen Grinsen. Aber bevor Inken mich auch noch ermahnt, hetze ich lieber schnell wieder die Treppen runter und schnappe mir die erste Kiste.

Verdammt, ist die schwer. Was habe ich da denn reingepackt? Steine?

»Lass die stehen, Ella«, ruft Gregor mir heldenhaft zu. »Die nehme ich gleich.«

Ich werfe ihm einen dankbaren Blick zu und bekomme ein schlechtes Gewissen. Er weiß noch nicht, dass die Kiste an die hundert Kilo wiegt. Schnell greife ich mir einen Karton, in den ich meine Sofakissen und ein paar DVDs gestopft habe, und fliege nahezu die Treppen hinauf wie ein untergewichtiger Schmetterling auf Red Bull. So macht Umziehen ja fast schon Spaß.


Mona


Mannomann, ich mache drei Kreuze, wenn dieser Tag vorbei ist. Wo hatte Ella nur das ganze Zeug versteckt? Ich dachte wirklich, ihre Wohnung würde in drei Kisten passen. Aber bei dieser Schätzung hat mich mein sonst so zuverlässiges Augenmaß eindeutig im Stich gelassen.

Im Treppenhaus entsteht ein regelrechter Stau. Auf jedem Absatz stehen Kartons. Wir haben längst eine Kette gebildet, damit die Wege nicht mehr so weit sind, und trotzdem stehen wir uns ständig im Weg und hauen uns die Kisten um die Ohren. Da mache ich doch lieber drei Doppelschichten hintereinander mit dem nervigsten Oberarzt der ganzen Klinik, als noch einmal so einen Umzugstag zu meistern.

Nach gefühlten fünfhundert Kisten und tausend Stufen ins Dachgeschoss und wieder runter trägt Gregor die letzte Kiste mit seiner verbliebenen Manneskraft nach oben. Inken, die von meiner Wohnung aus alles koordiniert hat, blickt in die Richtung, wo bis heute Morgen noch die Schlafzimmertür zu sehen war, und fragt nicht ganz unbegründet: »Wo wollt ihr heute Nacht schlafen?«

»Am besten in Ellas alter Wohnung. Da ist ja nun Platz genug«, schlägt Viola vor.

Und wenn ich mich hier so umsehe, finde ich den Gedanken gar nicht so abwegig. Kisten stapeln sich nebeneinander, übereinander, hintereinander. In den Lücken dazwischen sind die Kleidersäcke, und ich finde das Bad nicht mehr.

Auweia! Wir hätten uns vielleicht doch eine größere Wohnung nehmen sollen.

»Nun macht mal halblang«, schaltet sich Ella ein. »Das kriegen wir schon hin. Erst mal essen wir jetzt was Anständiges. Vorausgesetzt, es gelingt irgendeinem, der mit Töpfen, heißem Wasser und Spaghetti umgehen kann, die Küche zu erreichen.« Fragend schaut sie in die Runde.

»Ich bin raus«, ächzt Inken und schiebt sich zum Sofa. »Das Baby braucht eine Pause, und ich würde mich auch gern setzen.« Mit einem kleinen Seufzen lässt sie sich fallen. Ihrem Bauch sieht man den vorübergehenden Untermieter zwar nur beim genauen Hinsehen an, aber sie wirkt wirklich etwas erschöpft. Ich bringe ihr eine Flasche Wasser und stolpere dann in die Küche, um unsere fleißigen Helfer zu verköstigen.


Ella


»Sehr lecker, die Tomatensoße«, lobt Gregor und klopft Mona anerkennend auf die Schulter.

»Ja, die habe ich selbst gekauft«, werfe ich ein. Immerhin war es nicht leicht, die richtige Soße auszuwählen, und ich finde, ich verdiene auch etwas Lob. Aber ich ernte nur ein wohlwollendes Grinsen.

Als alle Münder leer sind und wir uns verdienterweise an Bier und Orangensaft bedient haben, richte ich das Wort an unsere tapferen Freunde: »Vielen, vielen Dank für eure Hilfe. Das war wirklich unglaublich, was ihr in so kurzer Zeit geschleppt und geschoben habt. Ohne euch wären wir ganz schön aufgeschmissen gewesen.«

»Ach, Ella«, sagt Viola, »für euch tun wir das doch gern. Aber wehe euch, ihr stellt morgen fest, dass diese Wohnung doch zu klein ist, und zieht wieder aus. Dann bin ich auf jeden Fall im Urlaub.« Die anderen nicken zustimmend.

Mona nimmt mich lächelnd in den Arm, gibt mir einen kleinen Kuss auf die Stirn und erwidert mit sicherer Stimme: »Keine Sorge, wir werden uns hier schon einrichten.«

Ich schmiege mich an sie. Oh ja, wir richten uns hier ein. Hier in unserem gemeinsamen Zuhause. Was für ein schöner Gedanke nach so einem Tag.

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