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Teil 04

Die Sonne stand inzwischen im Zenit. Ihre Shirts waren schweißgetränkt. Allmählich ging es nur noch bergauf, und die Unebenheiten des Weges erschwerten die Fahrt. Schließlich hielt Amanda erschöpft an. »Ich kann nicht mehr!«, stöhnte sie und trank gierig einen Schluck Wasser.

Michaela hielt neben ihr. »Schaffen Sie es noch bis zu dem Wald da vorn? Dort gibt es einen Bach, der in einen kleinen See mündet und Abkühlung für die Beine bietet.«

Amanda sah in die Richtung, in die Michaela deutete. »Wie weit ist es bis dahin?«

»Keine zwei Kilometer.«

»Können wir wenigstens die Räder hier den Berg hinauf schieben?«

Michaela stieg ab, und sie legten den Rest des Weges zu Fuß zurück. Es war so heiß geworden, dass die Luft flimmerte und es in der Sonne kaum auszuhalten war. Der Schweiß lief ihnen in Strömen hinab. Umso angenehmer empfing sie der Wald mit seinem Schatten und einer sehr viel angenehmeren Temperatur.

Michaela schwang sich wieder in den Sattel. »Es ist gleich da vorn.«

Amanda sagte nichts, biss nur die Zähne zusammen und folgte ihr. Ein paar Meter weiter bog Michaela in einen Seitenweg ein, fuhr um eine Biegung – und plötzlich ragte ein altes Gemäuer vor ihnen auf, wie aus dem Nichts erschienen. Eine verfallene Villa, im toskanischen Landhausstil gebaut, fristete hier mitten im Wald ein verlorenes Dasein.

»Wow«, entfuhr es Amanda, »ein Märchenschloss!«

Michaela bemerkte: »Wir müssen um das Haus herum, um zu dem See zu gelangen.«

Sie stiegen ab und schoben ihre Räder den kleinen Trampelpfad entlang, der auf die Rückseite der Villa führte. Dort schloss sich an das Haus eine Riesenterrasse mit verschnörkelter Brüstung an, die einen herrlichen Blick auf das Tal bot, durch das sie geradelt waren.

»Was für eine Aussicht«, sagte Amanda begeistert.

Michaela lehnte ihr Fahrrad an die Brüstung, und Amanda tat es ihr gleich, bevor sie an den äußersten Punkt der Terrasse trat und den Blick über das Tal schweifen ließ. Gelb, beige und blassgrün erstreckten sich die Hügel vor ihnen wie ein Meer, und in der Ferne waren die winzigen Dächer und der Kirchturm von Castel Ritaldi zu sehen, dem Dorf, an dessen Rand Michaela wohnte. Amanda stand eine Weile in die Aussicht versunken, dann drehte sie sich um und bewunderte die Villa. »Wie kann man nur so etwas Schönes verfallen lassen?«

Michaela erzählte, was sie über das verfallene Gebäude wusste: »Es gibt keine lebenden Nachkommen der ehemaligen Eigentümer mehr. Ein Treuhänder verwaltet den Landsitz.«

»Kommt man da rein?« Neugierig spähte Amanda durch eine kaputte Fensterscheibe.

»Keine Ahnung. Ich habe es noch nie versucht.«

Zaghaft drückte Amanda die Klinke der doppelseitigen Tür hinunter. Sie schien abgeschlossen zu sein. Doch als Amanda sich etwas fester dagegenstemmte, gab die Tür nach.

Michaela konnte gar nicht genug davon bekommen, Amanda zu beobachten, wie sie die Dinge entdeckte und bestaunte. Unbeschwert, abenteuerlustig, mit einer gewissen Vorsicht, aber ohne Vorbehalte. Leise seufzte Michaela. In diesem Alter war sie auch noch ein bisschen verrückt gewesen. Mit den Jahren – und vor allem der Erfahrung – wurde man allerdings ruhiger. Vieles sah man plötzlich mit anderen Augen, dachte mehr darüber nach, was richtig und was falsch war, wog mehr ab. Die Risikobereitschaft war kleiner geworden. All das hatte Amanda noch vor sich.

»Möchten Sie nicht mitkommen?«, riss die Stimme der jungen Frau Michaela aus ihren Gedanken. Amanda war bereits durch die Tür getreten und streckte den Kopf noch einmal heraus, um sie auffordernd anzusehen.

Michela folgte ihr in einen großen Salon. Das Sonnenlicht flutete durch die geöffnete Tür herein, Fledermäuse flogen erschrocken davon. Es roch muffig. Staub und Spinnweben überall. Möbel waren nicht mehr vorhanden, aber ein detailreich verzierter, großer Kamin fiel sofort ins Auge.

Amanda nahm ihn näher in Augenschein. Sie wischte etwas Staub weg, um die fein gestalteten Dekorationen besser zu erkennen. Hingerissen sagte sie: »Es ist einfach zauberhaft hier.«

Dann setzte sie ihren Erkundungsgang fort, öffnete die nächste Tür und ging hindurch. Michaela hielt sich zurück. Skeptisch betrachtete sie das Deckengewölbe, von dem der Putz bröckelte. So ganz geheuer war es ihr hier in diesem baufälligen Gemäuer nicht.

Jenseits der Tür hörte sie, wie Amanda eine Treppe hinaufstieg. »Seien Sie vorsichtig, Amanda«, warnte sie und eilte ihr mit behutsamen Schritten nach. Als sie durch die Tür trat, sah sie Amanda gerade noch auf der Treppe um die Ecke verschwinden.

»Keine Angst«, hörte sie Amandas Stimme, »ich passe schon auf.«

Michaela beschloss, ihr zu glauben, und ging zum Kamin. Ein wirklich schönes Stück. Wenn alles sauber wäre und darin ein Feuer loderte, davor eine große Couch . . . Wie schön wäre es, darauf zu zweit zu sitzen, eng aneinandergekuschelt ins Feuer zu schauen und dabei ein Glas Wein zu trinken. Amanda würde das sicher auch gefallen.

Was hatte sie da eben gedacht? Aneinandergekuschelt . . . mit Amanda? Michaela musste sich eingestehen, dass sie in ihrer Vorstellung genau das gesehen hatte. Sie selbst zusammen mit Amanda auf der Couch. Und dieses Bild hatte ein unerwartet schönes Gefühl ausgelöst.

Amanda. Michaela strich mit ihren Fingern über die Stelle, wo Amanda den Staub weggewischt hatte. Sie rief sich die Bewegung von Amandas schmaler Hand in Erinnerung, stellte sich vor, wie diese Hand nicht über den Stein des Kaminsimses, sondern über ihre Haut strich. Ein wohliger Schauer rann ihr den Rücken hinunter.

Nein, sie konnte noch nicht an eine neue Frau denken. Jetzt noch nicht. Sie war noch keine zwei Wochen getrennt nach einer langjährigen Beziehung, die man nicht so einfach wegsteckte. Diese Verletzung musste Michaela erst einmal verarbeiten, bevor sie sich auf eine neue Beziehung einließ.

Aber wer redete denn hier von einer Beziehung? Daran war im Grunde überhaupt nicht zu denken. Im Gegenteil, sie wollte ihrem Leben ein Ende setzen, weil sie keine Zukunft mehr für sich sah.

Doch seltsamerweise regte sich ganz tief in ihrem Innern Interesse für Amanda, Interesse und Neugier. Obwohl Amanda nur halb so alt war wie sie selbst.

»Sind Sie auch seinem Zauber erlegen?«

Erschrocken fuhr Michaela herum. Sie hatte Amanda nicht zurückkommen hören. Nun stand sie direkt hinter ihr.

»Dieser Kamin weiß bestimmt so manche Geschichte zu erzählen«, sagte Michaela und sah Amanda dabei in die Augen. Dieses Blau, so hell und klar wie das Meer. Michaela hätte darin versinken können. Nur widerwillig riss sie sich davon los.

Amanda griff nach ihrer Hand. »Die obere Etage müssen Sie sehen«, schwärmte sie. »Dieses Haus ist wie ein Prinzessinnenschloss.« Sie zog an Michaelas Hand, wollte sie mit sich führen.

Michaela hielt dagegen. Plötzlich hatte sie Angst vor den Gefühlen, die dieses Haus in ihr auszulösen schien. »Ein andermal vielleicht«, wich sie aus. »Wir sollten jetzt lieber wieder hinausgehen . . .« Sie stockte. Ein andermal vielleicht? Was sollte denn das schon wieder heißen? Es würde kein anderes Mal geben. Schon bald, morgen oder übermorgen, würde sie Amanda nach Hause fahren und sie dann nie mehr wiedersehen.

ENDE DER FORTSETZUNG

Teil 03

»Haben Sie keine Familie in Deutschland, die Ihnen helfen kann?«

»Auf mich wartet niemand«, murmelte Amanda. Es klang leer und trostlos. »Aber zumindest fühle ich mich in Deutschland wohler als hier in Italien. Da gehöre ich hin. Irgendwann bin ich wieder zu Hause.«

Die letzten Worte klangen schon zuversichtlicher. Amanda hatte zumindest ein Ziel vor Augen, einen Ort, an den sie gehörte. Michaela sah keine Zukunft mehr für sich und keine Heimat in der Welt. Sie stand am Abgrund. Hatte alles auf Susi gesetzt und verloren. Sie hatte Susi vergöttert, in den Himmel gehoben – und jetzt hatte diese Frau sie mit Füßen getreten.

»Noch ein Glas Wein?«, fragte sie, um sich nicht in diesen düsteren Gedanken zu verlieren.

Amanda nickte. Sie gingen mit ihren Gläsern nach draußen und setzten sich auf die Terrasse, die sich gleich an die Küche anschloss. Michaela zündete die vier Laternen an, die die Sitzgruppe begrenzten. Im sanften Schein der Kerzen schauten sie schweigend in den klaren Sternenhimmel, jede ihren Gedanken nachhängend, und nippten ab und zu an ihrem Wein. Zwei einsame Seelen, an die diese laue Nacht, die alles an Romantik bot, was man sich nur wünschen konnte, vollkommen verschwendet war.

Kurz vor Mitternacht sagte Michaela: »Zeit zum Schlafen. Ich richte Ihnen noch rasch das Gästezimmer her.«

Amanda folgte ihr in den ersten Stock und sah sich interessiert im Zimmer um. Schnell hatte Michaela das Bett bezogen und legte Amanda frische Handtücher und ein Nachthemd hin. »Das Bad hier haben Sie für sich.« Sie öffnete die Seitentür dorthin.

»Michaela?«

»Ja?«

Amanda trat auf sie zu, schlang ihr die Arme um den Hals und drückte sie herzlich. »Danke«, sagte sie leise an ihrem Ohr.

Zögernd legte Michaela die Hände an Amandas Hüften. Für einen kleinen Moment ließ sie sich hineinfallen in ihre Nähe, ihre Dankbarkeit. Dann schob sie Amanda sanft von sich weg. »Gute Nacht«, wünschte sie ihr mit brüchiger Stimme. »Schlafen Sie gut.«

Unsicheren Schrittes verließ Michaela das Zimmer, verfolgt von Amandas »Gute Nacht!« Mit zitternder Hand schloss sie die Tür hinter sich und ging in ihr eigenes Schlafzimmer.

Wie schon die letzten Nächte kam sie sich in dem großen Bett verloren vor. Das Moskitonetz wirkte plötzlich wie ein Gefängnis. Durch das offene Fenster hörte sie die Grillen zirpen. Es war warm. Schweißgebadet wälzte sie sich hin und her, ohne Schlaf zu finden.

Nach zwei Stunden stand sie auf, trat auf den Balkon hinaus und schaute in die vom Mond silbrig erhellte Nacht. Der Garten lag friedlich zu ihren Füßen, alles war ruhig, nur die Grillen spielten weiter ihr endloses Lied. Auch hier draußen war es warm, aber wenigstens bot ein kleines Lüftchen etwas Erfrischung.

Eine Bewegung zu ihrer Linken ließ sie aufmerksam werden – in dem Teil des Hauses, der sich im rechten Winkel an das Haupthaus anschloss. Dort lag das Gästezimmer. An dem mannshohen Fenster sah sie Amanda stehen. Das Mondlicht schien auf ihren nackten Körper und färbte ihn blau, nur ein Slip bedeckte ihre Scham.

Ihre Augen begegneten sich im fahlen Licht. Das Weiß von Amandas Augen ließ Michaela jedenfalls erahnen, dass auch diese sie ansah. Sie versanken in der Gegenwart der anderen. Michaela fühlte sich Amanda in diesem Moment verbunden, obwohl sie sie nicht kannte, kaum etwas von ihr wusste. Sie hatte den Eindruck, ihre Blicke verschmolzen miteinander, hielten sich fest. Ein kurzes Glitzern funkelte in Amandas Augen, und Michaela wusste, dass es Tränen waren.

Dann trat Amanda zurück, verschwand in der Dunkelheit ihres Zimmers. Michaela verweilte noch einige Minuten auf dem Balkon, doch sie bekam Amanda nicht noch einmal zu Gesicht.

Sie wusste nicht, dass die junge Frau im Schatten an der Wand verborgen stand und jede von Michaelas Bewegungen verfolgen konnte. In Amandas Herz hatte sich eine Tür geöffnet, durch die sie bisher noch nie gegangen war.

Erst als Michaela vom Balkon verschwand, ging auch Amanda wieder in ihr Bett, begleitet von ihrem heftig pochenden Herzen.

5

»Nanu? So früh schon wach? Guten Morgen.«

Michaela war überrascht, Amanda bereits in der Küche anzutreffen. Die junge Frau war dabei, Geschirr auf die Terrasse zu tragen und den Tisch zu decken. Der Kaffee zischte gerade durch die Espressomaschine und verbreitete einen aromatischen Duft.

»Die Sonne hat mich beizeiten aus dem Bett gekitzelt«, erklärte Amanda lächelnd. »Einen solch schönen Tag wollte ich nicht verschlafen. Ich hoffe, Sie nehmen es mir nicht übel, dass ich das Frühstück schon zubereitet habe.«

Michaela schüttelte lächelnd den Kopf. Es war zwar ungewohnt, dass eine Fremde in ihrer Küche hantierte, aber es war nicht unangenehm, dass sie es so tat, als fühle sie sich hier zu Hause. Michaela hatte nichts dagegen einzuwenden.

Unter den warmen Strahlen der Sonne frühstückten sie ohne Eile und ohne viel zu reden. Ein Hauch von Wehmut erfüllte Michaela dabei: Nachher würde sie Amanda nach Hause fahren, und sie selbst würde wieder allein sein. Der Zauber der Nacht war vorbei.

Eine Stunde dauerte das Frühstück. So lange hatte Michaela noch nie dafür gebraucht. Jetzt war sie froh darüber, zögerte es Amandas Aufbruch doch noch ein wenig hinaus.

»Ist es unhöflich, wenn ich frage, was Sie heute vorhaben?«, erkundigte sich Amanda irgendwann und sah sie mit kindlicher Unschuld an.

»Eigentlich nichts Besonderes«, antwortete Michaela. »Außer dass ich Ihnen versprochen habe, Sie nach Hause zu fahren.«

Traurigkeit legte sich wie ein Schatten über Amandas Gesicht. Leise sagte sie: »Es ist sehr schön hier. Ich würde das gern noch ein bisschen genießen, sofern ich Ihnen nicht zur Last falle.«

Michaelas Herz machte einen kleinen Freudensprung. »Das tun Sie nicht. Im Gegenteil. Ich würde mich freuen, wenn Sie noch eine Weile mein Gast sind.«

Amanda legte ihre Hand auf Michaelas und umschloss sie sanft. »Danke«, flüsterte sie.

Ein warmes Kribbeln breitete sich in Michaelas Hand aus und erfasste sie am ganzen Körper. Sie war nicht in der Lage, die Hand wegzuziehen. Es war so schön, dieses Gefühl. Nie hätte sie damit gerechnet, so etwas überhaupt noch empfinden zu können.

Als Amanda ihre Hand wegnahm, wurde Michaela richtig kalt. Sie wünschte sich, Amanda würde sie erneut berühren. Es tat so gut, dass es fast wehtat, wenn der Kontakt aufhörte.

Um sich nichts anmerken zu lassen, sagte sie: »Wenn Sie mögen, können wir eine Radtour machen. Ich kann Ihnen ein paar schöne Flecken Umbriens zeigen.«

Die Begeisterung stand Amanda deutlich ins Gesicht geschrieben. Doch plötzlich zog sie die Augenbrauen zusammen. »Ich fürchte, das geht nicht.«

»Warum?«

»Ich bin noch nie in Lederrock und High Heels Rad gefahren. Da sind meine Weichteile morgen bestimmt auch aus Leder.«

Michaela musste lachen – zum ersten Mal seit der Trennung von Susi. Amandas manchmal kindliche Direktheit brachte sie auf andere Gedanken. Das war eine gute Medizin, es wirkte befreiend. »Ich finde sicher etwas Passendes für Sie zum Anziehen«, meinte sie und stand auf, um Amanda einige Kleidungsstücke zur Auswahl herauszusuchen.

Amanda entschied sich für eine Kniehose und ein Trägertop. Ein Paar Turnschuhe fand sich ebenfalls. Lachend drehte sie sich in ihrem geliehenen Outfit vor Manuela im Kreis: »Kann ich so fahren?«

Michaela nickte schmunzelnd. Die legere Kleidung stand Amanda gut, sie wirkte nicht so . . . obszön wie die, die sie bisher getragen hatte.

Als sie die Räder aus dem Schuppen holte, überkam Michaela eine Welle von Trauer: Das eine war Susis Fahrrad. Nur mit Mühe konnte sie die Tränen unterdrücken. Sie zögerte kurz, dann gab sie es Amanda.

Die schien Michaelas Regung bemerkt zu haben. Sie sah sie fragend und mitfühlend an, sagte aber nichts.

Nachdem sie ihre Wasserflaschen an den Rädern verstaut und die Luft auf den Reifen geprüft hatten, fuhren sie los. Michaela schlug den Weg ein, der von Castel Ritaldi weg in die Berge führte. Je weiter sie sich vom Ort und den umgebenden Bauerhöfen entfernten, umso holpriger wurden die Wege, die hier in erster Linie für den landwirtschaftlichen Verkehr gedacht waren. Sie radelten über sanft geschwungene Hügel, vorbei an goldenen Kornfeldern, Olivenhainen und großflächigen Weiden, auf denen sich ein paar einzelne Rinder verloren.

Teil 02

»Ja, das ist der Nachteil hier auf dem Land. Es ist meilenweit nichts. Wo kommen Sie her?«

»Ich bin aus Terni und muss zu einem Meeting nach Cortona. Aber bevor ein Taxi hier ist und ich bei dem Meeting bin, ist alles schon vorbei.« Sie kicherte in sich hinein.

Michaela betrachtete die Fremde eingehend. Zu was für einem Meeting ging man wohl heutzutage in durchsichtiger Bluse, ledernem Minirock und High Heels?

»Könnte ich bitte noch Ihre Toilette benutzen, bevor ich gehe?«, erkundigte sich die Frau.

Auch das noch . . . Das Bad im Erdgeschoss war voller schmutziger Wäsche und sah chaotisch aus. Aber Michaela konnte sie wohl schlecht hinter die Büsche im Garten schicken. »Die Treppe rauf und gleich die erste Tür rechts.«

Die Fremde ging hinauf und verschwand im Bad. Schlagartig fiel Michaela ein, dass sie dort das leere Glas hatte stehen lassen, in dem sie vorhin die Tabletten aufgelöst hatte. Wenn die Fremde das nun fand . . .

Und wenn schon. Es machte keinen Unterschied.

Sie hörte die Frau die Treppe herunterkommen. »Was bin ich Ihnen schuldig?«, fragte sie Michaela mit prüfendem Blick, als sie die Küche wieder betrat.

»Ist schon in Ordnung«, winkte Michaela ab und begann den Geschirrspüler auszuräumen, nur um beschäftigt zu erscheinen. Sie wollte allein sein.

Die Fremde blieb jedoch in der Tür stehen und schien es nicht eilig zu haben, zu gehen. »Kann ich etwas für Sie tun?«, fragte sie.

Erstaunt richtete sich Michaela auf und drehte sich zu ihr herum. »Wie kommen Sie denn darauf?«

»Nun, ich dachte . . . ach, nichts. Ich gehe dann besser. Vielen Dank für alles. Auf Wiedersehen.«

Die Fremde verabschiedete sich mit einem Händedruck, der etwas länger anhielt, als es eigentlich üblich war. Oder bildete Michaela sich das nur ein? Die Wärme ihrer Hand fühlte sich jedenfalls angenehm an, und Michaela tat nichts, um ihrerseits die Verabschiedung zu beschleunigen.

Sie begleitete die Fremde zur Tür und sah ihr nach, wie sie den Kiesweg zum Gartentor hinausging und sich draußen auf der staubigen Landstraße Richtung Stadt wandte. Einem Impuls folgend, setzte sie sich ebenfalls in Bewegung und lief ihr nach. »Sie wollen nicht wirklich zu Fuß in die Stadt?«

Die Fremde blieb stehen und drehte sich um. »Mir bleibt nichts anderes übrig. Für ein Taxi reicht mein Geld leider nicht. Vielleicht nimmt mich jemand per Anhalter mit.«

Michaela war bei ihr angelangt. »In einer halben Stunde ist es stockdunkel«, sagte sie. »Hier draußen sehen Sie dann die Hand vor Augen nicht mehr. Die Straße ist nicht beleuchtet, und es ist gefährlich, allein als Frau hier durch die Gegend zu spazieren. Sie können bei mir übernachten, wenn Sie möchten, und morgen fahre ich Sie mit meinem Auto in die Stadt. Heute geht es leider nicht mehr, ich habe vorhin zwei Gläser Wein getrunken.« Es war mehr als eine Flasche gewesen, die Michaela im Laufe des Nachmittags geleert hatte, aber das musste sie der Fremden ja nicht unbedingt auf die Nase binden.

Die sah sie unschlüssig an und sagte schließlich verlegen: »Ich möchte Ihnen keine Umstände bereiten.«

»Tun Sie nicht. Mein Haus ist groß genug, da ist auch Platz für zwei. Kommen Sie.« Michaela hakte sie am Arm unter, und sie gingen zum Haus zurück.

»Ich heiße übrigens Amanda«, stellte sich die Fremde vor, als sie die Tür wieder erreichten.

»Michaela.«

Vielleicht war es gut so, ein wenig Gesellschaft zu haben. Das gab Michaelas Vorhaben einen kleinen Aufschub.

4

Während Michaela die Spaghetti im Topf rührte und die Meeresfrüchte im Wok wendete, rieb Amanda den Parmesankäse.

»Wieso haben Sie eigentlich nicht die Autobahn nach Cortona genommen?«, wollte Michaela wissen. »Das wäre doch der schnellste Weg von Terni aus gewesen.«

»Eben aus dem Grund, der dann auch eingetreten ist. Mein Auto ist nicht mehr das jüngste. Es klappert an allen Ecken und Enden und fällt bald auseinander. Damit möchte ich nicht unbedingt auf der Autobahn liegenbleiben. Ich hatte befürchtet, dass es irgendwann passieren wird, nur habe ich nicht heute damit gerechnet.«

»Wo steht Ihr Auto?«, fragte Michaela weiter.

»Irgendwo auf einem Feldweg zwischen den Olivenhainen, etwa zwei Kilometer von hier. Ich dachte, ich könnte eine Abkürzung nehmen, und irgendwie habe ich mich wohl verfahren. Bin einfach losgelaufen, als nichts mehr ging, und Ihr Haus war das Erste, worauf ich stieß. Bis Castel Ritaldi ist es wohl noch ein Stück?«

»Eine Viertelstunde mit dem Rad.« Michaela goss die Spaghetti ab, gab noch etwas Olivenöl in den Wok und schwenkte dann Nudeln und Meeresfrüchte zusammen darin. Anschließend servierte sie davon zwei Portionen auf dem eichenen Küchentisch, schenkte Weißwein in zwei Gläser, stellte Mineralwasser dazu und setzte sich Amanda gegenüber. »Oder wäre Ihnen Bier lieber?«, erkundigte sie sich.

»Nein, der Wein ist völlig okay. Danke.«

»Na dann, guten Appetit und zum Wohl.«

»Guten Appetit«, prostete Amanda zurück. In scharfem Kontrast zu ihrem aufreizenden Äußeren wirkte sie jetzt sehr zurückhaltend, fast unsicher.

Aufmerksam beobachtete Michaela die junge Frau, während sie die Spaghetti verzehrten. Amanda trug ihr langes, blondes Haar offen, es legte sich fließend und weich um ihre Schultern. Hin und wieder begegnete Michaela einem Blick aus großen, tiefblauen Augen, die absolut unschuldig wirkten.

Sie ist halb so alt wie ich, dachte Michaela. Sie könnte meine Tochter sein.

Ein leiser Seufzer entrang sich ihrer Brust. Sie hatte nie Kinder gewollt. Aber jetzt ertappte sie sich bei dem Gedanken, dass sie vielleicht eines hätten adoptieren sollen, Susi und sie. Dann wäre Michaela jetzt nicht ganz allein.

»Wohnen Sie allein hier?«, brach Amanda das Schweigen. Sie schien Michaelas Gedanken gelesen zu haben.

Michaela räusperte sich kurz. Sollte sie Amanda von Susi erzählen? Morgen würde Amanda wieder nach Terni zurückkehren, und sie würden einander nie wiedersehen. Es war also völlig egal, was Amanda von ihr wusste. Und bald würde es sowieso vorbei sein. Das war jetzt nur noch eine Henkersmahlzeit.

»Meine Partnerin hat sich von mir getrennt. Bis vor kurzem hat sie noch die meiste Zeit mit hier gewohnt. Momentan lebe ich allein in diesem Haus.« Bis morgen noch, dann setze ich dem ein Ende. Nach mir die Sintflut. Michaela sah Amanda gefasst an.

Die blickte etwas zweifelnd zurück. »Haben Sie keine Angst, überfallen zu werden? Die Gegend hier ist ja wirklich sehr einsam . . .«

»Darüber habe ich mir bisher noch nicht weiter Gedanken gemacht.«

Nachdenklich drehte Amanda ihr Weinglas in der Hand. »Ist es nicht seltsam«, sinnierte sie, »dass ich bei meiner Panne ausgerechnet auf eine Landesgenossin treffe? Ich meine, so viele Deutsche sind sicher nicht hier in Umbrien angesiedelt.«

Michaela lächelte warm. »Das stimmt. Ich bin vor zehn Jahren nach Italien gekommen, beruflich. Dabei habe ich hier dieses alte Haus entdeckt und mich sofort verliebt. Es stand zum Verkauf, ziemlich günstig, so verfallen, wie es war. Ich habe es restauriert und dabei Susi kennengelernt . . . So mancher kleine Landsitz liegt verlassen hier in den Olivenhainen.« Michaela schaute verträumt in ihr Weinglas.

»Was machen Sie denn beruflich?«, kam es von Amanda.

»Ich arbeite an verschiedenen sozialen Projekten, EU-weit. Und Sie? Was hat Sie nach Italien verschlagen?«

Amanda antwortete nicht sofort. Ein Schatten legte sich über ihre Augen. »Mein Freund hat mich mit nach Italien genommen. Er ist Italiener und war in Deutschland auf Geschäftsreise, als wir uns kennenlernten. Ich habe mich Hals über Kopf in ihn verliebt und bin mit ihm gegangen. Hier hat er dann sein wahres Gesicht gezeigt und ist gewalttätig geworden. Ich habe mich von ihm getrennt. Jetzt versuche ich, mich mit kleinen Jobs über Wasser zu halten und mir ein paar Euro zur Seite zu legen, um irgendwann wieder in die Heimat zurückkehren zu können.«

Teil 01

1

Es hat keinen Sinn mehr. Wir beide passen einfach nicht zusammen. Leb wohl.

Die SMS traf Michaela völlig unvorbereitet. Sollte das ein Scherz sein? War diese Nachricht etwa fehlgeleitet worden?

Sofort rief sie Susi zurück. Doch die Mailbox ging ran. Susi hatte ihr Handy aus. Eine dunkle Angst stieg in Michaela hoch. Meinte Susi das tatsächlich ernst? Sie war doch erst vor einer Stunde weggefahren, um noch ein paar Kleinigkeiten einzukaufen.

Michaela hatte sich auf das Wochenende gefreut. Endlich mal wieder nur sie beide. Und jetzt kam plötzlich solch eine SMS? Nein, die war ganz sicher nicht für sie bestimmt gewesen. Entschieden drückte Michaela die Wahlwiederholung, aber wieder meldete sich nur die Mailbox.

Ihr Herz begann zu rasen. Es durfte nicht wahr sein!

Kurzentschlossen ließ Michaela ihre Einkäufe aus den Händen fallen, griff hastig nach ihrem Autoschlüssel und fuhr nach Terni, der nächsten größeren Stadt, wo Susi wohnte. Deren Auto stand nicht vor dem Haus wie sonst, und auf Michaelas Klingeln an der Wohnungstür öffnete auch niemand.

Während Michaela noch fassungslos vor der Tür stand, kam eine Nachbarin die Treppe hoch. Sie erkannte Michaela und grüßte freundlich.

»Haben Sie vielleicht Susi gesehen?«, fragte Michaela mit bebender Stimme.

»Ja. Die ist vor einer Stunde mit einer Reisetasche weggefahren.« Die Frau sah sie überrascht an. »Ist sie nicht bei Ihnen?«

Michaela schüttelte den Kopf. Ihr wurde schwindlig, sie musste sich am Treppengeländer festhalten.

»Ist Ihnen nicht gut?«, erkundigte sich die Nachbarin besorgt.

»Danke . . . Es geht schon. Auf Wiedersehen.«

Michaela wollte nur noch weg. Sie setzte sich ins Auto, schlug die Tür zu, lehnte den Kopf zurück, schloss die Augen.

Susi meinte es ernst. Sie hatte tatsächlich Schluss gemacht. Völlig unerwartet. Wieso? Es lief doch gut zwischen ihnen beiden. Das gab es nicht. Es musste ein Alptraum sein.

Sie musste mit jemandem sprechen. Aber mit wem?

Lukas. Susis bester Kumpel. Michaela wählte seine Nummer.

»Hallo, Lukas, ich bin’s. Hast du eine Ahnung, wo Susi steckt? Ich kann sie nicht erreichen.«

Lukas räusperte sich, druckste herum, bevor er mit der Antwort herausrückte: »Sie ist übers Wochenende zu Lea nach Perugia gefahren.«

Michaela war, als reiße ihr jemand die Beine weg, und sie krache mit voller Wucht zu Boden. Sie schluckte mühsam. »Sie hat eben per SMS mit mir Schluss gemacht . . .«

Erneut zögerte Lukas. »Ja«, gab er schließlich verlegen zu, »sie hat so etwas gesagt.«

Er wusste Bescheid. Alle wussten Bescheid. Die Spatzen pfiffen es von den Dächern. Nur Michaela hatte nichts mitbekommen. Diese Lea, zu der Susi gefahren war, kannte sie schon seit einem Jahr. Manchmal hatte Michaela schon den Verdacht gehabt, dass zwischen den beiden etwas laufen könnte. Aber jedes Mal, wenn sie Susi darauf angesprochen hatte, konnte Susi jegliche Bedenken überzeugend ausräumen. Außerdem – Michaela vertraute Susi. Also glaubte sie ihr.

Und nun stellte sich heraus, dass sie die ganze Zeit recht gehabt hatte. Dass Susi sie nach Strich und Faden hintergangen hatte. Doch jetzt war es zu spät. Susi war weg, hatte nicht mal den Mumm gehabt, ihr ins Gesicht zu sagen, dass es aus war. Sie hatte sich einfach feige mit einer SMS aus der Affäre gezogen und bei Nacht und Nebel davongemacht.

Michaela wurde es schwarz vor Augen. Mit zitternden Händen kramte sie die Wasserflasche aus dem Staufach ihrer Fahrertür und trank einen großen Schluck. Bloß nicht umkippen!

Sie zwang sich zu einem zweiten Schluck. Atmete ein paarmal tief durch. Allmählich regulierte sich ihr Kreislauf wieder.

Wie sie wieder nach Hause gekommen war, wusste sie später nicht mehr. Sie fiel auf die Couch, und die Stille um sie herum erdrückte sie. Ein nicht enden wollender Weinkrampf brach aus ihr heraus.

2

Nächtelang hatte sie kein Auge zugetan. Ständig flossen neue Tränen. Verzweifelt hatte sie mehrere SMS an Susi geschrieben, nach dem Wieso und Warum gefragt, doch es kam keine Antwort.

Verquollene Augen blickten Michaela nun im Spiegel entgegen. Sie schien innerhalb weniger Tage um fünf Jahre gealtert. Eigentlich begann sie doch jetzt mit ihren vierzig plus gerade erst interessant zu werden. Die Frau, die sie im Spiegel sah, war aber ein einziges Wrack. Wieder bahnten sich die Tränen ihren Weg.

So, wie sie aussah, konnte sie unmöglich ins Freie gehen.

Was sollte sie nur tun? Man war nie darauf vorbereitet, wenn das ganze Leben auf einmal wie ein Kartenhaus zusammenbrach. Sie hatte sich in einer glücklichen Beziehung geglaubt, aber diese war ohne Vorwarnung zu Ende gegangen. Plötzlich stand sie allein da, verlassen und einsam. Nicht einmal ihre beste Freundin Heike in Deutschland konnte sie anrufen, die war in Urlaub auf Teneriffa.

Erschüttert hatte sie festgestellt, dass sie niemanden hatte, mit dem sie reden und sich ausweinen konnte. All die letzten Jahre war sie darauf bedacht gewesen, jede freie Minute mit Susi zu verbringen, und hatte dabei ihre alten Freunde mehr und mehr vernachlässigt. Da konnte sie doch jetzt nicht plötzlich ankommen und Hilfe von ihnen erwarten.

Eine Woche war vergangen seit der schrecklichen SMS. Eine endlos lange, von ständigen Tränenausbrüchen begleitete Woche. Susi hatte sich nur noch einmal kurz gemeldet und geschrieben, dass es keinen Zweck mehr habe. Ihre Entscheidung sei gefallen, und sie hole ihre Sachen später ab.

Auf einer einsamen Insel ausgesetzt zu sein, hätte nicht schlimmer sein können. Nichts war jetzt noch irgendetwas wert, nichts hatte noch eine Bedeutung, nichts hatte mehr Sinn. Die letzten Tage waren leer und lang gewesen, und so würde es auch in Zukunft sein. Michaela sah inzwischen regelrecht ausgemergelt aus, da sie keinen Bissen hinunterbrachte und schon einige Kilo abgenommen hatte. Eingefallene Augen, dunkle Augenringe, hohle Wangen, das Haar in wirren Strähnen um den Kopf. Die Kleidung schien eine Größe zu groß, sie hing schlackernd um ihren Körper. Als würde Michaela einfach immer weniger, um irgendwann ganz zu verschwinden.

Es würde kein Zurück mehr geben. Es war vorbei.

Also konnte sie das Ganze ebenso gut beschleunigen.

Unerwartet ruhig drückte sie alle Schlaftabletten aus der Blisterpackung und löste sie in einem Glas Wasser auf. Ein letzter Blick in den Spiegel. Ein Bild des Schreckens. Dann setzte sie das Glas an die Lippen.

3

Die Türklingel läutete.

Susi! Kam sie etwa zurück?

Hastig schüttete Michaela das Glas mit der milchigen Flüssigkeit in den Ausguss. Ihr Herz klopfte erwartungsvoll. Sie kämmte sich rasch und rannte freudig die Treppe hinunter.

Doch als sie die Tür öffnete, stand ihr eine fremde junge Frau gegenüber. Schlagartig starb ihre Hoffnung.

»Entschuldigen Sie bitte«, sagte die Fremde in ungelenkem Italienisch, aus dem Michaela den deutschen Akzent deutlich heraushörte. »Ich habe mit meinem Auto eine Panne, und der Akku meines Handys ist leer. Könnte ich bitte Ihr Telefon benutzen?«

Fast automatisch ließ Michaela die Frau eintreten. Sie musste Anfang zwanzig sein. Mit einer Handbewegung deutete Michaela zum Telefon, das auf einer kleinen Anrichte stand, und sagte auf Deutsch: »Bitte. Das Telefonbuch liegt gleich in dem Fach darunter.«

Die Augen der Fremden hatten aufgeleuchtet, als Michaela in ihrer Muttersprache antwortete. Sie bedankte sich, und Michaela ging in die Küche, während die Frau telefonierte. Sie bemühte sich, an nichts zu denken. In wenigen Minuten würde die Fremde wieder weg sein, und dann konnte sie beenden, was sie angefangen hatte.

Die junge Frau musste ihr Telefonat beendet haben, denn draußen auf dem Vorplatz war es still. Auf einmal stand sie in der Küchentür. Michaela straffte sich.

»Konnten Sie jemand erreichen?«, fragte sie, bemüht, sich die Niedergeschlagenheit nicht anmerken zu lassen.

Mit einem resignierten Schulterzucken antwortete die Fremde: »Meine Werkstatt kann den Wagen leider erst am Montag abschleppen, und hier in der Umgebung war niemand zu finden, der mir helfen könnte. Alle haben geschlossen.«

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