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Heterophob

Jetzt ist es amtlich: Wir sind heterophob.  Wirklich wahr. Eine Frau, die uns eine extrem homophobe Geschichte geschickt hatte, schrieb uns das, nachdem wir ihre Geschichte aus dem Grund, dass sie eben einfach nicht lesbisch ist, abgelehnt hatten.

Dass sie in ihrer Geschichte von „Schwänzen“ schwärmt und die Männlichkeit ihres transsexuellen Sexpartners in jedem Satz betont und diese Geschichte dann an einen lesbischen Verlag schickt, fand sie nicht besonders störend oder merkwürdig, aber dass wir uns darauf beschränken, nur lesbische Geschichten zu veröffentlichen, schon. Wenn man hetero ist, sieht man die Welt wohl so. Ich lasse mich aber auch gern eines Besseren belehren.

Es ist wirklich erstaunlich. Sie hat sich weder die Mühe gemacht, unser Programm anzuschauen noch unser Konzept, aber „eine Freundin hat gemeint, sie sollte die Geschichte mal an uns schicken“. Was für eine Freundin mag das wohl sein? Und wie kommt sie auf den Gedanken, dass eine Geschichte, in der ein Mann und eine Frau miteinander schlafen (auch wenn der Mann (noch) weibliche Geschlechtsteile hat, weil er transsexuell ist), für uns geeignet sein könnte?

Wahrscheinlich deshalb, weil kein Penis mit im Spiel ist. Dennoch ist das reiner Heterosex, was die beiden da machen, schließlich kann auch ein Mann eine Frau lecken, das ist ja nicht verboten unter Heteros. Ebenso bezieht sie sich während der ganzen Geschichte auf die andere Person als „er“, was ja auch richtig ist. Schließlich kann der transsexuelle Mann nichts dafür, dass er in einem Frauenkörper geboren wurde.

Sie hat uns dann natürlich nicht nur vorgeworfen, dass wir „heterofeindlich“ sind, sondern auch, dass wir Transsexuelle nicht akzeptieren. So ein Quatsch. Hätte sie uns eine Geschichte mit einer Lesbe geschickt, die von einer Frau angesprochen wird, die sehr androgyn wirkt und bei der sich dann beim Sex herausstellt, dass es eine Frau ist, die in einem Männerkörper geboren wurde, hätte man diese Geschichte durchaus als lesbisch bezeichnen können. Selbst wenn da noch männliche Geschlechtsteile im Spiel gewesen wären.

Aber umgekehrt doch nicht. Das ist einfach Heterosex. Das hat sie aber überhaupt nicht begriffen. Sie, als Heterofrau, findet es eben etwas Besonderes, mit einem Mann zu schlafen, der eine Vagina hat. Für uns ist aber das Entscheidende nicht die Vagina, sondern dass es ein Mann ist. Ein Mann, der auf Frauen steht. Ein Heteromann. Bei der oben skizzierten umgekehrten Geschichte wäre es natürlich etwas anderes. Da wäre es dann Sex zwischen zwei Frauen. Und das ist unser Gebiet.

Sicherlich wäre es für die meisten Lesben – vor allem, wenn sie vorher nie mit einem Mann geschlafen haben – ein Problem, mit einer Frau schlafen zu wollen, die körperlich wie ein Mann gebaut ist. Aber das müsste dann jede Lesbe in der Situation entscheiden, ob sie das will.

Für diese Heterofrau, die uns die Geschichte geschickt hatte, war es aber eben umgekehrt. Sie fand es aufregend, mit einem Mann zu schlafen, der wie eine Frau gebaut ist. Etwas Außergewöhnliches. Etwas, das sie normalerweise nicht tun würde. Und sie hat nicht begriffen, was der Unterschied ist. Vagina ist doch Vagina, oder nicht? So ungefähr hörte sie sich an.

Aber wenn man in einer heterosexuellen Welt lebt, erscheint einem das wahrscheinlich logisch. Für uns, die wir jeden Tag mit anderen Dingen konfrontiert werden, klingt es eher lustig, dass jemand so naiv sein kann.

Ich denke darüber nach, ein Buch herauszugeben. Titel: „Die Hetera - Das unbekannte Wesen“. Und dazu dann Band 2: „Die Lesbe - dito.“

Ob Heteras so was lesen würden? Wahrscheinlich nicht.

Ich bin absolut der Meinung, dass jeder so leben kann, wie er möchte. Heteros auch.  Aber sie sollen bitte uns auch so leben lassen, wie wir möchten.

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