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Liebesroman und Hochliteratur

Liebesroman und Hochliteratur – geht das überhaupt?

Ich denke, gewisse Themen, wie z.B. das weltweit für alle Menschen interessanteste und wichtigste Thema Liebe, werden grundsätzlich von Hochliteratur ausgeschlossen. Hochliteratur muss sich quälen. Hochliteratur lässt sich am besten auch den Helden oder die Heldin quälen. Hochliteratur geht besser nicht gut aus, sondern tragisch. Hochliteratur vermittelt dem Leser am besten kein gutes Gefühl beim Lesen, sondern Betroffenheit, Trauer, Depression und Langeweile.

Ich finde nicht, dass Hochliteratur so sein muss, aber dass sie es oft ist. Und wenn man ein Buch schreibt, das nicht so ist, wird es gern sogleich aus dem Canon ausgeschlossen bzw. gar nicht erst aufgenommen.

Ein verständliches Buch, das dem Leser/der Leserin ein gutes Gefühl beim Lesen vermittelt und vielleicht sogar noch gut ausgeht, kann doch nur trivial sein, oder nicht?

Und ja, ein solches Buch ist trivial, denn trivial heißt im Griechischen nichts anderes als „leicht zugänglich“. Es macht mir überhaupt nichts aus, wenn jemand meine Bücher trivial nennt. Im Gegenteil, wenn sie das sind, dann bin ich stolz darauf.

Wenn aber jemand meine Bücher „banal“ nennt, dann lehne ich das ab. Trivial, aber nicht banal, das nenne ich einen guten Roman.

In so einem Roman können tiefe Themen verarbeitet werden, wirklich wichtige Ansichten und Debatten, weltbewegende Erkenntnisse und tiefenpsychologische Überlegungen. Wenn ein Autor oder eine Autorin all diese Dinge so herüberbringt, dass sie, statt dem Leser quälende Überlegungen und ein halbes Universitätsstudium inkl. einer Enzyklopädia Britannica im Bücherschrank abzuverlangen, in den Geist des Lesers eindringen, dass der Leser versteht, was der Autor sagen will, dann ist es ein gutes Buch und dann kann es sogar Hochliteratur sein – selbst ein Liebesroman.

Abenteuerromane, Action und die heute so beliebten Mysteries usw. sind davon eher ausgeschlossen, weil dort der Fokus auf der Handlung liegt, nicht auf inneren Erkenntnissen, aber schon Science Fiction ist durchaus dazu geeignet, zur Hochliteratur zu werden. Visionen einer Zukunft mit tiefenpsychologischen Aspekten über die menschliche Natur, die menschliche Entwicklung (nicht die technische), soziale Interaktionen – all das ist von so tiefgreifender Bedeutung, dass es sicherlich oft das Gegenteil von banal darstellt.

Wenn es aber trivial ist, also leicht verständlich, und trotzdem tiefgründig, dann sollte der Autor oder die Autorin für den Literaturnobelpreis vorgeschlagen werden.

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  • Terry
  • Terry

    Triviale Liebesromane mit Happy-End und Literaturnobelpreis? Ein schöner Gedanke, der aber eher unrealistisch ist.

    Es ist kaum anzunehmen, dass die "Experten" triviale Literatur als hochwertig anerkennen würden, wo diese doch vom Otto-Normalverbraucher auch gelesen und - jetzt kommt's - verstanden werden kann.

    Früher habe ich mir gerne immer wieder mal die Lesungen zur intellektuellsten aller Casting-Shows angeschaut. Den Ingeborg Bachmann Preis. Oft habe ich das Gefühl gehabt, dass hier in einer fremden Sprache gesprochen wird. Aber ich habe es einfach spannend gefunden, was die Jury bei den einzelnen Texten verstanden hat, wie sie sie interpretiert hat. So lange bis ein Schweizer namens Urs Allemann für seinen Beitrag (den Titel will ich nicht nennen) einen Preis erhalten hat. Ab da habe ich zu glauben begonnen, dass die sogenannten Literaturexperten nicht mehr so wirklich in der Realität leben. Oder aber der Text war zu wenig trivial, als dass ich dessen tieferen Sinn und die darin vielleicht versteckte Provokation verstanden hätte.

    Obwohl - den Literaturnobelpreis soll ja erhalten, wer„das Vorzüglichste in idealistischer Richtung geschaffen hat“. Welches Ideal ist denn größer als die Liebe? Doch wohl keines. Aber wird ihr bei Preisverleihungen deshalb auch die nötige Beachtung geschenkt?

    Vielleicht könnte man argumentieren, dass es ja eigentlich sehr provokativ ist, wenn eine (Liebes-)Geschichte positiv endet. Schließlich muss der Gedanke doch ein Schock sein, dass das Leben durchaus auch schön sein kann. So gesehen ist es vielleicht doch nicht so abwegig und ein Liebesroman bzw. seine Autorin /sein Autor kommen auch für einen Preis in Frage.

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