Astrid Flint: LesbenLiebesRatgeber 2

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Lesbische Unterhaltung

»Ladies First«-Interview veröffentlicht auf der Webseite www.mon-boudoir.de
Journal - Autorinnen

Können Sie uns kurz etwas über sich selbst erzählen? Woher Sie stammen, Ihr Hintergrund/Aus­bildung, ihre Vorlieben und Abneigungen.

Geboren wurde ich in der Nähe von Köln und dort – in Köln – bin ich auch zum großen Teil zur Schule gegangen. Nach dem Abitur begann ich dort auch zu studieren, wechselte dann nach Bonn und später nach Konstanz an den Bodensee, wo ich mein Studium mit dem Schwerpunkt »Feministische Linguistik« zu Ende führte.
      Vorlieben. Hm. Das ist sehr allgemein. Auf Menschen bezogen würde ich sagen: Ich mag intelligente, humorvolle Menschen und den Umgang mit ihnen. Vor allen Dingen mag ich Menschen, die auch mal über sich selbst lachen können, sich selbst nicht zu ernst nehmen und nicht jedes Wort auf die Goldwaage legen, die nicht dogmatisch sind. Ich mag gutes Essen und gute Gespräche, gute Bücher und gute Filme.
      Bei Abneigungen gilt dasselbe umgekehrt. Ich hasse Langeweile, Borniertheit, Arroganz und Dogmatismus; Leute, die sich zu wichtig nehmen. Ich nehme mich selbst nicht allzu wichtig, und ich denke, das Leben ist zu kurz, um sich mit Überflüssigem wie Selbstverliebtheit oder Ideologie zu beschäftigen. Man sollte es einfach nur leben, seine Zeit für sinnvollere Dinge nutzen.

Wie kamen Sie dazu, Schriftstellerin zu werden?

Vermutlich war ich das schon immer. Ich schrieb bereits mit acht Jahren Gedichte, und Sprache, Lesen, Schreiben war immer wichtig für mich. Ich kann mir ein Leben ohne Bücher oder Lesen und Schreiben nicht vorstellen. Schon in der Schule schrieb ich sehr lange Aufsätze. Ein Deutschlehrer attestierte mir einmal einen ›brillanten Stil‹, was mir sehr schmeichelte. Dennoch wußte ich nicht so recht, was ich daraus machen sollte. Ich versuchte es zuerst einmal drei Jahre lang als Journalistin beim Kölner Stadtanzeiger, der größten Kölner Tageszeitung. Doch so ganz befriedigte mich das nicht. Auch das Germanistikstudium brachte mich da nicht weiter. Germanisten sind äußerst selbstverliebt. :-) Das gefiel mir nicht besonders.
      Ich wußte aber immer, daß ich schreiben kann, daß es ein Teil meines Lebens ist. Ich schrieb weiter. Essays, philosophische Abhandlungen, natürlich auch die an der Uni verlangten wissenschaftlichen Werke. Ich merkte, daß mir etwas fehlte, wußte aber nicht, was. Wenn ich mich mit anderen Leuten unterhielt, die auch schrieben, stellte ich immer mehr fest, daß man depressiv schreiben mußte, um dort anerkannt zu sein. Daß man möglichst unverständlich schreiben mußte, um als ›genial‹ oder ›großer Schriftsteller‹ zu gelten. Das gefiel mir nicht. Ich fand, daß ein gutes Buch nicht unbedingt unverständlich oder depressiv sein oder mit dem Tod des Helden oder der Heldin enden muß.
      Wenn ich so etwas erwähnte, wurde ich belächelt. Dann hieß es gleich: ›So etwas wäre ja Trivialliteratur!‹ Und Trivialliteratur – das war eindeutig – wollte niemand von diesen hochgeistigen Leuten schreiben. Das war unter ihrem Niveau. Ich sah das zu Beginn zwar ähnlich – was kannte ich schon an Trivialliteratur? An der Uni liest man nur ›hohe Literatur‹ –, aber irgendwie zog es mich auch zur Verständlichkeit, zu gut erzählten Geschichten hin. Mein Lieblingsbuch war seit meinem 11. Lebensjahr, als ich es zum ersten Mal gelesen hatte, ›Vom Winde verweht‹. Eine starke Frauenfigur, eine dramatische, spannende, epische Geschichte. Die Verwirrungen des amerikanischen Bürgerkrieges als Hintergrund, und eine großartige Liebesgeschichte im Vordergrund. Scarlett und Rhett. Ist denn eine solche Geschichte weniger wert als all die hochgeistigen Bücher, die uns an der Uni und in Literatenzirkeln zu Gemüte geführt werden? fragte ich mich. Ich konnte das damals zwar noch nicht so richtig entscheiden, aber wenn ich die Wahl hatte, las ich doch lieber Agatha Christie als irgendein verworrenes, ›hochgeistiges‹ Werk. Aber – ich muß zugeben – ich schämte mich dafür. Es war verpönt, so etwas zu mögen, und deshalb sprach ich kaum je darüber, daß ich es tat. Mir fehlte das Selbstbewußtsein, meine Meinung zu vertreten, vor allem, wenn alle anderen dagegen waren.
      Aber Agatha Christie faszinierte mich so sehr, daß ich dann sogar einen Teil meines Examens über sie ablegte. Ich wußte damals nicht so recht, was mich so sehr an ihr faszinierte; ich wußte nur, daß es so war. Ich denke, es war ihr weiblicher Blick, der ansonsten in der Literatur der damaligen Zeit eher selten war. Und trotz ihres weiblichen Blickes ist sie eben kein ›Weibchen‹; sie besitzt einen ausgesprochen scharfen, logischen Verstand. Es gibt kaum einen männlichen Schriftsteller – wahrscheinlich gar keinen – der es mit ihr an Logik aufnehmen kann. Und das ist schon etwas Besonderes. Auf der anderen Seite spielen aber auch immer Gefühle in ihren Romanen mit, und das, obwohl es Krimis sind. Diese Gefühle fehlen bei den männlichen Krimiautoren im Normalfall völlig. Ich denke, diese Mischung aus Verstand und Gefühl, die sich im Gleichgewicht hält, macht die Faszination von Agatha Christie aus und hat sie zur bekanntesten und berühmtesten Schriftstellerin des 20. Jahrhunderts gemacht.
      Ich für meinen Teil konnte mir aber nicht vorstellen, Krimis zu schreiben, auch wenn ich sie gerne las. Irgendwie lag mir das Genre spontan nicht so. Bei mir überwogen immer die Gefühle. Der Verstand war zwar auch ziemlich dominant, aber er konnte die Gefühle nie übertreffen. Somit wußte ich nicht so recht, was ich schreiben sollte – wenn ich es denn nicht nur für mich privat täte.
      Und da kamen in den 80er Jahren dann die ersten ›Frauenkrimis‹ auf den Markt, bei Ariadne. Alle Welt stürzte sich darauf – zumindest die Frauen –, und auch ich konnte mich ihrer Faszination nicht entziehen. Endlich einmal starke, weibliche Heldinnen mit Gefühl. Bei Agatha Christie schwang das Frauenleben nur so am Rande mit, hier wurde es zum Zentrum des Geschehens. Und doch gab es immer noch einen spannenden Krimi, ein Rätsel, das es zu lösen galt.
      Allerdings trat dieses bei den Frauenkrimis doch sehr in den Hintergrund im Vergleich zur Beschreibung des Alltags der Heldin, ihrer Probleme mit Männern und Kindern. Und es gab auch andere Frauenkrimis, nämlich die sogenannten ›Lesbenkrimis‹, in denen die Heldin eine lesbische Polizistin oder Privatdetektivin oder Privatperson war, die sich dann auch mal in eine Mandantin oder Verdächtige verlieben durfte. Meistens jedoch unglücklich. Nur selten ging das gut aus.
      Das ärgerte mich. Ich wollte endlich einmal ein lesbisches Buch lesen, in dem sich die Heldin nicht am Schluß umbringt oder in der Psychiatrie landet oder unglücklich auf ihre Liebe und ein erfülltes Leben verzichten muß. Das entsprach nicht meiner eigenen Erfahrung und auch nicht der vieler Frauen, die ich kannte.
      Da mich aber dieses Genre immer schon angezogen hatte, begonnen mit Agatha Christie und nun fortgesetzt mit Katherine Forrest und Claire McNab, begann ich, einen Krimi zu schreiben. Dachte ich jedenfalls. Da ich damals noch als Computerspezialistin in einem großen Unternehmen arbeitete, lag es nahe, den Krimi ›Computerspiele‹ zu nennen. Ich versuchte, den Spuren Agatha Christies zu folgen, aber es gelang mir nicht ganz. Die Liebesgeschichte drängte sich immer mehr in den Vordergrund. Und an einem Punkt tauchte eine Figur auf, die mich faszinierte: eine Prostituierte in den Straßen Kölns.
      Plötzlich konnte ich mich nicht mehr von der Idee lösen, mehr über sie herauszufinden. Ich wollte wissen, wie sie lebt, was sie tut, wie sie denkt, was sie fühlt. Also legte ich Computerspiele beiseite und begann ein neues Buch, das gleich mit einer sehr erotischen Szene mit einer Prostituierten begann – allerdings mit einer besonderen Prostituierten, einer für Frauen. Ich schrieb immer weiter, und die Geschichte, die zuerst noch keinen Namen hatte, faszinierte mich so sehr, daß das ziemlich lange Buch in wenigen Wochen beendet war. Es war mein erster veröffentlichter Roman Taxi nach Paris, der aufgrund seiner starken erotischen und romantischen Ausprägung zum Bestseller wurde und immer noch einer ist.
      Seither schreibe ich fast ununterbrochen und bringe jedes Jahr mindestens einen neuen Roman heraus.



 
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