Der Unsinn der neuen Rechtschreibung

Wie alle wissen, verwenden wir im el!es-Verlag ausschließlich die alte Rechtschreibung und haben uns nie der neuen angeschlossen, weil von Anfang an zu erkennen war, was für ein Unsinn das ist.

Interessanterweise haben das mittlerweile auch die Betreiber der »Reform« erkannt: »Die Kultusminister wissen längst, daß die Rechtschreibreform falsch war. Aus Gründen der Staatsräson ist sie nicht zurückgenommen worden«, sagte die Präsidentin der deutschen Kultusministerkonferenz bereits vor drei Jahren.

Warum werden dann Schüler und andere arme Menschen immer noch mit den falschen Schreibweisen gequält?

Wirklich nachvollziehbar ist das nicht, jedenfalls nicht aus logischen Gründen. Man hätte längst seinen Fehler eingestehen und reumütig zur alten Rechtschreibung zurückkehren müssen. Aber die, die diesen Scherbenhaufen angerichtet haben, wollen nicht zugeben, mit welcher Idiotie sie an die Sache herangegangen sind, und also wird der Scherbenhaufen immer größer.

Jeden Tag kommen neue Regeln hinzu, die teilweise dieselben sind wie die alten, teilweise noch schwachsinniger als die ersten neuen, teilweise gilt nun alt und neu gleichberechtigt nebeneinander, es gibt also kein wirkliches »richtig« oder »falsch« mehr. In manchen Fällen gibt es das aber doch. Die armen Kinder in der Schule müssen es ausbaden.

»Es gibt kein einziges zur Zeit in Benutzung befindliches Schulbuch oder Lehrmittel, das die zur Zeit geltende Doktrin vollständig bietet«, sagt der Schweizer Sprachwissenschaftler Stefan Stirnemann in einem Interview, und das heißt: Wenn ein Kind sich nach seinem eigenen Schulbuch richtet und nach dem, was es gelernt hat und täglich lernt, schreibt es auf jeden Fall falsch.

Tolle Situation. Ich bedauere alle Kinder, die in den letzten zwölf Jahren, seit der ersten Einführung der dummen, unüberlegten »Reform«, zur Schule gehen mußten und immer noch gehen müssen. Sie werden nie wissen, wie man wirklich richtig schreibt – und das ist nicht ihre Schuld.

Man fragt sich, was die Reformer eigentlich ursprünglich wollten, denn sie hatten sicherlich nicht vor, alles so schlimm zu machen, wie es heute ist (aber welcher Idiot hat das schon vor? Es ist ein Kennzeichen von Idioten, daß sie nicht wissen, was sie tun, und das gilt auch für diese »Reformer«). Dazu gibt Stirnemann folgende Antwort:

Die Reformer glaubten, daß unsere Rechtschreibung zu schwierig sei, und wollten sie zugunsten der Schüler, der Wenigschreiber und der Anderssprachigen vereinfachen, indem sie neue Regeln einführten. Sie hielten es für einfach, wenn wir möglichst viel getrennt schreiben (Beispiel: viel versprechend statt vielversprechend, wieder sehen statt wiedersehen) und möglichst viel groß (es tut mir Leid). Ferner sollten wir viele Kommas weglassen (Er sah den Spazierstock in der Hand tatenlos zu), sozusagen dadaistisch trennen (Montaga-bend) und Wörter anderer Sprachen falsch schreiben (Spagetti). Eine weitere angebliche Vereinfachung bestand darin, das Adjektiv greulich (abscheulich) gräulich zu schreiben, so daß man es nicht mehr vom Farbadjektiv gräulich (ein wenig grau) unterscheiden kann. Das sind natürlich alles Irrtümer. Manche davon hat man in den vergangenen zwölf Jahren zurückgenommen, sehr vieles aber wartet noch auf Verbesserung.

Die einzige tatsächliche Verbesserung wäre wohl, zur richtigen, nämlich der alten, Rechtschreibung zurückzukehren, aber  . . .  siehe oben.

Somit werden wir uns also weiterhin und vermutlich für den Rest unseres Lebens mit Texten herumschlagen müssen, die in einer »Rechtschreibung« geschrieben sind, die eher einer »Linksschreibung« gleicht, nämlich dem Verdrehen jeglichen Sprachgefühls ins Gegenteil. Wir müssen raten, was wohl gemeint sein könnte, wenn wir lesen.

Denn genau das haben die »Reformer« nicht bedacht: Es geht nicht um diejenigen, die schreiben, es geht um diejenigen, die lesen. Es muß ein eindeutiges Regelwerk geben, das es den Lesenden erlaubt, das zu verstehen, was sie da geschrieben vor sich haben, und zwar sollte das den Lesenden so leicht wie möglich gemacht werden. Sie sollten nicht erst interpretieren müssen, was das Wort vielleicht bedeuten könnte.

Man soll über die Zeilen fliegen und einfach den Inhalt des Textes aufnehmen können, ohne darüber nachdenken zu müssen. Zumindest in seiner eigenen Muttersprache.

Sogar die Reformer selbst haben mittlerweile den Überblick verloren, denn keines der Werke, die sie selbst schreiben, Schulbücher, Lexika, Sprachlernbücher etc., ist vollständig und richtig in den von ihnen selbst propagierten Regeln verfaßt. Sie halten sich also selbst nicht an ihre Regeln. Warum sollte es dann irgend jemand anderer tun?

Somit kann also jeder jetzt schreiben, wie er will, niemand versteht mehr den anderen – aber wen interessiert das schon? Schaffen wir die deutsche Sprache doch gleich ab und lernen wir alle auf der ganzen Welt Esperanto, das wäre sowieso viel einfacher.

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  • Ruth Gogoll
  • Jutta
  • Ruth Gogoll

    Permalink

    Ja, wenn das so einfach wäre mit dem Umschreiben. Nein, das ist alles sehr, sehr mühsame Handarbeit, um die falsche neue Rechtschreibung wieder in die richtige alte Rechtschreibung umzuwandeln. Wir müssen jedes einzelne Wort lesen und korrigieren. Wer uns ein Manuskript in neuer Rechtschreibung schickt, muß halt ein paar Jahre länger warten, bis es veröffentlicht wird. ;)
    Deshalb bitten wir sehr darum, uns die Sachen in alter Rechtschreibung zu schicken, das hält die Kosten dann auch in Grenzen, denn wenn jemand wochenlang ein Manuskript lesen muß, nur um alte in neue Rechtschreibung zu korrigieren, kostet das natürlich auch sehr viel Geld (das wir als kleiner Verlag eigentlich nicht haben).

    Donnerstag, 9. Oktober 2008 19:49
  • Jutta

    Permalink

    Hallo,

    die "Reform" find ich auch ziemlich blöd und überflüssig. Da ich beruflich aber danach schreiben muss - allerdings weigere ich mich bei völlig blödsinnig aussehenden Wörtern oder Schreibweisen, ist bisher noch niemanden aufgefallen ;D - kann ich inzwischen wahrscheinlich die alte und meist bessere Schreibweise gar nicht mehr.
    Meine Frage, wenn ich Euch jetzt was schicken will, muss das in alter Schreibweise sein oder habt Ihr ein Programm zur "Umschreibung"?
    Liebe Grüße, Jutta

    Donnerstag, 9. Oktober 2008 18:07

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