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Frauenfernsehen und lesbische Rollenbilder

Daß es den Sender 9Live überhaupt noch gibt, hatte ich nicht angenommen, bis ich jetzt die Meldung las, daß 9Live nicht nur immer noch existiert, sondern daß sie jetzt sogar einen Ableger planen, und zwar – man höre und staune – für Frauen.

Nein, nicht was Sie jetzt denken, meine Damen, nicht für uns. Für Heterofrauen natürlich. Es sei denn, Sie sind ein Fan von »Verliebt in Berlin«, das wird dann nämlich auf dem neuen Sender als erstes wiederholt.

»Frauenaffines Fernsehen« nennt man das, also Programme, die vor allem oder nur Frauen anziehen, und da steht selbstredend an erster Stelle die Romantik, die Liebe, der Herzschmerz, das Schluchzen der Lisa Plenske.

Okay, ich gebe zu: Lisa Plenske hatte was. Im Gegensatz zu anderen Serien haben sich die Macher von »Verliebt in Berlin« manchmal wirklich selbst übertroffen, und es gab hin und wieder erstaunlich gute Dialoge in der Serie. Hin und wieder, selten, aber es gab sie.

Darum geht es natürlich bei dem neuen »frauenaffinen« Sender nicht, es geht nur um Einschaltquoten. »ViB« war die erfolgreichste Telenovela im deutschen Fernsehen überhaupt, und auch wenn der erste Reiz vorbei ist, wollen die Betreiber des neuen Senders da noch einmal den Rahm abschöpfen, auch wenn es nur noch der mit 3,5 Prozent Fett ist.

Interessant an der Sache ist, daß die Fernsehmacher erst so spät auf den Trichter mit den Frauen kommen. Zwar gibt es schon seit geraumer Zeit Sendungen speziell für Frauen, »Mona Lisa« zum Beispiel, oder auch »Sex and the city« (das, wie ich höre, auch Heteromänner anschauen, weil sie hoffen, dadurch zu lernen, ihre Frauen besser zu verstehen und ihnen besser gerecht zu werden, sprich nicht mehr so oft von ihnen zusammengestaucht zu werden), aber bei den Herren in den Programmredaktionen scheint sich die Übermacht der Frauen vor dem Fernseher erst jetzt herumgesprochen zu haben.

Das Rezept ist weder neu noch kompliziert: Frauen sind in der Überzahl, nicht nur in der Bevölkerung, auch vor dem Fernseher. Die Programmmacher der Sender kennen die Statistiken und haben darauf reagiert. »Frauen sind eine seit Langem heftig umworbene Zielgruppe der Medien«, sagt Prof. Elisabeth Klaus, Leiterin des Fachbereichs Kommunikationswissenschaft an der Universität Salzburg.

 . . . schreibt der Focus in seinem Artikel »Herzschmerz für die Quote«.

Früher haben viele wohl gedacht, die emanzipierte Frau von heute will eher politische Sendungen, die sich mit Frauenthemen befassen, vielleicht auch – da sie ja ihr eigenes Geld verdient – Sendungen, die sich mit Wirtschaftsthemen beschäftigen und mit den Sorgen des Alltags. Mag auch sein, aber worüber funktionieren Sendungen für Frauen wirklich?

Die Kunst, die Frau vor den Bildschirm zu locken, funktioniert über alte Rollenbilder. Da sitzen die modernen, emanzipierten und Vollzeitarbeitenden Frauen von heute und konsumieren Telenovelas, in denen die Frau als heim-, familien- und beziehungsorientiertes Wesen gar mädchenhaft durch verkitschte Rosamunde-Pilcher-Landschaften reitet, liebt und schluchzt. Doch es funktioniert. »Neue Rollenbilder brauchen in der Regel sehr lange, um sich sozial durchzusetzen«, weiß Prof. Klaus. »Und auch die moderne Frau ist nach wie vor für Familie, Beziehung und das Emotionale verantwortlich.«

Das bezieht sich natürlich alles auf Heterofrauen, aber – fragte ich mich bei dieser Aussage von Frau Prof. Klaus – wie ist das eigentlich bei uns mit den Rollenbildern?

Ja, ja, bei uns Lesben, meine ich. Wie steht es damit? Bringen Sie den Müll raus oder Ihre Partnerin? Verdienen Sie beide gleich viel Geld oder eine weniger? Wer macht die Wäsche und den Haushalt?

Seit ein paar Tagen haben wir ja Anne Will und Miriam Meckel, mit denen wir uns vergleichen können. Was meinen Sie, wer bei denen den Müll rausbringt?

Müssen Sie sich mit Ihrer Freundin/Frau um die Fernbedienung streiten, wenn Fußball kommt und auf dem anderen Kanal ein herzzerreißender Liebesfilm? Oder schauen Sie dann beide dasselbe? Interessieren Sie sich beide mehr für Liebesfilme oder für Fußball?

Wenn Sie beide Fans von »Verliebt in Berlin« sind, sollte es kein Problem geben, dann können Sie zusammen den neuen »frauenaffinen« Sender anschauen. Aber was, wenn nicht?

Läßt Ihre Liebste auch immer ihre Socken herumliegen, und Sie räumen sie weg? Oder sind Sie diejenige, die wegen der Socken zusammengestaucht wird, weil Sie immer vergessen sie wegzuräumen?

Wie sieht eine moderne lesbische Beziehung aus? Gibt es da Rollenbilder, oder sind beide gleich?

Wenn Sie gerade nicht in einer Beziehung leben, was wünschen Sie sich? Eine feminine Frau, die auch noch das Geschirr abwäscht? Oder eher eine maskuline Frau, die genug Geld verdient, damit Sie beide gut leben können, wofür Sie dann gern den Haushalt übernehmen und eventuelle Kinder?

Oder wünschen Sie sich die absolute Gleichberechtigung? Eine Frau, die genauso ist wie Sie selbst und mit der Sie alles teilen können, auch Müll, dreckige Socken und Abwasch?

Das Thema würde mich wirklich einmal interessieren. Am liebsten würde ich ein Buch darüber machen mit all Ihren Erfahrungen. Wenn hier genug Erfahrungen zusammenkommen, könnten wir das ja vielleicht einmal ins Auge fassen.

Was ich mich frage, ist: Wie sehr sind wir Lesben auch durch Rollenbilder geprägt? Erwarten wir sie? Wollen wir sie sprengen? Denken wir, daß wir in unseren Beziehungen gar keine Rollenbilder haben?

Dabei fällt mir eine Anekdote ein. Meine Cousine, die ich lange Jahre nicht gesehen hatte, besuchte meine Frau und mich in Frankreich. Sie hatte gerade Probleme mit ihrem Mann nach 11jähriger Ehe und mit zwei Töchtern. Wir sprachen ein wenig darüber, und immer wieder ging es darum, daß sie von ihm erwartete, daß er sich mehr um die Kinder kümmert, was er aber meistens nicht kann, weil er viel arbeitet und das oft auch noch im Ausland. Es ging immer wieder um die Rollen von Mann und Frau in der Partnerschaft, in der Ehe.

Irgendwann schaute sie mich dann an und fragte: »Wie ist das eigentlich bei euch? Wer hat da die Rolle des Mannes und wer die der Frau? Wie teilt ihr euch die Hausarbeit usw. auf?«

Ich war etwas überrascht von der Frage, ich konnte es wirklich nicht sagen. Meine Antwort nach einiger Zeit war: »Jede macht das, was sie am besten kann. Und jede macht das, was sie am liebsten macht. Die Sachen, die wir beide nicht mögen, teilen wir uns.«

Meine Cousine war sehr erstaunt.

Deshalb frage ich mich: Ist das wirklich in allen lesbischen Beziehungen so?

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Wer hat hier bereits gepostet?

  • Ruth Gogoll
  • Petra
  • Jenny
  • Kerstin Oswald
  • Kristin aus N. am T.
  • Yari
  • Nicole
  • Petra

    Da bin ich aber platt, dass aus 9live ein Frauensender werden soll.
    Erinnern Sie sich an den Sender TM3? So hieß 9live vorher, es sollte ein "Frauensender"
    sein... Niemand wollte diesen Quatsch sehen.
    Ja, dann halt wieder von vorn.
    :D

  • Jenny

    Da habe ich ja mal einen alten Schinken ausgegraben :)

    Ich weiß nicht wie viele Antworten zu diesem Beitrag nun schlussendlich gekommen sind. Ich fände es aber wirklich schön, wenn mal ein Buch über dieses Thema geschrieben werden würde. Ich muss sagen ich bin noch relativ neu in dieser Welt, habe jetzt seit zusammengerechnet 6 Monaten meine erste Freundin und auch ich interessiere mich sehr für dieses Thema der Rollenverteilung. Gibt es sie? Muss es sie geben? Was sind die grundlegenden Dinge für diese Ansichten?

    Im Großen und Ganzen kann ich viele Dinge die hier geschrieben wurden einfach nur abnicken.

    Leider ist es doch so, dass das Bild von lesbischen Frauen durch die Medien wie Filme, Serien o.ä. total verunstaltet wird. Ich will nicht bestreiten, dass sich viele Frauen in diese Rollenverteilung einfügen, dass sie sich in der ein oder anderen Rolle wohler fühlen, aber vieles was man sieht oder hört oder liest ist eben nun mal nicht wahr. Es spiegelt nicht das wirkliche Leben wieder.

    Nehmen wir uns doch z.B. die Serie "The L Word". Sex and the City für Frauen und naja ich sage mal "notgeile?" (flüsternderweise) Männer (Ich will ja nicht pauschalisieren.) Dort werden nun wirklich alle Klischees abgebildet. Frau übernimmt die Rolle des Mannes, Frau übernimmt die Rolle der Hausfrau, Bisexuelle, tüchtige und unerfahrene. Aber das Bild das dort gemacht wird ist eben auch nur das was die Leute sehen wollen, das was sie meinen zu kennen. Die Wirklichkeit kennt kaum einer. Das Frauen ein ganz normales Leben führen und eine Partnerin haben mit der sie ein ganz normales Leben führen ohne in irgendein Klischee hineingedrückt zu werden.

    Das "wir" unsere eigene Schublade brauchen finde ich persönlich gar nicht. Ich bin prinzipiell gegen irgendwelche Schubladen in die man hineingesteckt werden kann.

    Nur tote Fische schwimmen mit dem Strom.


    Was ich auch finde ist, dass die Aufklärung im Bereich der Homosexualität viel zu gering ist. Natürlich gibt es Anlaufstellen, aber wer traut sich als jugendlicher schon dahin? Auch wenn wir angeblich eine so "tolerante" Gesellschaft geworden sind:

    Als ich 14 war und angefangen habe mich für das Thema zu interessieren habe ich mich auch nur klammheilmlich versucht irgendwie mit dem Thema zu befassen und Informationen rauszufinden. Doch alles was ich fand war seiner Zeit etwas wie "Bin ich in eine Frau verliebt?, Bin ich lesbisch?" und solcherlei dubiose Dinge. Eine wirkliche Aufklärung wie lesbische Liebe funktioniert (wie man es bei Heteros im Biologie-Unterricht kennenlernt) gibt es ja gar nicht. Und wenn man versucht sich über Pornos "weiterzubilden", um zu wissen wie so etwas überhaupt funktionieren könnte kommt man auch nicht weit, weil das was dort gezeigt ist doch auch nur geschauspielert ist. Aber soetwas weiß man als Jugendlicher vielleicht nicht. Und damit wird ein völlig falsches Bild vermittelt.

    Natürlich lernt man mit der Zeit und weiß, dass das Spaß macht was beiden Spaß macht. Aber so etwas wie das "Kamasutra für Frauen/Männer" habe ich auch noch nicht gefunden. Oder generell irgendwelche Informationen bezüglich dieses Themas sind rar gesäht. (Sollte jemand irgendwelche niveauvollen Lektüren kennen so bitte ich doch darum mir diese einmal mitzuteilen!)

    Um auf das Thema der Rollenverteilung zurückzukommen: In meiner bisher frischen Beziehung ist es doch sehr ausgeglichen. Hin und wieder lasse ich den Macho raushängen, mal macht sie es. Ich bin diejenige die sich gut mit Technik und Computern auskennt, kann aber auch gut Kochen und bekoche sie auch gern. Ich persönlich habe die Zeit für mich als Vorbild gewählt als man die Frau die man noch begehrt hat auch umworben hat und sich wie ein "Gentleman" verhalten hat. Und das habe ich für mich aufgenommen und setze es dann auch so um. MIr ist nicht wichtig was sie gut kann und was nicht sondern der Charakter zählt und ob sie furzt und rülpst und gerne mal ein Bier zu viel trinkt ist mir auch nicht weiter wichtig. Man sollte wenn man liebt jmd so lieben wie er ist, ohne jegliche Gedanken an eine Rollenverteilung zu verschwenden. Denn das ist das wenigste was zählt meiner Meinung nach.

    Just my 5 cents

  • Kerstin Oswald

    Mehr als einmal musste ich beim lesen der Kommentare schmunzeln und mehr als einmal habe ich mich gefragt, wie es bei uns ist.
    Wir sind seit 6 Jahren zusammen und seit 3 Jahren verheiratet und haben in all den Jahren noch nie gestritten. Ob es daran liegt, dass wir einfach 2 Frauen sind, die Harmoniesüchtig sind? Vielleicht. Vielleicht aber auch, weil wir uns so hervorragend ergänzen und das in jeder Hinsicht. Wir sind beide sehr starke Persönlichkeiten und es ist uns ein Bedürfnis, die Partnerin glücklich zu machen und daran arbeiten wir auch jeden Tag.
    Rollenverteilung? Ja die gibt es, und dass es sie gibt finden wir beide nur selbstverständlich und das ist auch gar keine Frage. Jede tut das, was eben getan werden muss. Warum auch nicht? So ist gewährleistet, dass wir uns wohl fühlen. Bei uns ist es so, dass ich arbeiten gehe und meine Frau zu Hause ist.( was wiederum daran liegt, dass sie eine chronische Krankheit hat und ich froh bin,dass ich genug für uns beide verdiene und sie nicht arbeiten muss.) So komme ich von der Arbeit nach Hause und das Essen ist auf dem Tisch, der Tee gekocht, die Wäsche gemacht.... Jetzt klinge ich wahrscheinlich voll wie ein typischer Macho, denn natürlich genieße ich es, wenn ich mich an den gedeckten Tisch setzen kann. Und wenn meine Frau mir das volle Verwöhnprogramm mit Massage gibt, dann sage ich sicher nicht nein. Bin ich deshalb der Mann im Haus? Leben wir ein typisches Klischee? Nein, wir sind zwei Frauen, die entsprechend der Lebenssituation agieren und füreinander da sind. Sally kocht einfach viel besser als ich, dafür darf ich ab und an mal backen. Da ich öfters ein paar Tage am Stück weg bin ist es auch verständlich, dass der Haushalt schon erledigt ist, wenn ich zurück komme. Doch wenn wir beide da sind, dann machen wir alles gemeinsam, genießen jeden Augenblick der Zweisamkeit und empfinden eine stärkere Liebe füreinander als zu unserer Kennenlernzeit.

    Jetzt könnte man natürlich fragen, wie wir uns getroffen haben, ob wir uns so, entsprechend unserer Partnerwünsche, gesucht und gefunden haben? Wir waren beide lange Zeit Single und waren auch für uns allein verantwortlich. Und dann haben wir uns im Internet auf der Fanseite einer Sängerin kennen gelernt. Damit ist schon einmal klar, dass wir den gleichen Musikgeschmak haben :) Nach einem halben Jahr immer intensiver werdender Gespräche haben wir uns dann getroffen und Sally hat mir noch am gleichen Abend einen Heiratsantrag gemacht. :D Wie man sieht- ich habe angenommen. Nach über drei Jahren Fernbeziehung leben wir nun zusammen. Und unsere Liebe, unser Respekt und unsere Zuneigung füreinander werden mit jedem Tag größer. Das Leben ist schön, und wir arbeiten beide daran, dass es so bleibt.Und nur darum sollte es sich in einer Beziehung drehen. ;D

  • Kristin aus N. am T.

    „Lesbische Rollenbilder“ ein Thema, das ich kürzlich mit meinen Freunden besprochen habe. Hintergrund war der Kinderwunsch einer befreundeten Lesbe, die in einer festen Beziehung mit einer Frau (klar, denn sie ist ja lesbisch ;) ), lebt. Wir stellten uns die Frage, wer Mama und wer Papa sein wird. Und schon tappten wir in das Rollenspiel von Mann und Frau. Komischerweise konnten wir bei dem Pärchen, das wir unter die Lupe nahmen, tatsächlich nicht verallgemeinern, wer eher der Mann und die Frau war. Es fiel je nach Situationen im Alltag unterschiedlich aus.
    Wir spielten das Spielchen weiter und landeten bei mir. Die einen sahen in mir mehr frauliche als männliche Eigenschaften. Ich selbst hatte aber bisher nie das Gefühl in meinen Beziehungen bzgl. der Aufgabenverteilung die Frau zu sein und sah meine Partnerin auch nie als Mann an. Im Gegenteil, meine Freundinnen waren äußerlich alle sehr feminin und auch ihr Verhalten war eher einer Frau zu zuordnen als einem Mann. Trotzdem habe ich nicht den männlichen Part übernommen, denn auch ich verhalte mich mehr wie eine Frau.
    Als Kind war ich zwar ein richtiger Bengel: kurze Haare, aufgeschlagene Knie, mehr Autos als Puppen und eine Schwäche für Feuerwehrautos und Indianer. Mein Betragen (ja, das wurde zu DDR-Zeiten auf dem Zeugnis bewertet) war besten Falls eine 3. Mädchen habe ich geärgert und Jungs waren meine Kumpels. Kumpels sind die Männer noch immer. Aber das mit dem Mädchen ärgern hat sich ins Gegenteil gewandelt. Im Laufe der Jahre kam meine weibliche Seite immer mehr zum Vorschein.
    Und nun würde ich mein Verhalten auch eher als weiblich bezeichnen: ich mag Schnulzen, bei denen ich mitweinen kann und die ich mir immer wieder gern ansehe, trage auch mal Röcke und Kleider, habe wahnsinnig viele Schuhe, gehe ein Mal im Monat zur Kosmetik, schminke mich, trage feminine Kleidung, habe Grünpflanzen in meiner Wohnung, die noch leben, freue mich über Blumen und verschenke sie gern, habe eine gemütlich eingerichtete Wohnung, die nicht nur funktional ist, lasse mich beim Tanzen gern führen, kenne mich im Fußball so gar nicht aus, trinke gern trockenen spanischen Rotwein... etc.
    Dennoch hatte ich bisher nie eine Frau an meiner Seite, die den männlichen Part übernahm. Das liegt bestimmt auch daran, daß ich selbst in mir männliche Eigenschaften habe: ich gehe gern mit meinen Kumpels ein Bierchen trinken, schaue dann auch mal den Frauen nach (Ist das jetzt männlich oder lesbisch? :) ), kann ´nen Nagel in die Wand hauen und den Schrank von IKEA aufbauen, mag auch mal Witze unter der Gürtellinie, muß nicht immer zu zweit auf die Toilette, interessiere mich für neue technische Geräte, mag schnelle Autos, führe Frauen gern aus und hole sie dazu auch ab, bezahle lieber die Rechnung beim Date als daß ich mich einladen laße, bin eine schlechte Beifahrerin, kann rückwärts einparken...etc..
    Hinzu kommt meine Einstellung zu meinem Job. Ich liebe meinen Beruf und investiere in ihn viel Zeit und Kraft. Habe oft Geschäftsessen und bin auf Empfängen präsent. Deshalb komme ich oft spät nach Hause. Mein Arbeitstag umfaßt nicht selten 12 Stunden. Und auch am Wochenende bin ich regelmäßig im Büro.
    Eine Frau, die dann zu Hause nur darauf wartet, daß ich nach Hause komme und mir ständig vorhält, daß ich mehr Zeit im Büro verbringe als zu Hause, möchte ich nicht. Das würde mich behindern. Und dann auch noch meine intensiven Hobbys, die ich Dank eines guten Zeitmanagement pflege. Oh je...da käme ja dann die nächste Diskussion. Nein, danke! ;)
    Meine Ideal-Frau müßte es verstehen und das können meiner Erfahrung nach nur Frauen, die ähnlich leben wie ich. Der Preis wäre, daß wir nicht viel Zeit hätten aber dennoch genug, um diese Zeit intensiv zu verbringen. Der Haushalt, den ich immer als lästig empfinde, würde selbstverständlich geteilt werden, es sei denn meine Liebste würde sich darum reißen. Aber gibt´s so jemanden?
    In meinen letzten Beziehungen gab es keine klare Rollenverteilung. Jeder war mal dran, auch wenn ich manchmal gerade wegen meines anstrengenden Jobs meine Pflichten gern abgegeben hätte. Aber das Kochen wurde mir bisher immer abgenommen. Darüber war ich nicht traurig, denn ich laße mich lieber bekochen. Bin ich jetzt ein Macho?! Bestimmt nicht, denn ich wasche dafür danach auch ab.
    Beim Fernsehprogramm gibt es natürlich unterschiedliche Interessen. Da müßen Kompromisse eingegangen werden. Das geht ja nicht, daß da nur eine das sagen hat. Wie schrieb Yari so schön:

    <blockquote>Montags Krimi, klar Schatz, wenn ich dann gekrault werde…</blockquote>
    Das trifft´s! Ich liebe Tatort und den Montags-Krimi vom ZDF, mag Schnulzen zum Mitheulen und schaue gern Freitag-Abend ab 22.00 Uhr auf den Dritten die Talkshows. Ich schalte weg bei amerikanischen Aktion-Filmen und bei Fußball. Aber da werden Kompromisse gefunden.
    Es ist durchaus bereichernd, wenn man auch mal die Sendungen schaut, die die Liebste mag. Meine letzte Freundin war ein großer Fußball-Fan. Bis ich sie kennenlernte, wußte ich noch nicht mal, daß es eine erste Bundesliga gab und trotzdem lebte ich bis dahin glücklich ;). Jedenfalls fand sie mich in dieser Hinsicht sehr exotisch. Wenn ich zum Thema Fußball eine Frage stellte, wußte sie immer nicht, ob ich sie veralbern wollte oder es ernst meinte. Während sie dann ihre Fußballsendungen (immer sonntags) sah, war ich zum Reiten oder schaute mit einem halben Auge mit. Jedenfalls schnappte ich aber dann doch die ein oder andere Information auf, die ich dann wiederum am nächsten Abend beim Bierchen mit meinen Kumpels verbraten konnten. Anfangs waren sie überrascht von dem scheinbaren Details-Wissen, dabei war es ja nur Halb-Wissen, das ich aufgeschnappt hatte. Irgendwann war dann mein Info-Pool auch erschöpft und sie merkten schnell, daß ich nur ein paar Sprüche klopfte, die ich vom Hören-Sagen kannte. Am Ende der Beziehung wußte ich mehr über Fußball als davor. Aber eines blieb: ich mag Fußball noch immer nicht.
    Ähnlich ist es bei Musik. Meine letzte Freundin fragte mich, als sie meine CD-Sammlung zum ersten Mal sah, ob ich nur Musik von attraktiven Frauen höre. Natürlich nicht, denn sie müssen auch gut singen können ;) . Sie konnte mit meiner Musik nichts anfangen und ich nichts mit ihrer. Während ich für Musik schwärme, die nicht unbedingt in den Charts zu finden ist wie z.B. Patricia Kaas, Mylène Farmer, Laura Pausini, Mecano, Sarah Mclachlan würde ich meine Freundin auch zu einem Konzert von Musik begleiten, die ich nicht kaufen würde. Ach, was sage ich „würde“. Ich tat es! Auch da gäbe es lustige Geschichten zu erzählen, die hier den Rahmen sprengen würden. Nur eins: Stellt Euch bitte einfach nur vor, daß ihr in einem Stadion seid und um Euch herum nur Fans, die jede Silbe des Liedtextes kennen und Du bist die einzige unter diesen vielen Menschen, die nicht den Text kann und noch nicht mal die Lieder des Sängers kennt, ganz zu schweigen vom Sänger überhaupt. Er haucht in´s Mikro „Hallo“ und alle flippen aus. Nur Du nicht! Wer passt nicht in´s Bild?! ;) Alle sind wegen des Künstlers da und Du „nur“ wegen Deiner Liebsten. Naja, es ist doch aber ein Genuß, zu sehen, wie die Liebste begeistert mitsingt. Und tanzen kann man ja zum Glück, auch ohne den Text zu kennen.
    Kurz gesagt: Die Frage, wer in meinen Beziehungen die Frau und wer der Mann war, kann ich nicht beantworten. Ich würde auch nicht sagen, daß die eine mal der Mann und dann wieder die Frau war, denn ich wollte eben gerade nicht Mann und Frau spielen, sondern Frau und Frau! Das klassische Rollenbild ließ sich bisher auf keine meiner Beziehungen übertragen. Das will ich auch nicht. Meiner Meinung nach sind wir Lesben unsere eigene Kategorie. Für uns muß eine eigene Schublade her!
    Sollte ich aber mal bei einer Frau „stranden“, die lediglich das männliche oder weibliche Rollenbild erfüllt, wäre das kein Grund für mich zum Flüchten. Entscheiden wird mein Herz!
    In diesem Sinne,
    Kristin!

  • Yari

    Also ich weiß nicht so recht, was ich mit dem Rollendenken: männlich, weiblich anfangen soll. Ich finde, jeder, ob nun Mann oder Frau, welcher Orientierung auch immer, hat Eigenschaften, die die Gesellschaft als männlich oder weiblich einstuft.
    Aber sind sie das auch wirklich??? Macht sie nicht nur die Gemeinschaft dazu, das Umfeld in dem wir leben?
    Ich für meinen Teil, hasse es den Müll runter zu bringen, liebe das Kochen, finde Bügeln eine Strafe und kann mit einer Motorsäge, Bohrmaschine und einem Elektrohobel besser umgehen, als mit einer Nähmaschine.
    (Mein Vater näht meine Hosen um, mit der Maschine und der ist stock hetero!!!!)
    Ich sehe gerne Fußball, ja und ich trinke auch mal gerne ein Bier.
    Habe trotzdem einen Badschrank voller Cremes, mag Wimperntusche und auch gerne mal ne Haarspange. Ich besitze mehr als ein Abendkleid und habe mindestens 20 Paar Schuhe.
    Und bin ich jetzt eine schlechte Lesbe oder eine Hete auf Abwegen?
    Ich denke, ich bin einfach eine Frau, die halt lieber mit einer Frau an ihrer Seite aufwacht.
    Ich bin, wie ich bin und ich will mich auch nicht verstellen.
    Ich möchte mich nicht irgendwelchen Klischees unterwerfen.
    Und in Beziehungen da spielt man sich eben aufeinander ein, findet Kompromisse wenn nötig.
    Bei mir war es in Beziehungen immer so, wie bereits geschrieben. Jeder macht das, was er mag und das was übrig bleibt, wird geteilt.
    Ich koche, denn mein Essen macht nicht nur satt…es schmeckt auch. Badputzen und bügelt -ihre Aufgabe. Multimedial: sie – keine Ahnung, was da technisch gut ist oder nicht.
    Ölwechsel beim Auto oder Winterreifen anbauen, meins.
    Montags Krimi, klar Schatz, wenn ich dann gekrault werde…
    In jeder Beziehung ist das wichtigste die Kommunikation. Vielleicht hat da eine Beziehung zwischen Frauen einen leichten Vorteil. Frauen sollen, wissenschaftlich ergründet, ja wortgewandter sein. Klar kann dass, wenn es schief läuft, in elend langen Diskussionen endet. Aber oftmals kommt auch ein Kompromiss zustande.
    In Hetro - Beziehungen, so habe ich teils den Eindruck, gibt eher ein Partner, seinen Standpunkt aufgibt- um des lieben Friedens willen.
    „In einer Beziehung zwischen zwei Frauen, ist es nicht nur eine, die sich nach einem Heim, Herd und Häuslichkeit sehnt“, so oder ähnlich habe ich das mal in einem Lesbenfilm gehört.
    Und ich glaube, irgendwie stimmt das auch bei den meisten. Ich glaube so ein wenig haben wir Frauen den Nestbautrieb in uns. Und auch den Wusch nach Kindern.
    Ja klar, der Zeugungsakt eines Kindes, der läuft bei lesbischen Paaren wirklich etwas anders ab.
    Klar es ist nicht leicht, das wie und die damit verbundenen Komplikationen eingeschlossen, zu planen und durchzuführen.
    Aber ich finde, es kommt darauf an, was man daraus macht, wie man damit umgeht…
    In meinem Bekanntenkreis, gibt es einige Paare mit Kindern und es werden immer mehr…
    Sie sind verheiratet und habe ihre kleinen Familien - <em>Ganz normal.</em>
    Und einige planen eins…
    Es kann auch eine ganz witzige Sache sein, die Kinderplanung….
    Wenn da vier befreundete Frauen auf so einen Ovulationstest starren und versuchen die Farbgebung zu kommentieren. <em>Ist er nun positiv? Ist der Strich nicht zu schwach? Meinst Du? Der gestern war noch schwächer? Und was sagt die Temperaturkurve?
    Na ja, so richtig weiß ich auch nicht? Kaffee und Kuchen und dann vielleicht nachher zur Sicherheit noch ein Test….? Hast Du die Packungsbeilage noch, wir werden sie noch mal lesen - zur Sicherheit?</em>
    Also ich finde solche Situationen amüsant, sie sind irgendwie grotesk …und haben eine besondere Komik in sich…die auch erfrischend ist.
    Ich finde mit Offenheit, Ehrlichkeit und einem Zwinkern fürs Leben, ist alles zu schaffen…
    :)
    und, so findet man auch die "Rolle" für´s eigene Leben.

  • Testosteron und Abwasch haben glaube ich nicht wirklich etwas miteinander zu tun, das ist wahr. :) Aber es gibt Unterschiede zwischen Männern und Frauen, die man nicht wegleugnen und auch nicht wegerziehen kann, das ist nicht alles nur Getue.
    Bei Lesben ist das immer so eine Sache. Inwieweit haben wir männliche Anteile in uns, die denen der Männer entsprechen? Wir sind anders als Heterofrauen, das ist offensichtlich, aber in welchem Umfang anders? Wir sind immer noch Frauen, biologisch, und viele von uns haben sehr "weibliche" Vorstellungen vom Leben (heiraten, Kinder kriegen, kochen ;) ).
    Wir können das nicht immer so einfach verwirklichen wie die Heterofrauen. Heiraten unter Lesben ist immer noch nicht dasselbe wie wenn ein Heteropaar heiratet, eine Lesbe, die ein Kind will, kann nicht einfach mit ihrer Frau schlafen und daraus ein Kind entstehen lassen, sie muß umständliche Umwege über künstliche Befruchtung einschlagen und vieles auf sich nehmen, was eine Heterofrau nicht muß. Oder es kommt eben von vornherein nur Adoption in Frage, was für ein lesbisches Paar aber auch nicht so einfach ist wie für ein Heteropaar.
    Es ist ja immer noch nicht erforscht, was uns Lesben zu Lesben macht, aber der hormonelle Anteil ist sicherlich vorhanden, das sieht man schon am Äußeren der meisten Lesben. Schon kleine Heteromädchen lieben Rosa, Puppen und niedliche Kleidchen und Röckchen. Kleine Lesbenmädchen laufen lieber in Hosen und in gedeckten Farben herum und lassen die Puppen in der Ecke liegen. In diesem Alter entscheidet man das noch nicht bewußt, es muß genetisch vorgegeben sein. Welche Gene, hat man eben noch nicht herausgefunden. Es ist wohl ein Zusammenspiel vieler verschiedener.
    Und es ist unterschiedlich ausgeprägt. Die eine Lesbe liebt eben doch eher Rosa und zieht auch mal einen Rock oder ein Kleid an, sogar gern, für die andere wäre das der größte Horror, und sie orientiert sich in ihrer Kleidung eher in Richtung der Männerabteilung. Darauf haben wir keinen Einfluß, das wird uns schon in die Wiege gelegt, ebenso wie Männern und Heterofrauen.
    Allerdings wird es nicht vom biologischen Geschlecht vorgegeben, und das ist der Unterschied. Bei meiner Cousine und ihrem Mann ist es klar: Sie ist die Frau, sie kümmert sich um die Kinder, er ist der Mann, er geht arbeiten und verdient das Geld und fühlt sich für die Kinder nicht zuständig. Das ärgert meine Cousine, weil sie dadurch auf ihre Rolle festgelegt wird, was auch niemand wirklich in Frage stellt.
    Aber wie wäre es, wenn meine Cousine nicht mit einem Mann, sondern mit einer Frau verheiratet wäre? Wenn sie ebenfalls Kinder hätte? Wäre sie dann auch automatisch für die Kinder zuständig, weil sie sie geboren hat, oder würde sich ihre Frau vielleicht doch mehr um die Kinder kümmern, eben weil sie eine Frau ist? Würden sie sich die Arbeit teilen, würden sie beide halbtags arbeiten gehen und jeweils halbtags für die Kinder sorgen? Oder würde meine Cousine zu Hause die Kinder versorgen, und ihre Frau ginge arbeiten und würde sich nicht zuständig fühlen?
    Ich erinnere mich an die Reaktionen hier im Blog auf die Figur der "Marlene". Da kam doch sofort die Frage auf: "Ist das überhaupt eine Frau? Ist das nicht eher ein Mann? Darf/kann/würde sich eine Frau, eine Lesbe tatsächlich so benehmen?" Also haben wir doch auch bestimmte Rollenbilder im Kopf, wie eine Lesbe zu sein hat. Auf jeden Fall nicht wie "Marlene".
    Und diese Rollenbilder, die wir in uns tragen, über die wir aber nicht nachdenken, die sind interessant. Denn danach leben wir.

  • Nicole

    Bei uns ist das mit dem Fernsehen zum Glück kein Problem. Wir hören lieber Musik und da haben wir denselben Geschmack (aber eigentlich auch bei den Filmen).
    Auch wenn ich recht faul und chaotisch bin, ich würde es nicht wollen, dass meine Partnerin mein Chaos beseitigen soll. Genauso würd ich's anders herum nicht einsehen. Seit ich eine feste Freundin habe, bin ich aber sowieso viel ordentlicher geworden ;)
    Ansonsten teilen wir sämtliche Hausarbeiten auf. Abgesehen vom Kochen - ich koch zu gern und kann's nicht haben, wenn noch jemand in der Küche steht ;)
    Ich verdiene noch kein eigenes Geld, aber wenn, und wenn ich mir relativ sicher wäre, dass die Beziehung wirklich noch eine Zeit lang hält, wäre ich dafür, beide Gehälter in einen "Pott" zu werfen. Diese Abrechnungen in manchen Beziehungen/Ehen finde ich wirklich albern ...
    Rollenbilder und deren Klischees irritieren mich oft. Ausreden wie "Ich bin halt 'ne Frau/Mann" find ich albern. Wir sind schließlich alle nur Menschen mit Stärken und Schwächen. Und nur weil ich 'ne Frau bin, soll ich mich z.B. nicht mit Computern befassen, weil's Frauen ja eh nicht verstehen können? Und nur weil meine Freundin handwerklich begabter ist als ich, wäre sie mehr der maskuline Teil?
    Ich glaube, viele steigern sich zu sehr in Klischees hinein und benutzen das viel zu oft aus Bequemlichkeit. "Ich hab zu viel Testosteron in mir und kann deswegen nicht den Abwasch machen" - oder wie?! Blöderweise laufen genug Lesben mit dieser Meinung herum.

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