Mirjam Hoff: Gefährliche Geheimnisse

Zuerst knackt Helen Lils Tüschloss, dann ihr Herz. Es könnte eine wunderbare Beziehung werden, wenn Helens Geheimnisse nicht immer wieder für unangenehme Überraschungen sorgen würden. Jetzt lesen!

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Lesbische Unterhaltung


An wen denkt sie, wenn sie mit mir schläft?
Journal - Lesbisches Leben
Geschrieben von: Ruth Gogoll   
Donnerstag, den 25. September 2008 um 01:00 Uhr

Die sexuelle Revolution frißt ihre Kinder – nichts Neues. Früher –und damit meine ich ganz früher, in den 50er und 60er Jahren – war Sex etwas, worüber man nicht sprach, etwas Schmutziges für manche, auf jeden Fall etwas sehr Privates.

Viele Menschen fühlten sich dadurch sehr eingeengt, und im Zuge der 68er-»Revolution« wurde auch das Thema Sex einem Wandel unterzogen. Plötzlich sollte alles »frei« sein, von der Kindererziehung bis eben hin zur Sexualität.

Man erhoffte sich viel von diesem Konzept, denn Unterdrückung sowohl kindlicher Entwicklungen als auch sexueller Triebe schien zuvor viel Unheil angerichtet zu haben. Insbesondere die fehlende Aufklärung führte dazu, daß viele unerwünschte Kinder zustandekamen.

Was aber geschieht, wenn alles plötzlich »frei« ist und wenn alle plötzlich aufgeklärt sind? Friede, Freude, Eierkuchen?

Mitnichten. Denn diese Art der »Freiheit« führt zu neuen Verunsicherungen. Auf einmal soll man über alles Bescheid wissen und zu allem bereit sein. Etwas gegen Sex zu haben gilt als »spießig« und keinen Spaß am Sex zu haben als »frigide«. Und Monogamie? Wer braucht so was? Wir sind doch alle so »frei«.

Es werden einem überall und jederzeit Bilder von schönen Frauen vorgeführt, und man fragt sich, ist meine Partnerin überhaupt zufrieden mit mir? Kann ich ihr überhaupt genügen?

Das ist tatsächlich ein Problem, denn woran merkt man das? Ich habe vor Jahren einmal eine Geschichte geschrieben, deren Anfang hier zeigt, daß es manchmal brutaler Methoden bedarf, um es zu merken.

»Wir sind heute seit vier Jahren zusammen, und das möchte ich feiern!« Alice lächelte und übergab Gerry das Glas, das sie zuvor mit Champagner gefüllt hatte. Mit ihrem eigenen stieß sie dagegen und lachte. »Hörst du den Klang? Wie beim ersten Mal, damals, als wir . . .« Sie brach verlegen ab und kicherte leicht. Es klang bei ihr immer noch wie bei einem Teenager, obwohl sie in diesem Jahr 29 geworden war.

Gerry jedoch kicherte nicht, sie lächelte nicht einmal. »Ja, wir sind heute vier Jahre zusammen, und du möchtest feiern«, wiederholte sie ernst Alices Worte. »Aber ich fürchte, ich will das nicht.« Alice lächelte immer noch. Sie hatte den Sinn hinter Gerrys Worten noch nicht verstanden. »Ich kann es nicht.« Gerry holte tief Luft. »Es wird kein fünftes Jahr mehr geben, Alice, es tut mir leid.«

Alice stand immer noch da, wie vom Donner gerührt; stumm und ungläubig. »Was . . . wie . . . warum . . .?« stotterte sie dann, brachte es aber nicht fertig, einen vollständigen Satz zu bilden. Sie war entsetzt, innerlich erstarrt, fast wie tot. Das konnte doch nicht wahr sein!

»Warum? Nun, weil ich gehe«, antwortete Gerry, als ob das alles erklären würde.

»Du willst . . .«, Alice schluckte, »gehen?«

»Ja.« Gerrys Stimme klang endgültig. »Ich verlasse dich. Es hat keinen Sinn mehr.«

»Keinen – Sinn?« Alices Knie gaben nach, und sie stolperte ein wenig, dann griff sie nach hinten und tastete nach der Couchlehne. Als sie sie gefunden hatte, hielt sie sich daran fest, trat einen Schritt zurück und sank wie ein zu lange dem kalten Luftzug ausgesetztes Soufflé darauf zusammen. »Was . . . was soll das heißen?«

»Es heißt genau das, was es heißt«, versetzte Gerry nun eindeutig ungeduldig. »Es hat für mich keinen Sinn mehr, mit dir zusammenzuleben, und deshalb verlasse ich dich.«

»Aber . . . ich . . .« Alice schüttelte immer noch ungläubig den Kopf. »Ich . . . verstehe nicht . . .«

Gerry gab ein abschätziges Geräusch von sich. »Nein, natürlich nicht. Du hast ja noch nie etwas verstanden.« Sie drehte sich um und stellte ihr Glas auf der Kommode ab, die neben der Tür stand. Ohne noch einmal zurückzublicken, sagte sie: »Leb wohl, Alice. Der Schlüssel ist im Briefkasten.« Dann öffnete sie die Tür und verließ die Wohnung.

Es dauerte eine Weile, bis Alice sich endlich wieder rühren konnte. Mit steifen Gliedern stand sie auf und ging zu der Kommode hinüber. Sie starrte auf das Glas, als ob darin irgendeine Wahrheit zu finden wäre. Dann nahm sie es und brachte es in die Küche. Immer, wenn Gerry gegangen war, hatte sie aufräumen müssen. Gerry war nicht sehr ordentlich.

Sie hatten öfter darüber gestritten, und jetzt tat es Alice leid, daß sie Gerry Vorwürfe gemacht hatte. War das der Grund? War sie zu pingelig gewesen? Gerry hatte nie mit ihr zusammenziehen wollen, hatte immer darauf bestanden, ihr eigenes Appartement zu behalten, obwohl sie sich fast ausschließlich in Alices Wohnung aufhielten. Doch jedesmal, wenn Alice den Vorschlag gemacht hatte, sich etwas Gemeinsames zu suchen, hatte Gerry sie abgewimmelt. Ihr Appartement läge so praktisch, nur fünf Minuten von ihrer Arbeitsstelle entfernt, gab sie als Grund an. Näher würden sie wohl kaum etwas finden. Und wenn es das nicht war, war es etwas anderes. Irgendwann hatte Alice es aufgegeben. Gerry wohnte sowieso schon fast bei ihr, was sollte sie sich da beklagen?

Vielleicht hätte ich einmal nachfragen sollen, dachte sie. Vielleicht gab es auch noch andere Gründe. An diesem Abend jedenfalls kam sie zu keinem Ergebnis mehr. Sie schlief ein, ohne begreifen zu können, was geschehen war.

Ein paar Tage hoffte sie, daß es nur ein böser Traum gewesen war. Sie versuchte, Gerry am Telefon zu erreichen, aber die nahm nicht ab. Auf Gerrys Arbeitsstelle erfuhr sie, daß Gerry in Urlaub gefahren war. Niemand wußte, wohin und mit wem, aber eins war sicher: Es würde sechs Wochen dauern, bis sie wiederkam.

Hat Alice sich manchmal Gedanken darüber gemacht, an wen Gerry denkt, wenn sie mit ihr schläft? Wahrscheinlich nicht, weil sie die ganze Beziehung für zu selbstverständlich hielt.

Das sollte man nie tun. Man sollte eine Beziehung nie für selbstverständlich halten. Das ist der größte Fehler, den man machen kann.

 

Kommentare (4)


Luft zum Atmen
geschrieben von angie.brand am Samstag, 27. September 2008
es ist immer schmerzlich und oder auch erleichteerung für beide seiten, wenn eine beziehung zu ende geht smilies/cry.gif die jenige die geht macht es sich nicht einfach und die jenigen die verlassen werden sind entweder völlig verwirrt, oder vielleicht erleichter das die andere den schritt gewagt hat. auf jedenfall sollte eine beziehung gleichberechtigt sein und man soll sich luft zum atmen lassen smilies/wink.gif wie mit einer pflanze: gießt man sie zu arg, ertränkt man sie, vergießt man zu gießen, vertrocknet sie. in beiden fällen geht sie ein, auf das gleichgewicht kommt es an, nicht zu viel und nicht zu wenig somit pflege ich meine beziehung und die hält seit 20 jahren und wunderbares geschenk das ich mir täglich immer wieder bewußt wird smilies/laugh.gif
Das Gefühl, nicht zu genügen
geschrieben von Ruth Gogoll am Freitag, 26. September 2008
Mit dem Titel des Artikels ist eigentlich genau das gemeint: Dieses Gefühl, nicht zu genügen. Der Titel beschränkt das aufs Bett, aber das ist nur ein Beispiel für viele andere Teile einer Beziehung, in der man das Gefühl entwickeln kann, nicht zu genügen. Bin ich intelligent genug, bin ich schön genug, bin ich interessant genug ...? Die Liste könnte noch eine Weile weitergehen.

Für junge Leute ist das oftmals keine Frage, sie finden sich selbst unwiderstehlich, und manchmal sind sie das auch, schon allein aufgrund ihrer Jugend, aber wenn man älter wird, macht man sich doch Gedanken über das eine oder andere.

Jede Frau sollte wissen, daß Attraktivität oder Schönheit allein im Auge des Betrachters bzw. der Betrachterin liegt, aber schauen wir nicht doch manchmal in den Spiegel und denken, wir sind zu dick, zu häßlich, zu unattraktiv? (Interessanterweise entwickelt sich dieses Gefühl von Unattraktivität oft eher bei Menschen, die von außen, von anderen, als sehr attraktiv empfunden werden, es hat also nichts mit der Realität zu tun.) Obwohl wir also eigentlich wissen, daß wir nicht irgendwelchen Schönheits- oder Attraktivitätsidealen hinterherrennen sollten, daß jede Frau auf ihre eigene Art attraktiv ist, sind wir davon beeinflußt, schon allein aufgrund der überall zu sehenden Werbung.

Die Angst »Wie lange wird es dauern? Bin ich gut genug für sie?« ist uns wohl allen bekannt. Besonders dann, wenn man die Frau an der eigenen Seite als sehr attraktiv und interessant empfindet (was man ja immer tun sollte. Schließlich hat man sich in sie verliebt). Dann denkt man: »Sie könnte jede andere haben. Warum will sie ausgerechnet mich?«

Okay, das sind Minderwertigkeitskomplexe, bei der einen mehr ausgeprägt, bei der anderen weniger. Man sollte nichts darauf geben. Und doch tut man es. Man möchte das Glück mit beiden Händen festhalten und weiß doch, daß man es nicht kann. Deshalb ist man unsicher. Unsicher, ob man alles richtig macht. Selbst dann, wenn einem die Partnerin versichert, daß alles in Ordnung ist.

Sich selbst zu lieben ist deshalb die beste Voraussetzung, auch andere lieben zu können und vor allem: sich lieben lassen zu können. Das ist manchmal auch gar nicht so einfach.
Beziehung
geschrieben von Heike am Freitag, 26. September 2008
Ich habe mir noch nie Gedanken darüber gemacht, ob meine Freundin gerade an jemand anderen denkt wenn wir miteinander schlafen.
Ich denke ähnlich wie Michaela, daß man sich fürchterlich verrückt machen kann, wenn man sich solche Fragen stellen muß. Dann doch lieber ein klärendes Gespräch.

Beziehung ist für mich sowieso ein schweres Thema zur Zeit.
Ich weiß nicht mehr was normal ist oder was gesund oder ungesund ist.
Ich denke oft, daß ich nicht genüge und meine Partnerin, versucht mir immer zu sagen, zu zeigen, daß ich mehr als genüge. Sie versucht mich sehen, spüren zu lassen, was sie für mich empfindet und ich habe Angst.
Angst, daß es doch wieder nur für kurze Zeit ist.

Ja Michaela, Du hast Recht, kaum jemand ist noch in der Lage um den Menschen zu kämpfen, für den das Herz schneller schlägt.
Ich habe nie gelernt zu kämpfen und um mich wurde auch noch nie gekämpft, doch heute habe ich eine Frau an meiner Seite, die mir diese beiden Seiten versucht nahe zu bringen.
Ich denke es ist ein hartes Stück arbeit für sie. Oder vielleicht auch für uns beide. Aber ich bin jetzt auch bereit, mich darauf einzulassen.

Da ist man auch schon beim Einlassen! Früher, habe ich eine Beziehung als normal und selbstverständlich angesehen. Alles was ich für meine Partnerin getan habe, erschien mir als selbstverständlich. Und wenn sie mal etwas für mich getan hat, ja, auch da empfand ich es als normal.
Doch der Zahn der Zeit ist auch an mir nicht vorbeigegangen und ich mußte lernen, daß nichts in einer Beziehung selbstverständlich sein sollte. Daß eine Beziehung nur dann lebt, wenn beide Partnerinnen ebenfalls leben und zwar jede mit sich, in sich und offen für andere.
Zur Zeit darf ich eine Beziehung genießen, in der für mich alles neu ist. Nichts ist selbstverständlich und doch so normal für mich. So einfach und unglaublich, erschreckend schön. Und das schlimmste daran ist, daß es so unendlich gut tut.
Das erste Mal in meinem Leben, wo ich glaube, daß ich kämpfen würde, sollte sich diese Beziehung auf einen Abhang zu bewegen.

Heute glaube ich, daß, wenn man wirklich offen dafür ist mit einem Menschen an seiner Seite ein Stück seines Lebens zu gehen, dann kann diesen Weg einfach nur unvergeßlich schön werden.

Selbstverständlich?
geschrieben von Michaela am Donnerstag, 25. September 2008
Ich denke nicht, dass sie die Beziehung für selbstverständlich gehalten hat. Sondern einfach nur glücklich war mit ihrer Partnerin. "Böse ist, wer Böses denkt!" Was wäre das für ein Leben wenn man ständig und überall auf der Hut sein müsste, dass die Beziehung enden könnte?

Wenn man jeden Tag aufs Neue "beweisen" muss, was einem die Beziehung wert ist?

Wenn man immer voller Misstrauen in einer Beziehung leben müsste?

Sollte man nicht eigentlich davon ausgehen, dass die Beziehung hält?

Das wenn dem anderen etwas nicht passt er darüber redet?

Warum immer gleich kommentarlos gehen? Das scheint in der heutigen Zeit leider zum Standard geworden zu sein. Viele die ich kenne haben sich scheiden lassen und das nicht immer nur 1 mal.

Die, die nicht verheiratet sind, die hauen noch viel schneller ab. Es sind heute nur noch die wenigsten bereit an einer Beziehung auch zu "arbeiten". Es ist ja einfacher zu gehen. Warum sich mal kulant zeigen und mit den Macken des anderen leben wenn doch die Welt andere Möglichkeiten hat.

Aber wie sagte mein Bruder mal "Jede Beziehung wird mal Erbsensuppe und das ist auch gut, denn jeden Tag Steak oder Trüffel wer mag das schon!" Er ist seit 18 Jahren verheiratet und sie sind immer noch glücklich.

In der obigen Geschichte sind meiner Meinung nach beide Partnerinnen "Schuld". Wenn man überhaupt von Schuld sprechen kann.

Eine hinterfragt nicht, ist einfach nur glücklich und immer noch verliebt und die andere hat sich nie wirklich eingelassen, sich ohne zu reden "entfernt".

Hätte sie es sich "denken" müssen, dass sie ihre Wohnung nur behält um jederzeit "gehen zu können" oder aber hätte sie ihrer Partnerin vertrauen sollen und ihr glauben warum sie die Wohnung halten wollte?

Wie man es macht, einer ist immer der Dumme smilies/wink.gif entweder wird man verlassen weil man vertraut und nicht alles hinterfragt oder weil man hinterfragt!

In diesem Sinne, allen hier viel Glück für ihre Beziehungen....mit der der gesunden Portion von allem...Vertrauen, Liebe, Treue, Ehrlichkeit

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