Ruth Gogoll: Tizianrot

Darf die Schülerin mit der Lehrerin . . .? Nein, darf sie nicht. Doch wenn nach dem Schulabschluß die Leidenschaft noch immer flammt, was kann sie dann noch aufhalten?
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Lesbische Unterhaltung

Madonna mit 50
Journal - Zeitgeschehen
Geschrieben von: Ruth Gogoll   
Samstag, den 30. August 2008 um 08:07 Uhr

Passend zum gestrigen »Popstars«-Artikel heute mal etwas über einen wirklichen Popstar, jemand, die es geschafft hat: Madonna.

Zur Feier ihres 50. Geburtstages tourt sie erneut durch die Welt – und man kann sich wirklich nicht vorstellen, daß aus irgendeiner Castingshow so etwas herauskommen könnte wie sie.

Dabei wäre sie eigentlich ein gutes Vorbild, denn sie ist, was Gesang und Tanz angeht, nicht begabter als andere, vielleicht noch nicht einmal begabter als der Durchschnitt. Aber sie hatte wohl von klein auf etwas, das vielen von diesen Möchtegern-Popstars vollkommen abgeht: Ehrgeiz und ein Ziel vor Augen.

Sie wußte immer, was sie wollte, und das hat sie auch erreicht. Deshalb hat sie Bewunderung verdient. Ein Ziel so konsequent zu verfolgen, wie sie es getan hat, das erfordert Disziplin. Sich selbst zur Ikone zu machen, das erfordert Durchsetzungsvermögen und Glauben an die eigenen Fähigkeiten. All die Anfeindungen auszuhalten, die während der ganzen Zeit auf sie niederprasselten, dafür braucht man Nerven.

Das sind die Voraussetzungen für einen Star, nicht unbedingt, daß man besser singen kann als andere.

Madonna ist derselbe Jahrgang wie Michael Jackson, aber was für ein Unterschied. Michael Jackson, der einst ein sehr begabter Junge war, ist am Ende seines Lebens angelangt – und schon lange am Ende seiner Karriere. Madonna hingegen erfindet sich immer wieder neu.

Das sagt man ihr nach, und das stimmt auch. Denn die muskelbepackte, drahtige Person, die sie jetzt mit 50 Jahren darstellt, hat man wohl früher nicht in ihr gesehen, als »Material Girl« »Like A Virgin«. Gerade das »Material Girl« wurde ihr Markenzeichen, das »Material Girl In A Material World«. Mit nichts hat sie so sehr den Nerv der Zeit, des Zeitgeistes getroffen.

Das Popgeschäft ist ein rein materielles. Es geht nicht um Gesang oder schöne Melodien oder Begabung, es geht nur um Geld. Wer etwas verkauft, was das Publikum haben will, der hat Erfolg. Eine Stimme kann man technisch aufpeppen, Komponisten, die gute Songs schreiben, gibt es auch, Tanzen kann man lernen, eine Bühnenshow wird von Profis konzipiert, die das schon oft gemacht haben, die mit ihrer Erfahrung die eventuell fehlende Erfahrung der Sängerin ersetzen.

Alles, was die Sängerin oder der Sänger mitbringen muß, ist Charisma. Etwas, das die ZuschauerInnen bei der Stange hält, sie dazu bringt, Platten, CDs, DVDs zu kaufen – denn das ist das einzige Ziel einer solch aufwendigen Show: Geld verdienen.

Und das ist absolut legitim. Wenn Menschen bereit sind, Geld für etwas auszugeben, das ein Künstler oder eine Künstlerin geschaffen hat, dann hat die Künstlerin wohl etwas richtig gemacht.

Madonna ist ein Phänomen, ebenso wie Michael Jackson, aber man sieht, wie unterschiedlich Phänomene im Musik-Business sein können. Das eher durchschnittliche »Material Girl« gegen den hochbegabten »King of Pop«, den »Thriller«-König, der eine völlig neue Farbe ins Musikgeschäft gebracht hat (und das meine ich jetzt nicht ironisch).

Wer hat überlebt? Wer führt ein Leben, das den Namen wirklich verdient? Großen Erfolg hatten sie beide, aber man hat das Gefühl, Madonnas Leben fängt wieder einmal neu an, während Michael Jacksons wohl schon lange vorbei ist. Vielleicht hatte er nie eins.

Das Leben hat nicht sehr viel übrig für begabte Träumer, als »Material Girl« hat man es definitiv leichter.

 

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