Laura Beck: Der letzte Liebesdienst

Ein modernes Märchen über die Macht der Liebe über alle Grenzen hinaus. Es gibt nichts, was die Liebe nicht erreichen kann, sogar in der Zwischenwelt.
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Lesbische Unterhaltung


Man sagt, Verliebtsein, das wäre wunderschön
Journal - Zeitgeschehen
Geschrieben von: Ruth Gogoll   
Mittwoch, den 09. Juli 2008 um 10:08 Uhr

Eine Zeile aus einem alten amerikanischen Musical. Und wir alle wissen, daß sie stimmt. Verliebtsein ist wunderschön. Und Liebe macht blind.

Oftmals bezieht man sich mit dieser zweiten Aussage darauf, daß Verliebte die Fehler der Person, in die sie verliebt sind, ignorieren und alle Vernunft außer acht lassen, wenn sie sich eine Zukunft mit dieser Person vorstellen.

Eine neuere Untersuchung zeigt jedoch, daß dies nicht nur für die Person gilt, in die man verliebt ist. Tatsächlich blind oder zumindest unempfänglich für deren Reize wird man gegen andere, äußerst attraktive Personen.

Das ist auch etwas, was wir sicher alle schon erlebt haben. Wir sitzen mit unserer Liebsten am Tisch in einem Restaurant und haben nur Augen für sie. Plötzlich kommt eine sehr attraktive Frau zur Tür herein. Die Augen der meisten Anwesenden wenden sich ihr zu, aber Ihre eigenen Augen, die Augen der Verliebten, lassen sich gar nicht erst von dem geliebten Gesicht der eigenen Liebsten ablenken. 

Doch selbst wenn sie das tun, wenn Sie, weil Sie dem Kellner winken wollten, das Eintreten der Frau bemerkt haben, bemerken Sie deren Attraktivität nicht. Sie könnte nackt sein, und trotzdem erscheint sie Ihnen nur wie ein Störfaktor, der Sie davon abhält, Ihre Liebste wieder anzuschauen oder ihr durch den Kellner ein süßes Dessert bringen zu lassen.

So ist das.Wahrscheinlich könnte sich die nackte Frau sogar auf Ihren Schoß setzen, und Sie würden einfach an ihr vorbeischauen oder sich das verbitten. Eventuell fühlen Sie sich sogar von ihr abgestoßen.

Die Wissenschaftler meinen, dieses Verhalten ist in uns einprogrammiert, damit die Stabilität von längerfristigen Beziehungen gewährleistet ist. Das könnte zutreffen. Wir sollen nicht von Blume zu Blume hüpfen, sondern eine Weile bei der für uns attraktivsten Blume bleiben.

Auch das umgekehrte Phänomen ist ja oft zu beobachten. Man war jahrelang mit einer Frau zusammen, und plötzlich geht die Beziehung den Bach runter, erst schleichend, dann immer schneller. Irgend etwas stimmt nicht mehr, man entfernt sich zunehmend voneinander, und auf einmal hat man das Gefühl, die Welt wäre voller schöner Frauen, die man zuvor einfach übersehen hatte.

Die normale Wahrnehmung der Partnersuche ist wieder eingeschaltet, keine Verliebtheit verstellt mehr den Blick, und man hat das Gefühl wie aus einem Traum zu erwachen. Alles sieht ganz anders aus.

Die jahrelange gute Bekannte, die man schon so oft angeschaut hat, mit der man in der Clique ausgegangen ist oder sonst viel Zeit verbracht hat, scheint urplötzlich enorm an Attraktivität gewonnen zu haben, dabei ist sie dieselbe Person wie gestern oder vor ein paar Wochen, nur unsere Wahrnehmung hat sich geändert.

Eventuell ist das auch der Zeitpunkt, an dem wir feststellen, daß diese Bekannte, diese bislang so harmlose Freundin selbst schon jahrelang verliebt in eine war. Aber sie hatte nie eine Chance, weil die eigene langjährige Partnerin eben wichtiger war, weil sie dahinter nur die zweite Geige spielen konnte.

Nun, da wir geistig wieder frei sind, bemerken wir das plötzlich, und auf einmal erscheinen uns viele Zusammensein nicht mehr so harmlos, wie wir sie bisher gesehen haben. Der Blick auf die Geschehnisse ist vollkommen verschoben oder – aus der anderen Perspektive betrachtet – wieder zurechtgerückt.

 

Kommentare (2)


Untersuchungen und eigene Erfahrungen
geschrieben von Ruth Gogoll am Donnerstag, 10. Juli 2008
Ich glaube, diese Untersuchung ist zustandegekommen, weil die Wissenschaftler selbst bei sich dieses Phänomen beobachtet haben und wissen wollten, ob es auch für andere Leute zutrifft. Ich bin keine Wissenschaftlerin, jedenfalls keine, die solche Untersuchungen durchführt, aber mir ist auch schon vor Jahren aufgefallen, wie sich die Wahrnehmung verändert, wenn man verliebt ist bzw. wie sich das ändert, wenn die Liebe dann wieder aufhört.

Ich kann mich an ein Gespräch mit einer guten Freundin erinnern, vor vielen Jahren, die mich fragte, ob ich denn nie an andere Frauen denken würde, ob ich keine Schwierigkeiten hätte, meiner Lebensgefährtin treu zu sein. Ich war ganz erstaunt, wie sie auf diese Frage kam, weil ich tatsächlich nie an eine andere Frau gedacht hatte, solange ich mit dieser meiner Partnerin zusammenwar (es waren insgesamt neun Jahre). Es fiel mir gar nicht schwer. Als die Beziehung dann allerdings ihrem Ende zuging, änderte sich das, und ich konnte mir damals nicht so recht erklären, warum. Diese Untersuchung erinnerte mich jetzt daran, und deshalb habe ich den Artikel geschrieben.

Letztens schrieb mir eine Leserin, sie glaube an Individualität – das tun wir glaube ich alle –, und deshalb meinte sie, daß das alles individuelle Entscheidungen sind, die wir treffen. Das ist natürlich nachvollziehbar, denn so beweisen wir uns selbst unsere Einmaligkeit. Aber warum sollten wir das nicht sein: einmalig, obwohl uns einiges verbindet?

Der Nachteil dieses Glaubens an die Individualität ist die Einsamkeit, in diesem Fall die Überzeugung, daß es nur mir allein so geht, daß ich allein verantwortlich für meine Gefühle (oder für das plötzliche Fehlen der Gefühle) bin. So ist es aber nicht. Da sind sehr stark unsere Hormone beteiligt, die wir nicht kontrollieren können.
Das soll keine Entschuldigung für grausames Verhalten sein. Auch wenn man eine Person nicht mehr liebt, sollte man sich immer rücksichtsvoll verhalten und versuchen fair zu sein. Aber wo keine Gefühle mehr sind, kann man sie auch nicht mehr herzaubern. Vorbei ist vorbei.

Seien wir trotzdem fair zueinander und versuchen wir auch unsere Ex-Partnerin zu verstehen. Sie kann auch nicht aus ihren Gefühlen heraus, ebenso wie wir selbst. Also sollten wir ihr keine Vorwürfe machen und es doch verstehen, wenn sie uns welche macht. Sie kann nicht anders.

Es klingt manchmal grausam, aber ein Ende mit Schrecken ist oftmals besser als ein Schrecken ohne Ende, bei dem sich beide nur gegenseitig quälen.
-kein Titel-
geschrieben von Dagmar Heier am Donnerstag, 10. Juli 2008
Wie wohl diese Untersuchung zustande gekommen ist ?

Und trotz meiner Skepsis gegenueber solchen Erhebungen muss ich diesmal sagen, da koennte durchaus etwas dran sein. Zumindest erlebe ich selber das gerade genauso.
Zwar das erste Mal in meinem Leben und hoffentlich auch zum letzten Mal - im Angesicht der Komplikationen und der Tatsache, dass man Menschen weh tun muss, die einem doch noch viel Wert sind.

Und wenn es schon Untersuchungen dazu gibt, sind bestimmt noch andere da, denen es genauso geht oder ging. Das ist ein beruhigender Gedanke.

Danke fuer diesen Artikel. Fuer eine Weile ist etwas Ruhe und Klarheit in das zur Zeit herrschende Chaos gekommen.

Lieben Gruss und einen schoenen Tag

Dagmar

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