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Seite 1 von 2 Wieder der Hinweis: Der folgende Text stammt von Andreas Gruber, einem erfolgreichen österreichischen Schriftsteller. Und er ist nicht ernstgemeint. 
* * * Tip Nr. 19: Den richtigen Titel finden Nachdem der Roman vollendet wurde, sollten Sie dazu übergehen, Ihrem Elaborat statt des bisherigen Werktitels einen echten Romantitel zu geben. Dabei sollten Sie auf einige Feinheiten achten: Der Titel muß den Kern der Geschichte treffen, er darf nicht zu viel über die Handlung verraten, auf keinen Fall darf er die Schlußpointe andeuten, er muß aber den Konflikt des Romans erkennen lassen, ein Problem aufwerfen, den Leser neugierig machen, reißerisch und zugleich intellektuell formuliert sein, er muß die Zielgruppe der Leser exakt ansprechen und unbedingt so formuliert sein, daß er einem unweigerlich im Gedächtnis haften bleibt. Für unseren konstruierten Roman könnte der Titel deshalb so lauten: »Das Leben und Sterben des Harry Tuttle, eingebettet in die Saga der Menschen von Calduhocchi, wie sie aufwuchsen, sich ihre Eltern kennenlernten und Harry von ihnen in einer Scheune zusammengedroschen wurde« - - oder - - »Die erfolglose Flucht nach Australien – ein Drama, erzählt in einundneunzig Rückblenden und siebzehn wechselnden Erzählperspektiven« Spüren Sie die Kraft, die von diesem mächtigen Titel ausgeht? Wer würde ein solches Buch nicht sofort kaufen und zu lesen beginnen? Tip Nr. 20: Den Protagonisten bewußt auswählen Nachdem der Roman zu Ende geschrieben wurde und wir ihm einen passenden Titel gegeben haben, sollten Sie sich als Autor ernsthaft die Frage stellen, wer eigentlich der Hauptcharakter Ihres Werkes ist? Verwenden Sie bewußt viel Zeit mit der Überlegung, wen Sie als Protagonisten auswählen. Als Hilfestellung kann Ihnen folgende Überlegung weiterhelfen: Diejenige Person, die am wenigsten in der Handlung zu leiden hat, hat die beste Voraussetzung einen guten Protagonisten abzugeben. Weshalb? Die Antwort kann nur lauten: Weil sich der Leser mit keiner Figur identifizieren möchte, die schwach ist, unter Zeit- und Handlungsdruck agieren muß und dazu gezwungen ist, Dinge zu verändern. Fazit: Bei jenen Protagonisten, die dem Leser am sympathischsten sind, handelt es sich immer um zufriedene, ausgeglichene, starke, selbstbewußte Charaktere, die keine Probleme haben. Alles andere wäre unerträglich langweilig. Dazu noch ein Hinweis: Es muß nicht sichergestellt sein, daß der Protagonist immer aktiv am Hauptgeschehen beteiligt und an den wichtigsten Schauplätzen anwesend ist. Bei fünf parallelen Handlungssträngen ist das ohnehin unmöglich. Anstatt den Protagonisten also krampfhaft in jede Szene hineinquetschen zu wollen, genügt es vollauf, dem Helden die spannendsten Momente der Erzählung zu vermitteln, am besten mit Hilfe von Briefen, Radionachrichten, Zeitungsartikeln, Tagebuchaufzeichnungen oder Erzählungen Dritter. Für den Leser wirkt das ohnehin viel spannender, als erlebte der Protagonist die neuesten Wendungen des Romans selbst mit. Tip Nr. 21: Namen gezielt einsetzen Welcher Charakter soll welchen Namen tragen? Eine berechtigte Frage. Hier gilt vor allem eines: Überraschen Sie den Leser! Scheuen Sie sich nicht davor, ein warmherziges Weichei Branston Cock Smith zu nennen, einen knallharten Raumschiff Kommandanten Hasuel Helferling, eine laszive Barnutte mit rauchiger Stimme Herta Knopetz oder eine überfettete Hausfrau mit Lockenwicklern Lola Genève. Eine weitere Faustregel, die niemals ausgelassen werden darf, lautet: Aliens benötigen unbedingt Alien-Namen! Kein Alien heißt heutzutage Batyk, Crypto, Megalox, Tetran, Zyprak oder Xon-8. Das wäre zu plump und einfallslos. Nennen Sie Ihre Aliens Ycztcvöpüw oder Kdiehfrpweijweroi. Trauen Sie sich! Versuchen Sie es mit: FJl4j¦Ã3Pv! Überraschen Sie Ihre Leser und lassen Sie sich komplizierte Zungenbrecher einfallen, die eine willkürliche Aneinanderreihung von Buchstaben, Zahlen und Zeichen darstellen. Je schwieriger die Namen auszusprechen sind, desto mehr Flair des Extraterrestrischen verleihen Sie Ihren Figuren. Glauben Sie mir: Das wirkt!
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