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Lesbische Unterhaltung


Lust ohne Testosteron
Journal - Lesbisches Leben
Geschrieben von: Ruth Gogoll   
Samstag, den 23. Februar 2008 um 01:30 Uhr

Wir kennen das alle: Männer sind triebgesteuerte Wesen, nur dem Testosteron verpflichtet, und denken den ganzen Tag an Sex. Wird zumindest behauptet, und viele Männer bestätigen das ja auch.

Auch Frauen haben Testosteron im Blut, aber wesentlich weniger als Männer. Somit gehen männliche Wissenschaftler gern davon aus, daß Lust vor allem männlich ist. Die Frauen machen sozusagen nur »mit«, und wenn sie noch weniger Testosteron im Blut haben, als sie eigentlich sollten, haben sie gar keine Lust mehr.

Manchmal hat man das Gefühl, es gibt Lesben, die haben genausoviel Testosteron im Blut wie Männer, wenn man sich ihr Sexualverhalten so betrachtet, aber ich glaube, die speziell lesbische Komponente des Testosterons haben die (männlichen und zudem vermutlich meist heterosexuellen) Wissenschaftler noch nicht erkundet. Für diese Männer geht es nur darum, daß sie nicht verstehen können, daß Frauen nicht zehnmal am Tag »Ja!« schreien, wenn der Mann Sex will.

Für Männer – das stelle ich in Gesprächen immer wieder fest – ist ein Leben ohne Sex unvorstellbar. Wenn man ihnen erzählt, daß Frauen wochenlang, monatelang, ja jahrelang ohne Sex auskommen, schütteln sie nur verständnislos den Kopf. Wenn sich ihr Schwänzchen nicht jeden Tag wenigstens einmal rührt, denken sie, es ist etwas nicht in Ordnung.

Tja, Testosteron, sagen die Wissenschaftler, das macht müde Männer munter. Und deshalb dachten sie, müde Frauen auch. Es gibt nämlich eine als Krankheit eingestufte Müdigkeit bei Frauen, die sogenannte »weibliche Androgeninsuffizienz«, die sich aus eingeschränktem Wohlbefinden, Müdigkeit, schlechter Laune und verminderter Libido zusammensetzt und durch Testosteronmessung im Blutserum diagnostiziert wird.

Zu wenig Androgene, also männliche Geschlechtshormone, dachten die Wissenschaftler, lösen diese Beeinträchtigung aus, denn oftmals wird bei solchen Bluttests ein niedriger Testosteronspiegel bei den Frauen festgestellt.

Niedrig im Vergleich zu was? frage ich mich.

Innerhalb des weiblichen Zyklus gibt es Tage, an denen der weibliche Körper mehr Testosteron produziert – man merkt das oftmals daran, daß man an solchen Tagen besonders gut autofahren und einparken kann, denn das Testosteron erlaubt eine bessere Einschätzung von Entfernungen und Abständen (Männer waren in früheren (Stein)-Zeiten hauptsächlich Jäger und mußten das deshalb gut können. Das Testosteron erlaubt es ihnen heute noch, in dieser Beziehung besser zu sein als die meisten Frauen. Es ist also nicht ihr Verdienst, sondern rein genetisch bedingt), zudem ist man an solchen Tagen risikobereiter und Ängste sind reduziert –, und es gibt Zeiten, in denen der weibliche Körper so wenig Testosteron produziert, daß man sich weniger »männlich« und risikobereit fühlt.

Das ist der Lauf der Dinge und ganz normal, aber Männer kennen das so nicht und meinen deshalb, Frauen, die wenig Testosteron produzieren, wären krank. Irgendwie abartig, diese Denkweise, aber auch nachvollziehbar, denn man geht schließlich immer von sich selbst aus. Ich kann mir auch nicht vorstellen, wie man sich als Mann fühlt, ohne Zyklus, ohne Menstruation, ohne Gefühlsschwankungen, die rein auf dem Zyklus beruhen, ohne all die Gefühle, die eine Frau den Männern in dieser Hinsicht überlegen macht.

Weil für Männer Testosteron auch immer Sex bedeutet, gingen die männlichen Wissenschaftler offensichtlich davon aus, daß eine schwache Libido bei Frauen auch mit Testosteronmangel zusammenhängt. Wenig Testosteron gleich keine Lust auf Sex. Einfache Gleichung.

Dann aber stellte sich bei Untersuchungen heraus, daß der weibliche Körper nicht unbedingt Testosteron braucht, um Lust zu empfinden, eigentlich gar nicht.

Die weibliche Libido ist nicht an den Spiegel der männlichen Geschlechtshormone gekoppelt wie bisher vermutet. Weder Testosteron noch die anderen Hormone aus der Gruppe der so genannten Androgene hängen direkt mit dem sexuellen Befinden der Frauen zusammen, haben australische Forscher gezeigt. Ein Testosteronmangel erlaube daher keineswegs einen Rückschluss auf mangelnde weibliche Libido. (Quelle: Die weibliche Libido)

Wieder ein Mythos für die männlichen Wissenschaftler dahin . . . Sie möchten immer gern alles über den Mann als Zentrum des Universums definieren und die Frau nur in Abhängigkeit davon. War wohl nichts.

Die Wissenschaftler interviewten 1.021 Frauen im Alter zwischen 18 und 75 Jahren und erstellten deren Sexualprofil. Dieses Profil setzt sich zusammen aus den Faktoren Lust, Erregung, Erregbarkeit, Orgasmus, Spaß, sexuelle Bedenken und Selbstbild. Den Frauen wurde Blut abgenommen und auf drei Androgene untersucht: Testosteron, Androstendion und DHEAS.

Der Androgenspiegel war unabhängig von der sexuellen Vitalität der Frauen, ergab die Auswertung. Keiner der einzelnen Faktoren des Sexualverhaltens ging generell mit einem niedrigen Androgenspiegel einher. Der Spiegel des Hormons DHEAS war zwar bei über 44 Jahre alten Frauen mit Sexualstörungen besonders niedrig, umgekehrt galt dies jedoch nicht: Die meisten Frauen mit einem derart niedrigen DHEAS-Spiegel waren sexuell zufrieden. (Quelle: Die weibliche Libido)

 

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