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Das Fernsehen greift immer wieder in die Mottenkiste und wiederholt alte Filme, alte Serien, alte Diskussionen. Einige dieser Wiederholungen habe ich sehr gern und freue mich jedesmal darauf, bestimmte Serien aus den 80ern haben sogar Kultstatus bei mir, und einige alte Filme wie »Casablanca« kann ich auch zum hundertsten Mal mit Genuß anschauen. Es gibt aber auch Dinge, die man lieber in der Mottenkiste lassen und nie wieder herausholen sollte, und eins von diesen ist – Nina Hagen.
Nina Hagen ist im selben Jahr geboren wie ich, vielleicht finde ich es deshalb besonders peinlich, wenn sie sich wie ein dreijähriges Kind benimmt, wie letztens in der Sendung bei Sandra Maischberger, die der Wissenschaftsjournalist Joachim Bublath dann genervt eine halbe Stunde vor dem Ende verließ. Ich meine, ich benehme mich auch manchmal wie ein dreijähriges Kind, aber nicht in der Öffentlichkeit. Nina Hagen hat jedoch offensichtlich keine Probleme damit. Sie war einmal eine interessante Frau, damals als sie aus der DDR in den Westen kam, im Schwung der Ausbürgerungswelle, die Wolf Biermanns Konzerte im Westen auslösten und nach denen er nicht mehr in die DDR zurückkehren durfte. Ich saß – blutjung wie ich war – damals bei Biermanns Konzert in Köln auf der Bühne und habe es hautnah miterlebt. Es war eine tolle Erfahrung. Biermann erzählte und sang über die DDR, wir »Westkinder« hatten keine Ahnung, wovon er eigentlich sprach, denn im Westen waren die Verhältnisse ja doch ziemlich anders, aber es war eine berauschende Atmosphäre, wir waren uns alle einig, daß Demokratie und Freiheit in beiden deutschen Staaten möglich sein sollten. Damals wußten wir noch nicht, daß es gut zehn Jahre später nur noch einen deutschen Staat geben würde, das konnten wir uns gar nicht vorstellen. Es war eine interessante Zeit, eine Zeit voller Veränderungen, voller Entwicklungen, voller Experimente. In diese Zeit paßte Nina Hagen wunderbar hinein. Sie war eine junge Frau, die damals schon schriller war als andere, aber sie drückte damit nur aus, was andere auch empfanden. Sie sagte direkt, was andere nur hinter vorgehaltener Hand flüsterten. Das war befreiend und das hatte durchaus komische Effekte, die aber beabsichtigt waren. Heute entstehen auch komische Effekte, wenn Nina Hagen irgendwo auftaucht, aber ich glaube, das ist nicht mehr so beabsichtigt, sie meint das wirklich ernst, was sie sagt und was sie tut, sie denkt nicht darüber nach, sie hält das nicht für nötig. In der Sendung von Sandra Maischberger sollte es eigentlich nur unterhaltsam um »außerirdische« Erfahrungen gehen, sie hatte ein paar Leute eingeladen, die verschiedenes dazu beitragen sollten. Da war eine Frau, die an die reale Existenz von Engeln glaubt, ein Bestsellerautor, der meint, Amerika verstecke in Roswell auf »Area 51« tatsächlich Aliens und UFOs, der Leiter einer parapsychologischen Beratungsstelle, in der täglich Leute anrufen und sich nach Geistheilern u.ä. erkundigen und eben Nina Hagen. Solche Sendungen sind – das wissen wir alle – nicht ernstgemeint. Wenn man sich länger mit dem Thema beschäftigen will, schaut man »Akte X« oder »E.T.« an, da kann man dann ein bißchen schaudern (Akte X) oder weinen (E.T. - »Nach Hause telefonieren« ... Schnell, wo ist das Taschentuch? ), auch wenn man trotzdem nicht daran glaubt. Irgendwie hatte aber wohl niemand Nina Hagen gesagt, daß das nicht ernstgemeint sein soll. Sie nahm es sehr ernst. Nina Hagen hat nämlich vor 25 Jahren über Malibu ein UFO gesichtet, und das hat ihr Leben verändert. Daß so viele UFOs ausgerechnet über Amerika gesichtet werden und daß hauptsächlich dort Menschen von Außerirdischen entführt werden, die dann nach ihrer Rückkehr von ihren Erfahrungen berichten – meist medizinische Untersuchungen. Man fragt sich, was kann nach so vielen Jahrzehnten immer noch interessant für Außerirdische an unserem doch eher einfach gebauten menschlichen Körper sein? –, hat vermutlich damit zu tun, daß Amerika ja so bedeutend in der Welt ist, die Außerirdischen das wissen und sich deshalb am liebsten dort zeigen, um ihre eigene Bedeutung zu unterstreichen. Auch sind Außerirdische irgendwie zu dumm, sich selbst und ihre Schiffe zu tarnen, oder den Menschen, die sie entführt haben, eine Gedächtnislücke zu verpassen, ganz zu schweigen davon, daß sie sie ja auch umbringen könnten, damit sie nichts über ihre Erfahrungen berichten. Sprich, Außerirdische benehmen sich, als wären sie einem amerikanischen Alien-B-Movie der 50er Jahre entstiegen. Nina Hagen benimmt sich ebenso. Jedenfalls, wenn man ihren Auftritt in der Maischberger-Sendung als maßgebend dafür ansieht. Am Anfang ging es ja noch, aber es dauerte nicht lange, und Nina Hagen konnte es nicht mehr ertragen, neben Joachim Bublath zu sitzen, der als Wissenschaftler außerirdischen Erfahrungen doch etwas skeptisch gegenübersteht. Er tat das, wozu die Sendung eigentlich gedacht war: Er nahm das alles nicht so ernst und schmunzelte darüber. Das brachte Nina Hagen in Rage. Sie regte sich so sehr auf, daß sie Bublath nur noch beschimpfte, ihn als »Alien-Geschöpf« bezeichnete und endlich aus der Sendung ekelte. Und als er dann ging, strampelte sie, um ihrer Freude Ausdruck zu verleihen, auf der Studio-Couch herum wie ein kleines Kind, das gewickelt werden muß. Wie das nun wirklich ist mit den Außerirdischen, das kann ich nicht sagen. Niemand kann das. Ich habe von frühester Jugend an »Perry Rhodan« gelesen, ich liebe Science-Fiction und habe mich immer viel mit Zukunftsvisionen beschäftigt. Außerirdische kommen mir weder fremd noch unwahrscheinlich vor. Sicherlich, daß sie sich von all den unzähligen Planeten ausgerechnet die Erde ausgesucht haben sollen, um hier immer wieder Menschen zu belästigen, das ist kaum erklärlich, aber andererseits: Warum sollten wir allein in diesem riesigen Universum sein, von dem wir noch nicht einmal wissen, wie groß es wirklich ist? Ich könnte auch schon einmal ein UFO gesichtet haben, denn eines Abends trat ich auf meine Terrasse, und da war ein Lichtspiel am Himmel, das nicht natürlichen Ursprungs sein konnte, ein heller Punkt schien sich zu bewegen, dem das wabernde Licht folgte, und es dauerte lange Zeit, bis der Punkt und das Licht verschwunden waren. Ja, ein UFO flog vorbei – oder es waren einfach nur die Laserscheinwerfer der Disco ein paar Kilometer weiter, die ihre Strahlen in den Himmel schickten. Es ist nicht immer einfach zu beurteilen, welche Dinge real sind und welche nicht. Man macht manchmal Erfahrungen, die man nicht einordnen kann, die einem außerirdisch vorkommen – wer weiß, vielleicht sind sie es ja tatsächlich? Bislang hat noch niemand bewiesen, daß es UFOs gibt – allerdings auch nicht, daß es sie nicht gibt. Somit kann jeder das glauben, was er möchte. Sich allerdings wie ein Kind auf der Erde zu wälzen, herumzustrampeln und zu schreien, das wird den Beweis auch nicht erbringen.
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Aber der Vorfilm, der schlägt wirklich alles.
Das ist so toll, da saß man wirklich wie angenagelt im Kino und kriegte sich nicht mehr ein vor Lachen.
In »Ratatouille« selbst ist halt das klassische Prinzip der »Heldenreise« dargestellt, wie in vielen Hollywoodfilmen. Das Prinzip gibt es schon seit der »Odyssee« von Homer auch in vielen erfolgreichen Büchern, es fesselt das Publikum. Wenn man ein erfolgreiches Buch schreiben will, sollte man am besten das Prinzip der »Heldenreise« umsetzen.
Vielleicht hat Nina Hagen auch so eine Heldenreise gemacht, und etwas ist schiefgegangen, die Vermutung liegt manchmal nahe, das ist wahr. Eine andere Vermutung, die ich in einem Forum gelesen habe, ist, daß Nina Hagen selbst ein Alien ist, das von den anderen Aliens hier auf der Erde ausgesetzt wurde, weil sie nicht mehr mit ihr zurechtkamen. Vor 25 jahren haben sie dann noch einmal nachgeschaut, ob sie immer noch hier ist.
Das mit dem »gescheiterten Experiment« läßt sich natürlich auch noch weiterführen. Deshalb liebe ich Science Fiction, da gibt es zum Teil wirklich sehr lustige Weiterentwicklungen der menschlichen Existenz.